"Krone" als Speerspitze

Studie: Negative Bilder dominieren Berichte über Zuwanderung

Oliver Mark, 12. Jänner 2012, 17:59
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    foto: apa/pfarrhofer

    40 Prozent der Befragten sagen, dass die österreichischen Boulevardmedien bewusst negativ über Zuwanderung berichten; 33 Prozent erwähnen explizit die "Kronen Zeitung".

46 Prozent der heimischen Medienmacher sehen negativen Einfluss der Massenmedien auf Integrationsprozess

Massenmedien spielen beim Thema Zuwanderung eine wichtige Rolle. Was aber im Bewusstsein von Österreichs Medienmachern präsent ist, muss sich noch lange nicht in der Berichterstattung widerspiegeln. 46 Prozent gehen nämlich von einem negativen Einfluss der Massenmedien auf den Integrationsprozess in Österreich aus, und sogar 57 Prozent sind der Meinung, dass die Berichterstattung über Zuwanderung tendenziell negativ ist. Die Speerspitze bilden dabei Boulevardmedien, glauben die Befragten, allen voran die "Kronen Zeitung", der 33 Prozent eine "ausländerfeindliche" Grundhaltung attestieren.

Das sind Ergebnisse, die Karin Zauner im Rahmen ihrer Dissertation "Zuwanderung - Herausforderung für Österreichs Medien"* zutage förderte. Die Kommunikationswissenschafterin hat für ihre Studie 40 österreichische Chefredakteure bzw. Geschäftsführer interviewt. Das Resultat wurde am Donnerstag präsentiert und anschließend am Podium diskutiert. Der Kontext, in den das Thema Migration eingebettet ist, wird von den Themen "Problem/Konflikt" (93 Prozent), "Kriminalität" (63 Prozent) und "Bedrohung/Angst" (28 Prozent) dominiert. Positive Beispiele werden zwar für sinnvoll erachtet (80 Prozent), kommen aber im Redaktionsalltag viel zu kurz.

Verantwortung

"Boulevard ist nicht gleich Boulevard", sagt Wolfgang Ainetter, Noch-Chefredakteur der Gratiszeitung "Heute", und will sich von Konkurrenten wie "Krone" und "Österreich" abgrenzen, denn: "Eine negative Berichterstattung ist bei uns in der Minderzahl." Ausdrücke wie "Tschetschenenbande" kämen in "Heute" nicht vor, seien aber in anderen Medien gang und gäbe, kritisiert er. "Wir haben als Zeitung eine Verantwortung."

Unter seiner Ägide, die erst im Februar begann und in drei Wochen schon wieder endet, sei das Thema Migration bewusst abseits von Klischees transportiert worden. Wenn es keinen direkten Zusammenhang zur Herkunft gibt, werde die Nationalität nicht erwähnt, versichert er. Das sei die Blattlinie - im Gegensatz zu Print-Konkurrenten, die mit Schlagzeilen wie "Türke vergewaltigt Wienerin" Ressentiments schürten. Boulevard müsse zwar emotionalisieren, aber nicht auf diese Weise. Mit "positiven Geschichten" solle ein anderes Stimmungsbild gezeichnet werden. Etwa mit jener über "Österreichs ersten schwarzen Feuerwehrmann", der das Titelblatt der Zeitung zierte, so Ainetter.

Gegen "Alibiberichte"

Das seie eine Geschichte, die es auf daStandard.at in dieser Form nicht gäbe, betont Olivera Stajić, Redaktionsleiterin der Plattform. Sie ist gegen solche "Alibiberichte", wo Menschen instrumentalisiert würden, um "schräge Bilder" zu erzeugen. "Nur weil jemand schwarz und ein Feuerwehrmann ist, ist das noch keine Geschichte", moniert Stajić. "Wir würden so etwas maximal in Zusammenhang mit einem Berufsporträt bringen."

Als negatives Beispiel wurde ein Bericht der "Kronen Zeitung" thematisiert, der vor kurzem unter dem Titel "Jährlich 50 kranke Inzest-Babys" erschien. Eine Folge von "Verwandtenehen", "betroffen sind zumeist Migrantenkinder", heißt es da. Als Quelle fungiert "ein AKH-Mediziner". Wie auf dem Medienwatchblog Kobuk zu lesen war, konnte das AKH den Inhalt des Artikels nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil, denn auch das Zitat komme sicher von keinem AKH-Mitarbeiter, ließ das Krankenhaus verlauten. Das Problem: Kobuk lesen einige Tausend, die "Krone" fast drei Millionen täglich.

Wenige Journalisten mit Migrationshintergrund

18 Prozent der in Österreich lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund, in Wien sind es sogar 38 Prozent. Und wie sieht es mit Diversität in Österreichs Redaktionsstuben aus? Laut Studienautorin Karin Zauner bewegt sich der Anteil gerade einmal bei 0,5 Prozent.

Eine unbefriedigende Situation, meint auch Ainetter und erzählt von "300 bis 400" Bewerbungen, mit denen er in seinem einjährigen Chefredakteursdasein konfrontiert war. "Nur einer hatte einen Migrationshintergrund." Es sei schwer, geeignete Leute zu finden. Eine journalistische Vielfalt, die einfach nur der gesellschaftlichen Realität Rechnung trägt, wünscht er sich für seine (ehemalige) Zeitung: "Schließlich hat 'Heute' den größten Anteil an Lesern mit Migrationshintergrund."

Genügend qualifizierte Leute

Stajić hält das für eine bequeme Ausrede, denn: "Wenn jemand gezielt nach Journalisten mit Migrationshintergrund sucht, wird er die auch finden." Es gebe genügend hoch qualifizierte Leute, die sich in dem Metier verwirklichen möchten. Das würden die vielen Bewerbungen, die es zum Start von daStandard.at gab, beweisen. Das Problem verortet sie nicht am Arbeitsmarkt, sondern primär in den Chefetagen der Medien, wo die gesellschaftliche Normalität noch nicht angekommen sei. Von einer "Migrantenquote" hält sie wenig, vielmehr könnte eine Art freiwillige Selbstverpflichtung der Medien Früchte tragen. Ein System, das zum Teil in Deutschland erfolgreich vorexerziert wird.

Gründe gesucht

Eine "Migrantenquote" in Österreichs Redaktionen lehnen laut der Studie 83 Prozent der Medienmacher ab. 63 Prozent identifizieren den Mangel an Deutschkenntnissen als Hauptproblem bei der Einstellung von Journalisten mit Migrationshintergrund. 23 Prozent führen Bewerbungsängste ins Treffen. Über ein eigenes "Diversitätskonzept" verfügt kein einziges Medium und 95 Prozent haben keine Ahnung, wie hoch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund innerhalb der eigenen Rezipienten ist.

Als konkrete Handlungsempfehlungen destilliert Zauner aus ihren Daten zum Beispiel, dass Menschen mit Migrationshintergrund in die Media Analyse sowie in den Austrian Internet Monitor aufgenommen werden sollten, um den Medienmachern die Heterogenität ihrer Leserschaft vor Augen zu führen. Weiters appelliert sie an ORF und Co., nicht immer dieselben Vertreter aus den Communitys zu zeigen und den Expertenpool zu erweitern. "Einfach die Vielfalt zeigen, und das auf prominenten Sendeplätzen", so die Studienautorin. (om, derStandard.at, 12.1.2012)

*Hinweis

Die Dissertation "Zuwanderung - Herausforderung für Österreichs Medien" wurde von Holzhausen als Buch (225 Seiten, 42 Euro) verlegt.

In der qualitativen Studie wurden 40 EntscheidungsträgerInnen (24 ChefredakteurInnen, 16 GeschäftsführerInnen; 37 Männer; 3 Frauen) von 22 reichweitenstarken österreichischen Medien (Print, TV und Radio) befragt.

Karin Zauner, die als Redakteurin beim Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien arbeitet, wurde für ihre Arbeit diese Woche mit dem Förderpreis für Medienforschung des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) ausgezeichnet.

Kommentar posten
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Boandlkramer
00
17.1.2012, 19:51

Egal, auch die Fotoreihen in "Heute" auf den Chronikseiten sprechen eine eindeutige Sprache...

Dieses Posting wurde zensuriert
03
15.1.2012, 20:15

ich lese nur die brickner, die ist
unvoreingenommen

no_milk_today
00
16.1.2012, 23:05

wenn, dann nur mehr datum und evtl wetterbericht. ok, fernsehprogramm. moment, ich hab kein tv mehr, also kann ich mir zumindest das dann sparen.

no_milk_today
01
15.1.2012, 13:50

krone = bild = fellnerismus = dichandismus = [täglich alles gibt es ja nicht mehr] = atv/rtl usw

unterschied?

J R
25
14.1.2012, 17:44

der Überbringer der Nachricht ist also der Schuldige.

Ab heute wird daher alles schöngeredet und generell nur mehr positiv über die migrantische Zielgruppe berichtet. Kann doch nicht sein, daß wirs nicht schaffen die Meinung der Masse so zu beeinflußen wie sie laut PC zu sein hat. Die Krone kanns ja auch. Also Standard, froh ans Werk.

hexe caracas
12
14.1.2012, 13:44
diese (negative) Art der Berichterstattung der

Krone erschwert die Integration - da gibt es aber in anderen Medien (ORF) positive Berichterstattung -das gleicht sich also aus
-was mich stört, daß die meisten Medien abhängig sind und so werden die wirklich große "Übeltäter"
geschüzt - aber wie wir schon wissen, in bestimmten Kreisen muss der Schwächere nachgeben...so wie gestern bei einem heißen Artikel, der nur kurz zu lesen war...

elf*assa
00
14.1.2012, 13:34
komisch...

ich hab nie dergleichen in der "Krone" gelesen.
Ganz im Gegenteil.

qed1
32
14.1.2012, 18:19

Meinen Sie: 'Österreicher vergewaltigt Türkin.'?

Sowas werden sie in der Krone tatsächlich nie lesen - nicht weils nicht passiert, sondern weil das für das Krone-Puplikum nicht interessant ist.

elf*assa
00
14.1.2012, 19:54
Hm,

Sie meinten: Das Krone-Publikum.

Frau Regenwurm
71
13.1.2012, 22:04

In der Tiroler Tageszeitung war von einem "Zuwanderungsstrom" zu lesen. Hat jemand von euch diesen Strom gesehen?

weg
03
14.1.2012, 18:21
Strom und

Spannung kann man nicht sehen, nur messen.

Ernst Kratochwil
720
14.1.2012, 10:54
Jeder der in Wien lebt, sieht diesen Strom, sobald er

sein Haus verlässt.

Corleone73
44
14.1.2012, 18:01

Deinem namen nach zu schliessen, bist du selbst teil dieses stroms...

Arbeiter
510
14.1.2012, 18:36
Sie bringen die Idiotie der vorgeschriebenen Meinung auf den Punkt, Corleone,

indem sie den slawischen Familiennamen als Beispiel für das "Integrationsthema" hernehmen. Alle Slawen haben sich assimiliert. Das "Integrationsproblem" lautet in die Realität übersetzt einerseits "Islam" und in Ö "Türken".

nargilek
00
17.1.2012, 12:08
Uff

Puh... also ich wäre nicht stolz zu schreiben "alle Slawen haben sich assimiliert". Wenn Migranten alles von ihrer eigenen Kultur hinter sich lassen müssen, um akzeptiert zu werden ist das traurig.
Ständige Forderungen an Migranten kann nicht die Lösung sein und die eingesessene Bevölkerung muss sich genauso bewegen, um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen.

Arbeiter
00
17.1.2012, 18:54
Nargilek, wenn wer was schreibt, ist die Frage, ob das stimmt

und nicht, ob er es sagen oder stolz darauf sein darf. Die Einwanderer der letzten 1000 Jahre, oft Slawen, haben sich assimiliert. Mir ist nicht bekannt, dass sie jemand hergeschleppt hätte oder ihnen die Polnische oder Tschechische Sprache verboten. Es ist völlig normal, dass Italiener oder Franzosen hierher heiraten, ihre Kinder dann zweisprachig aufwachsen, aber nicht mehr Polnisch schreiben können usw. Normale Entwicklung überall auf der Welt. Die Ansiedlung eines fremden Volkes ohne den Willen des Eingeborenen zieht üblicherweise jede Menge Unfrieden nach sich. Die Welt ist voll blutiger Beispiele.

qwertztt
21
15.1.2012, 02:53

Wenn Sie meinen "Alle Slawen haben sich assimiliert." warum hat er seinen "slawischen Namen" dann nicht geändert?

Sehr schlecht "assimiliert"....

Ernst Kratochwil
16
15.1.2012, 10:13
Das braucht er nicht, weil der genau so

österreichisch ist wie Mayer, Müller oder Schickelgruber.

In gut zwei Drittel des österr. Bundesgebiets finden Sie Flur und Ortsnamen, die auf slawische Wurzeln zurückgehen.

Die ersten Herzöge in Kärnten haben ihren Inaugurationseid noch in einer slawischen Sprache geleistet.

Der Herzog, den man als ersten österr König bezeichnen kann, hiess Prschemysl.

Ungarn, Slawen und Deutsche leben in Österreich seit vielen Jahrhunderten.

Wobei Ihr Einwand darauf hinweist, dass Sie nicht einmal zwischen Vor- und Nachnamen unterscheiden können. Traurig, Hr./Fr. Qzerttzt.

Niemand interessiert wieviel "ü" einmal in einem österreichischen Telefonbuch stehen, aber sehr wohl ob jemand sein Kind Ernst, Kevin oder Jihad nennt.

Arbeiter
10
15.1.2012, 16:47
Das ist schon amüsant, wie meine Vereinfachung "alle Slawen haben sich assimiliert" aufregt!

Und wie das alles Wurscht ist im Vergleich zur Etablierung der orientalisch-islamischen Völker in ihrer real existierenden Form in Europa, folgend den Fatwas aus Kairo und den türkisch-nationalistischen ATIB, Milli Görüs, usw.

qwertztt
21
15.1.2012, 14:08

Nur weils hunderte Jahr da sind....;-) Wie lang muss man da sein um sich nicht vollständig zu assimilieren zu müssen?

Ich wollte nur auf die Aussage "Alle Slawen haben sich assimiliert" eingehen. Die, wie Sie schreiben, "slawischen" Wurzeln gehören genau so dazu, wie andere...da ist keine Assimaltion notwendig und auch nicht gewünscht (wär ein großer Verlust, besonders für die öst. Küche ;-))

Ernst Kratochwil
01
15.1.2012, 15:24
Kennen Sie irgend wen, der verlangt Zuwanderer müssten sich so assimilieren,

dass sie auch ihren Familiennamen ändern?

Darauf basiert ja Ihr Einwand.

Also wer verlangt das, wieso und wo steht das?

Es ist ja (höflich ausgedrückt) sehr eigenartig, wenn Sie Forderungen karrikieren, die niemand stellt.

qwertztt
21
15.1.2012, 16:22

Naja, natürlich können Sie von mir aus Assimilation definieren wie sie wollen.

Abgeschlossen ist diese wenn nichts mehr für den "Ursprung" spricht... Wenn man Assimilation von jemanden anderen fordert, soll man auch die (vermeintlichen) Folgen fürsich selber und andere Personen berücksichtigen und generell die Frage aufwerfen, was unter Assimilation zu verstehen ist.

Ernst Kratochwil
11
15.1.2012, 17:11
"..nichts mehr für den "Ursprung" spricht..."

Das kann nicht stimmen, weil bei viele Deutschen Namen erkennt man ja auch den (deutschen) "Ursprung".

Aber Sie haben Recht man muß assimilieren einmal definieren.

Wiki:
"Üblicherweise wird mit der Assimilation von Einwanderern die Annahme der Sprache (bei gleichzeitiger Aufgabe ihrer eigenen) und der Gebräuche ihres Aufnahmelandes verbunden.."

Ist ziemlich brauchbar.

Sie können also weiter bei "quertztt" bleiben, wie ich bei Kratochwil.

qwertztt
00
16.1.2012, 00:05

Naja ich hoffe Sie bleiben bei Kratochwil, so wie mein Name auch nicht gerade Deutsch klingt ;-) Is doch scheen

strangerinastrangeland
 
12
15.1.2012, 09:28

Die Slawen und die Ungarn, die nach Österreich eingewandert sind, mussten sich nicht assimilieren, sondern nur eine neue Sprache lernen, kulturell gab und gibt es da wenig Unterschiede.

Bei kultureller Ähnlichkeit ist Einwanderung primär eine Frage des Arbeitsmarkts und der Tragfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme, erst bei Einwanderung aus anderen Kulturkreisen stellt sich die Frage der Assimilation.

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