Seit 1981 fotografiert Freddy Langer prominente Künstler mit Schlafbrille. Die Konterfei-Sammlung "Blind Date" ist nun in Salzburg zu sehen
Salzburg
- Beim klassischen Blind Date verabreden sich zwei Personen, die sich
vorher noch nie gesehen haben - auch nicht auf einer Fotografie. Zudem
wissen sie wenig oder gar nix voneinander. Den Aspekt des
Ausgeliefertseins betont Freddy Langer bei seiner speziellen Form von
Blind Dates, ansonsten kann man davon ausgehen, dass er sehr wohl
einiges von seinen Gegenübern weiß: Seit fast 30 Jahren fotografiert der
Frankfurter Reisejournalist nämlich mit einer Polaroidkamera
Prominente aus Kunst und Kultur hinter einer Schlafbrille - ergo der
Titel Blind Date seiner 2010 im Knesebeck-Verlag erschienenen
Konterfei-Sammlung, die jetzt in der gleichnamigen Ausstellung des
Salzburger Literaturhauses zu sehen ist.
Der 54-jährige Langer arbeitet seit 1987 beim Reiseblatt der FAZ
sowie als Buch- und Kunstkritiker, etliche seiner Reportagen und
Glossen wurden ausgezeichnet, auch in Buchform sind einige erschienen -
etwa So weit. So gut. Unterwegs in sechs Kontinenten (1998) oder The Final Cut: Route 66 (2000).
1981
begann Langers Interesse an "blinden" Kunstköpfen: Porträts von Joseph
Beuys, Marianne Faithfull, Gilbert & George, Richard Hamilton, Andy
Warhol, Wim Wenders, Bono, Claudia Cardinale, Dennis Hopper, John
Malkovich, Debbie Harry, Iris Berben oder Helmut Newton waren die Folge.
Und von Schriftstellern wie Isabel Allende, Margaret Atwood, Louis
Begley, Arno Geiger, Durs Grünbein, Michel Houellebecq, Bodo Kirchhoff,
Robert Menasse, Adolf Muschg, Harry Rowohlt - insgesamt 40 dieser
"Fahndungsfotos" sind jetzt erstmals in Österreich zu sehen.
Für sein Kunstprojekt Who is Who
entwickelte Langer ein Memo-Spiel mit jeweils zwei Aufnahmen der
Prominenten, die dabei natürlich zwei unterschiedliche Schlafbrillen
trugen. Wie beim "echten" Memory kann man die zusammengehörenden Karten
suchen. Dass Kulturinteressierte Charakterköpfe wie den Hamburger
Rauschebart Rowohlt hinter einer Schlafbrille nicht erkennen, ist eher
unwahrscheinlich. Freilich geht es auch um etwas anderes: das "wahre"
Gesicht, Entblößung durch Verkleidung, eine Reflexion über Wesen und
Gestalt von Masken. (Gerhard Dorfi / DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)
Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, bis 29. 3., Mo-Do 10.00-17.00 sowie bei Abendveranstaltungen