Die Masken der Künstler

12. Jänner 2012, 18:36
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Seit 1981 fotografiert Freddy Langer prominente Künstler mit Schlafbrille. Die Konterfei-Sammlung "Blind Date" ist nun in Salzburg zu sehen

Salzburg - Beim klassischen Blind Date verabreden sich zwei Personen, die sich vorher noch nie gesehen haben - auch nicht auf einer Fotografie. Zudem wissen sie wenig oder gar nix voneinander. Den Aspekt des Ausgeliefertseins betont Freddy Langer bei seiner speziellen Form von Blind Dates, ansonsten kann man davon ausgehen, dass er sehr wohl einiges von seinen Gegenübern weiß: Seit fast 30 Jahren fotografiert der Frankfurter Reisejournalist nämlich mit einer Polaroidkamera Prominente aus Kunst und Kultur hinter einer Schlafbrille - ergo der Titel Blind Date seiner 2010 im Knesebeck-Verlag erschienenen Konterfei-Sammlung, die jetzt in der gleichnamigen Ausstellung des Salzburger Literaturhauses zu sehen ist.

Der 54-jährige Langer arbeitet seit 1987 beim Reiseblatt der FAZ sowie als Buch- und Kunstkritiker, etliche seiner Reportagen und Glossen wurden ausgezeichnet, auch in Buchform sind einige erschienen - etwa So weit. So gut. Unterwegs in sechs Kontinenten (1998) oder The Final Cut: Route 66 (2000).

1981 begann Langers Interesse an "blinden" Kunstköpfen: Porträts von Joseph Beuys, Marianne Faithfull, Gilbert & George, Richard Hamilton, Andy Warhol, Wim Wenders, Bono, Claudia Cardinale, Dennis Hopper, John Malkovich, Debbie Harry, Iris Berben oder Helmut Newton waren die Folge. Und von Schriftstellern wie Isabel Allende, Margaret Atwood, Louis Begley, Arno Geiger, Durs Grünbein, Michel Houellebecq, Bodo Kirchhoff, Robert Menasse, Adolf Muschg, Harry Rowohlt - insgesamt 40 dieser "Fahndungsfotos" sind jetzt erstmals in Österreich zu sehen.

Für sein Kunstprojekt Who is Who entwickelte Langer ein Memo-Spiel mit jeweils zwei Aufnahmen der Prominenten, die dabei natürlich zwei unterschiedliche Schlafbrillen trugen. Wie beim "echten" Memory kann man die zusammengehörenden Karten suchen. Dass Kulturinteressierte Charakterköpfe wie den Hamburger Rauschebart Rowohlt hinter einer Schlafbrille nicht erkennen, ist eher unwahrscheinlich. Freilich geht es auch um etwas anderes: das "wahre" Gesicht, Entblößung durch Verkleidung, eine Reflexion über Wesen und Gestalt von Masken. (Gerhard Dorfi  / DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, bis 29. 3., Mo-Do 10.00-17.00 sowie bei Abendveranstaltungen

  • Artikelbild
    foto: freddy langer / literaturhaus salzburg
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