Zum Tod eines US-Avantgardefilmemachers und fröhlichen Kunst-Aktionisten
San Francisco - Anarchische Wassermelonenexperimente und dazu ein
treibender Score von Steve Reich: Oh Dem Watermelons, eine satirische
Zuspitzung rassistischer Stereotype aus dem Jahr 1965, wird wohl als
einer der bekanntesten Filme des US-Filmemachers und Lehrers Robert
Nelson in Erinnerung bleiben.
1930 in San Francisco geboren, studierte Nelson Malerei, bevor er
begann, freie Filme zu drehen: mit unübersehbarem Hang zur spielerischen
Brechung jedweder Erwartung an die "Filmkunst", irgendwo zwischen
fröhlichem B-Movie-Aktionismus (The Great Blondino, 1967) und
vielschichtigen, nahezu lyrischen Kompositionen (Limitations, 1988).
Erst vor rund zehn Jahren, wohl auch motiviert vom Interesse einer
jüngeren Generation, begann Nelson diese Filme - die er zwischenzeitlich
auch geschreddert oder zu Objekten umgearbeitet hatte - wieder
vorzuführen. Unter anderem 2006 in Oberhausen und im Wiener Filmmuseum,
wo man ihn gut aufgelegt und auskunftsfreudig bei Publikumsgesprächen
erleben konnte. Bereits am Sonntag ist Nelson 81-jährig seiner
Krebserkrankung erlegen. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)