Minderjährige Flüchtlinge

"Ankerkinder": Nur 17 Fälle im Vorjahr

Maria Sterkl, 13. Jänner 2012, 10:20
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    foto: pakistan rechte: epa/bilawal arbab

Nur wenige jugendliche Asylwerber holen ihre Eltern ins Land - Es scheitert am Geld und an Gesetzeshürden

Schicken Schlepper tatsächlich immer mehr Flüchtlingskinder alleine nach Österreich, damit diese später ihre Eltern nachholen können? Der Leiter des Lagers Traiskirchen, Franz Schabhüttl, hatte gegenüber Medien von einer neuen Schlepperstrategie gesprochen. Doch ExpertInnen zeigen sich verwundert über diese Aussage: Nur ein geringer Teil der jugendlichen Flüchtlinge beantrage Familienzusammenführung. Der Großteil lebe ohne Vater und Mutter in einer Betreuungsstätte. 

Insgesamt seien derzeit 824 minderjährige Asylsuchende bei der Grundversorgung gemeldet, sagt Heinz Fronek von der Asylkoordination. Ein Rundruf bei den Unterbringungsstätten habe ergeben, dass nur in 17 Fällen eine Zusammenführung der Familie in Österreich stattgefunden hat - im gesamten Jahr 2011 in ganz Österreich.

"Ganz selten"

"Das erleben wir ganz selten, dass die Familie nachkommt", sagt auch Margit Pollheimer. Die Mitarbeiterin des Don Bosco Flüchtlingswerks betreute im letzten Jahr insgesamt 30 minderjährige Flüchtlinge - keiner der Jugendlichen habe einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt.

Das hat mehrere Gründe: "Viele Jugendliche haben gar keine Eltern mehr, oder sie haben die Angehörigen auf der Flucht verloren", sagt Pollheimer. Aber auch bei jenen, die wissen, wo sich Vater und/oder Mutter aufhalten, sei es alles andere als einfach, die Angehörigen ins Land zu holen.

Erstens muss dafür ein positiver Verfahrensabschluss vorgewiesen werden. "Und das geht bei Minderjährigen nicht schneller als bei Volljährigen", sagt Fronek. Nur ein geringer Teil der Minderjährigen erhalte einen positiven Asylbescheid - im Jahr 2009 beispielsweise hätten von 142 minderjährigen Asylsuchenden nur sieben eine Asylberechtigung erhalten. Das sind fünf Prozent. 

Der Großteil der Jugendlichen erhalte keinen Asylschutz, sondern nur den sogenannten subsidiären Schutz. Vereinfacht gesagt: Der Staat Österreich sieht im betreffenden Fall keine Fluchtgründe, er erklärt sich aber bereit, den oder die Betreffende/n nicht ins Herkunftsland abzuschieben, weil die Lage dort nicht sicher ist. Wer diesen subsidiären Schutz erhält, kann erst nach einer einjährigen Wartefrist den Antrag auf Familienzusammenführung stellen - aber auch nur dann, wenn er oder sie nicht mittlerweile 18 Jahre alt geworden ist.

Geschwister ausgenommen

Familienzusammenführung heißt zudem, dass nur Vater und Mutter nachgeholt werden können - nicht etwa der 19-jährige Bruder oder die 13-jährige Schwester, die bei der Tante in Afghanistan leben. Geschwister dürfen nur dann nachkommen, wenn sie minderjährig sind und gemeinsam mit einem Elternteil reisen - sonst nicht.

Für viele Betroffene stellten die hohen Kosten der Zusammenführung die allergrößte Hürde dar, sagt Fronek: Nicht nur die Flugtickets seien zu bezahlen, sondern zusätzlich auch aufwendige DNA-Tests und Altersgutachten; allein schon für diese Nachweise könnten Kosten von bis zu 5000 Euro pro Familie entstehen.

Warum aber kommen so viele Kinder und Jugendliche aus Afghanistan alleine nach Europa? Laut dem Flüchtlingshochkommissariat der UNO (UNHCR) werden Familien oft auf der Flucht getrennt und verlieren den Kontakt zueinander. Manchmal werden männliche Jugendliche gezielt fortgeschickt, um zu verhindern, dass sie als Soldaten eingezogen werden. In wieder anderen Fällen kamen die Eltern ums Leben, und die Kinder versuchten allein ihr Glück in Europa.

Geld reicht nur für einen

Oftmals hindern die hohen Schlepperkosten Familien daran, gemeinsam den Weg nach Europa anzutreten. "Da reicht das Geld meist nur für ein Familienmitglied", sagt Fronek - und häufig falle die Wahl auf den ältesten Sohn. 

Angesichts der geringen Zahl von 17 Familienzusammenführungen mit minderjährigen Flüchtlingen von "Ankerkindern" zu sprechen hält Fronek für "ziemlich absurd". Und Pollheimer meint: "Es wäre vielen Kindern zu wünschen, dass ihre Eltern nachkommen. Aber oft wissen sie nicht einmal, ob sie noch am Leben sind oder nicht." (Maria Sterkl, derStandard.at, 13.1.2012)

Kommentar posten
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.::.wanderfalke.::.
 
20
30.1.2012, 07:14
Was von der Hetze der Effen ...

in den Köpfen ihrer Mitläufer hängenbleibt, füllt hier im Forum diverse Postings. Die Fakten lassen die Behauptungen der Effen als das erscheinen, was sie sind: maßlose Übertreibung, bewußt in Umlauf gebrachte Lügen.

69
94
19.1.2012, 13:08

wie sieht es mit diebstahl, betrügereien und sonstigen rechtswidrigen delikten aus? von dem spricht keiner, es gibt eben ganz wenige leute die sich wirklich integrieren wollen, so werden eben die kinder vorgeschickt, denn die stellen ja keine fragen und die kinderlein werden auch nicht rechtskräftig verurteilt da sie ja noch sehr klein sind also nicht unter das jugendstrafrecht fallen. na ja macht was ihr wollt, etwas zu bewegen in diesem land ist zeitverschwendung. die regierung verabsäumte eine evaluierung und weiterentwicklung der asylpolitik, in anderen bereichen auch sprich gehrer aber das ist ja nicht das thema über das hier gesprochen wird

rudolf schladming
 
00

ich will mich auch nicht integrieren. mein glück, dass ich ein "echter österreicher" ohne migrationshintergrund bin.

sleepy
20
Fakt ist ...

Wir wissen über diese Kinder genauso viel Bescheid, wie wir über Gadafis Sozialstaat, Osamas Tod, Sadams Atomwaffenerzeugung, und dem TwinTower Bescheid wußten. Wir wissen, was die Medien wollen, dass wir wissen.

Und Sie meinen die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben und schimpfen auf Leute, deren Lebenslage sie nicht im Geringsten im Stande sind zu beurteilen.

Ich habe mit der enorm angestiegenen Kriminalitätsrate auch so meine Probleme, würde aber nicht gleich meinen Frust an diesen Kindern auslassen. Ausserdem sind unsere Behörden hier auch keine Früchtchen: "... "Wenn teilweise 16- und 17-jährige für volljährig erklärt werden, dann ... " bestätigt, dass man auch seitens der Beamten gesetzes widrig handelt. Ist da kein Betrug?

fiffi123
20
23.1.2012, 09:50
typisch

österreichisch kleinkarierte Aussage.
Die asylpolitik in österreich arbeitet mit angst- mit falschen daten wie oben im artikel- die zahlen beweisen das gegenteil. Die kinder kommen, um zu überleben. Aus Ländern wo es keine Zukunft gibt.
und die sind genau gleich kriminell wie in österreich geborene. nur haben sie es noch schwerer.

Hellcat
05
18.1.2012, 12:47

Als der Ankerkind-Experte Fronek im Standard das erste Mal über das Phänomen geplaudert hat
http://derstandard.at/131639027... esterreich
da meinte er:
"Wenn teilweise 16- und 17-jährige für volljährig erklärt werden, dann sind die Familien eben gezwungen, die jüngeren Geschwister zu schicken"

Habt ihr euch bei diesem Artikel nicht gefragt, warum es für die Eltern so wichtig ist, dass das Ankerkind als Minderjähriger durchgeht?
Für alle, die es damals nicht gecheckt haben, stehen die Altersgrenzen für die Familienzusammenführung jetzt oben.

Erich Hametner
 
22
16.1.2012, 23:48
Also war die ganze Aufregung um Abertausende Ankerkinder...

...und die Hochrechnungen auf ein ganzes Jahr völlig umsonst!
Es waren nur 17 - und das belastet die Gehirne in den Rechtswindungen???

Mir scheint, dass der Standard von unseren rechten Mitbrüdern gerade so gestürmt wird, weil sie auf der rechstpolpulistenseite von unzensuriert.at zusehends vereinsamen, gell?

Hubert Ungeist
 
00
22.1.2012, 06:27
Die Umfrage per Anruf

ist wohl alles andere als seriös.

Die Zahl wird wohl größer sein. Sollen es aber von mir aus auch 100 sein - auch das wäre noch kein Problem.

Ach ja, dann kommen Vater, Mutter und 2-5 Geschwister - dann sind es bereots 400 Personen pro Jahr die aufgrund dieser Schiene einwandern - auch noch kein Problem wenn diese integrierbar sind und als Nettozahler ins System gehen (nach einigen Jahren integraiton). Die Frage ist aber ist das so?

Die Frage ist aber auch wird hier nicht Asyl als Einwanderungsschiene mißbraucht, darf man hier nicht stellen weil dann ist man ja postwendend ein Nazi - also stellen wir die Frage lieber nicht.

sainty1
32
16.1.2012, 11:55
naja FPÖ-Kleingeld auf kosten der Menschen..

Neu? Nö..

so it is
07
14.1.2012, 14:49

Da regt mich aber ein Herr Petrikovics mit 450.000,-- Euro Tagesgage weit mehr auf!
Meiner Meinung nach ist dieses Thema ein leider gelungener Versuch, von den Machenschaften der österreichischen Polit-Gaunern und Abkassierern abzulenken.

m0nk
44
14.1.2012, 13:09
Ali (21) wurde im Herbst 2010 über München nach Budapest abgeschoben und zunächst drei Monate in Nyírbátor, einem Gefängnis nahe der Grenze zur Ukraine inhaftiert.

Er lebt jetzt als Asylbewerber in Debrecen, in einem trostlosen Lager am Rande der Stadt. Die Haftbedingungen in Nyírbátor hat er als katastrophal erlebt. Neben der Perspektivlosigkeit beschreibt er regelmäßige Mißhandlungen seitens der Schließer und vor allem die Vergabe von stark sedierenden Psychopharmaka als die großen Probleme in Nyírbátor. „Sie gehen von Zelle zu Zelle mit einem Tablett voller Pillen. Wenn du sie nimmst, dann wirst du vergessen. Die Pillen machen, daß du aussiehst wie ein Zombie und dein Gesicht bewegt sich nicht mehr.“ Sein Freund Reza erzählt von einem Freund. Als er die Tabletten verweigern wollte, sei er heftig geschlagen worden – solange bis die Tablette geschluckt war. http://dublin2.info/

Camo Milla
29
14.1.2012, 17:57

Naja, da hat es das 15jährige Ankerkind Waldid Z. in Österreich wohl besser erwischt !

http://www.oe24.at/oesterrei... r/52597833

H. Kienhammer
07
15.1.2012, 13:00

"Walid wurde aber sofort nach dem Urteil enthaftet und nach Hause geschickt."
Falsch - nach Hause wär wohl Tunesien gewesen.

Vierter Mann
26
14.1.2012, 18:33

In Kärnten konnten auch zwei Ankerkinder gefasst werden.
http://www.kleinezeitung.at/kaernten/... agen.story

Camo Milla
14
15.1.2012, 19:16

Das haben sie ja tun müssen! Diese herzigen Gschrapperln sind sicher so traumatisiert, weil Papi, Mami und die mindestens sieben Gschwisterln so weit weg sind!

Hellcat
610
14.1.2012, 11:39

"Nur ein geringer Teil der Minderjährigen erhalte einen positiven Asylbescheid - im Jahr 2009 beispielsweise hätten von 142 minderjährigen Asylsuchenden nur sieben eine Asylberechtigung erhalten. Das sind fünf Prozent."?

1.640 Minderjährige haben im Jahr 2009 eine Asylberechtigung in Österreich erhalten. So viel zur Qualität der Standard-Zahlen.

rosa parks
12
17.1.2012, 15:25
fehlende qualität...

...ist in diesem fall allenfalls bei Ihnen zu finden. erst mal den artikel lesen und verstehen, dann erst posten. es geht nicht um kinder, sondern um unbegleitete kinder...

ninette
00
15.1.2012, 23:23

Denke, dass sich die Zahl 142 nur auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bezieht, die sich ohne ihre Eltern oder andere Verwandte in Ö aufhalten.

chezgarando
01
14.1.2012, 13:23
geh wenns doch die quelle angeben würden

so hat das doch keinen sinn

Hellcat
46
14.1.2012, 13:32

Eurostat-Asylstatistik. Scheint mir seriöser als ein Standard-Rundruf.

chezgarando
31
14.1.2012, 15:51
wissens

das hier is keine leserbrief seite
sie können hier hyperlinks posten...

"eurostat...asylstatistik" würd in jeder sonderschule nicht als quellenangabe durchgehen

aber vielleicht hab ich sie da jetzt überfordert :]

Hellcat
02
14.1.2012, 16:33

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/pa... h_database
In der Datenbank werden Sie Schlaumeier sich sicherlich alleine zurecht finden.

TanteMitzi
10
15.1.2012, 04:59

So ein Clown !

chezgarando
12
14.1.2012, 16:38
sie sind ja ein lustiger zeitgenosse

die datenbank der eurostat findet eh jeder
es geht darum, die genaue statistik zu verlinken

aber ich hab langsam das gefühl dass sie die gar nicht haben

Ottakringer Wettsaufmeister
 
34
14.1.2012, 11:03
Und warum kommen diese Kinder

die auf der Flucht ihre Eltern verlieren dann ausgerechnet nach Österreich? Mich dünkt, diese "ExpertInnen" suchen zwanghaft nach Rechtfertigungsgründen, aber haben nicht das geringste Interesse an der Erforschung von Wahrheit. Eine kritische Herangehensweise verbietet sich von selbst.

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