Die Anzahl der insolventen Privatpersonen ist in Österreich um 5,5 Prozent auf 10.800 gestiegen, Firmenpleiten gingen zurück
Wien - Trotz eines hohen Wirtschaftswachstums von 3,2 Prozent im Jahr 2011 ist die Anzahl der insolventen Privatpersonen in Österreich um 5,5 Prozent auf 10.800 gestiegen. Die Unternehmensinsolvenzen sind hingegen auf den niedrigsten Stand seit 2003 gesunken, nämlich um 7,0 Prozent auf 6194 Verfahren. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Insolvenzstatistik der Creditreform hervor. Als Hauptursache orten die Kreditschützer Managementfehler bei Firmen und den "falschen Umgang mit Geld" bei Privatpersonen. Gut ein Drittel der Privatinsolvenzen ist demnach auf gescheiterte Selbstständige zurückzuführen.
In Österreich sind nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 150.000 und 300.000 Personen insolvent. "Somit ist - ungeachtet der kommenden Sparpakete - mit einem weiteren Anstieg der Privatinsolvenzen auch 2012 zu rechnen", so die Kreditschützer.
Die Zahl der eröffneten Verfahren bei Firmeninsolvenzen ist 2011 im Vergleich zum Jahr davor um 6,6 Prozent auf 3289 zurückgegangen. In 2905 Fällen (-7,4 Prozent) wurden die Insolvenzanträge mangels ausreichenden Vermögens abgewiesen. Die seit eineinhalb Jahren geltende neue Insolvenzordnung zeige positive Auswirkungen: "Es bietet den krisenbehafteten Unternehmen ein geeignetes Instrument, rechtzeitig im Rahmen des Sanierungsverfahrens den Turnaround zu schaffen", erklärte Rainer Kubicki, Geschäftsführer der Creditreform.
Entstigmatisierung der Insolvenz
"Trotz oder gerade wegen der (Staats-)Schuldenkrise findet eine Entstigmatisierung der Insolvenz statt", so Rainer. Wer unverschuldet in eine Notlage geraten sei, solle eine zweite Chance erhalten. "Substanziell gut aufgestellte Unternehmen sollen gerettet werden können", betonte der Creditreform-Geschäftsführer. Fast jedes fünfte Firmeninsolvenzverfahren ist laut den Kreditschützern bereits ein Sanierungsverfahren.
Am stärksten sind die Firmeninsolvenzen 2011 in Vorarlberg (-29,4 Prozent), dem Burgenland (-16,3 Prozent) und Salzburg (-13,6 Prozent) zurückgegangen. Nur in Niederösterreich (+3,8 Prozent) und der Steiermark (+0,9 Prozent) wurde ein Anstieg verzeichnet. In Wien wurde mit 23 Insolvenzen pro 1000 Unternehmen die höchste Zahl registriert, österreichweit waren es im Schnitt nur rund 17 Insolvenzen.
Die Branchen mit der höchsten Insolvenzgefährdung sind das Bauwesen und die "Verkehrs- und Nachrichtenübermittlung" mit jeweils über 34 Insolvenzen je 1000 Unternehmen. Rund zwei Drittel der heimischen Firmen waren 2011 laut Creditreform von zumindest einer Insolvenz als Gläubiger betroffen. Insgesamt betrugen die Verbindlichkeiten der Schuldner rund 2,5 Mrd. Euro.
Bei den Privatinsolvenzen ist im Vorjahr die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren um 6,4 Prozent auf 9582 gestiegen. Wegen mangelnden Vermögens sind 1279 Insolvenzanträge (-1 Prozent) abgewiesen worden. Am stärksten sind die Privatinsolvenzen in Niederösterreich (+18,0 Prozent), Kärnten (+8,1 Prozent) und Vorarlberg (+7,9 Prozent) gestiegen. Rückläufig waren sie in Tirol (-5,3 Prozent), dem Burgenland (-5,1 Prozent) und Salzburg (-1,6 Prozent). Mehr als ein Drittel aller Privatinsolvenzen wurden in Wien verzeichnet: Mit 4103 Insolvenzen (+5,4 Prozent) sind die Wiener laut Creditreform auch fast doppelt so häufig von Insolvenzen betroffen, wie es dem österreichweiten Schnitt entspricht. (APA)