Zeitung berichtet über entsprechende E-Mail Kim Jong-nams - Leichnam des Vaters soll dauerhaft aufgebahrt werden
Tokio - Der ältere Bruder des neuen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un sieht diesen laut einem Zeitungsbericht lediglich als "Symbol" an der Spitze des Staates. Sein jüngerer Halbbruder werde von der herrschenden Elite zur Machtsicherung benutzt, schrieb Kim Jong-nam demnach in einer E-Mail an die japanische Zeitung "Tokyo Shimbun". Die Staatsmedien Nordkoreas meldeten unterdessen, der Vater der beiden werde dauerhaft in Pjöngjang aufgebahrt.
"Ich frage mich, wie ein junger Erbe nach lediglich zwei Jahren Ausbildung in der Lage sein soll, die absolute Macht zu übernehmen", schrieb der im Ausland lebende Kim Jong-nam in der Mail vom 3. Jänner, die nach Angaben des Blattes authentisch ist. Vor einem Jahr hatte Kim Jong-nam ebenfalls in dem Blatt mitgeteilt, sein Vater sei gegen eine Erbfolge an der Spitze des Staates, weil das nicht zum Sozialismus passe. Der 40-Jährige fiel Anfang 2000 in Ungnade. Er ist ein Halbbruder des neuen Machthabers und lebt derzeit abwechselnd in Macao und Peking.
Der Leichnam Kim Jong-ils solle dauerhaft im Kumsusan-Palast in Pjöngjang aufgebahrt werden, hieß es am Donnerstag in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung der kommunistischen Partei. Zudem sollten landesweit Türme zum Gedenken an die "Unsterblichkeit" des "ewigen Führers" errichtet werden. Kim Jong-ils Geburtstag am 16. Februar, der "höchste glückverheißende Feiertag der Nation", werde künftig "Tag des leuchtenden Sterns" heißen.
In dem abgeschotteten Land gibt es um Kim Jong-il und seinen Vater, Staatsgründer Kim Il-sung, einen kaum vorstellbaren Personenkult. Nach dem Tod Kim Jong-ils Mitte Dezember hatten die nordkoreanischen Staatsmedien Kampagnen gestartet, in denen dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong-un in der gleichen Weise idealisiert wird wie sein Vater und sein Großvater. So wurde Kim Jong-un kürzlich als "Genie der Genies" bezeichnet, der in seiner Jugend wenig geschlafen und kaum gegessen habe, um lernen zu können. (APA/AFP)