Sparen im Urlaub? Eher nicht. Die Reisebranche dürfte vom Sparpaket der Regierung erst mittelfristig getroffen werden
Wien - Temperaturen wie im Frühling und Sonne bis zum Abwinken: Trotz der für Anfang Jänner unüblichen Witterung hatten die Urlaubsmacher zum Auftakt der bis Sonntag laufenden Wiener Ferienmesse kein Problem, die Halle vollzukriegen. Schon am frühen Vormittag drängten Besucher zu den mehr als 700 Ausstellern.
"Urlaub ist neben Weihnachten die emotional wichtigste Zeit im Jahr", sagte Peter Zellmann vom Wiener Ludwig Boltzmann-Institut für angewandte Freizeitwissenschaft dem Standard. Die Diskussion über das Sparpaket sorge zwar für Verunsicherung, beeinflusse das Urlaubsverhalten aber nicht grundsätzlich. Zellmann: "Das hat möglicherweise später Auswirkungen, die nächsten ein bis zwei Jahre eher nicht".
Er verweist auf die Krise 2008, wo "nicht am Urlaub, wohl aber im Urlaub" gespart wurde. Mit ähnlichem seit jetzt zu rechnen.
Positiv gestimmt ist auch Martin Bachlechner, im Vorstand der Verkehrsbüro AG für die Sparte Freizeit- und Geschäftsreisen sowie Kongresse verantwortlich. Österreichs größter Tourismuskonzern, der mit seinen Ruefa-Reisebüros an 120 Standorten vertreten ist, sieht bei Urlaubsantritten ab 1. April Spanien mit 13,2 Prozent an der Spitze. Dahinter folgen Türkei, Italien, Deutschland, Ägypten und Griechenland.
Speziell bei Griechenland und Kroatien, das in der Buchungsstatistik des Verkehrsbüros noch weiter hinten rangiert, sei zu bedenken, dass das Gros der Sommerbuchungen für beide Länder traditionell etwas später erfolge.
Kroatien stark im Kommen
Die beliebtesten Destinationen der Verkehrsbüro-Kunden im laufenden Winter sind Spanien (insbesondere Kanarische Inseln) vor Österreich (inklusive Incoming-Tourismus über Tochter Eurotours) und Ägypten (9,1 Prozent).
Die Lust am Reisen jedenfalls sei ungebrochen, sagte Helene Karmasin vom gleichnamigen Motivforschungsunternehmen. Die Auswertung von mehr als 500 Telefoninterviews, die für das Verkehrsbüros im vorigen November durchgeführt wurden, hat ergeben, dass jeder fünfte Befragte (21 Prozent) 2012 öfter verreisen will als 2011.
Mit Urlaub werde in erster Linie Sommer-, insbesondere aber Badeurlaub verbunden. Das eigene Land ist laut dieser Befragung mit 42 Prozent das beliebteste Urlaubsland der Österreicher, gefolgt von Italien (21 Prozent).
Deutlich gewonnen hat Kroatien, elf Prozent wollen dorthin. Unvermindert populär ist auch die Kreuzfahrt. Zuletzt hat sich die Zahl der Schiffsgäste österreichischer Herkunft um knapp 15 Prozent auf 125.000 erhöht.
"Es sind Erlebnisgruppen und Themen, die den Urlaub der Zukunft ausmachen", sagte Tourismusforscher Zellmann. Die Kreuzfahrt sei "die ideale Kombination des modernen Urlaubs: Ich bin mobil, sehe viel, habe eine ungeheure Erlebnisdichte und kann mich doch bei Bedarf zurückziehen", sagte Zellmann.
Auch die Wiener Philharmoniker sind erneut auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs und geben Gastkonzerte an Land. Von 6. bis 13. Juli 2012 kreuzen sie auf "Mein Schiff 1" zwischen Malta und Athen im östlichen Mittelmeer.(Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.2012)