Italien und Spanien konnten sich am Donnerstag zu günstigeren Konditionen als zuletzt Geld am Kapitalmarkt besorgen
Neben der EZB-Zinsentscheidung stehen am Donnerstag die Anleihen-Platzierungen von Italien und Spanien im Mittelpunkt der Interesses der Märkte. Das wegen hoher Schulden und schlapper Konjunktur unter Druck stehende Italien hat bei der ersten Anleihe-Auktion im neuen Jahr
nur noch halb so hohe Zinsen zahlen müssen wie zuletzt. Bei einjährigen Papieren
lag die Rendite nur noch bei 2,735 Prozent - nach 5,95 Prozent im Dezember. Das
teilte die Finanzagentur am Donnerstag in Rom mit. Bei dreimonatigen Papieren
fiel der Zins auf 1,644 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit einem
halben Jahr. Insgesamt sammelte der klamme Staat mit den beiden Versteigerungen zwölf
Milliarden Euro ein. Die Nachfrage war robust: Sie überstieg das angebotene
Volumen um das 1,5- und 1,9-Fache.
Spanien holt sich ebenfalls Geld
Spanien hat auf dem Kapitalmarkt Staatsanleihen für
fast zehn Milliarden Euro losgeschlagen und damit rund doppelt so viel wie
geplant. Das hoch verschuldete Land musste Anlegern dabei zum Teil nicht mehr so
hohe Zinsen bieten wie zuletzt, wie das Finanzministerium am Donnerstag
mitteilte. Spanien platzierte bei seiner
Feuertaufe in diesem Jahr neue Dreijahrespapiere im Volumen von rund 4,3
Milliarden Euro und stellte Zinsen von 3,38 Prozent in Aussicht. Zudem wurden
zwei Anleihen mit Laufzeiten bis 2016 um 2,5 und 3,2 Milliarden Euro
aufgestockt, wobei die Zinsen jeweils von knapp fünf Prozent auf unter vier
Prozent sanken. Österreichs Rendite
sank am Sekundärmarkt wieder unter drei Prozent, innerhalb von drei Tagen von 3,441 auf nunmehr
2,966 Prozent.
Spanien steht im Visier der Finanzmärkte und will
mit harschen Reformen Vertrauen in seinen Schuldendienst zurückgewinnen.
EU-Währungskommissar Olli Rehn forderte die Regierung in Madrid erst am Mittwoch
auf, die Reformen zu verstärken und vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu
reduzieren.
Madrid will künftig wöchentlich Anleihenausgabe ankündigen
Spanien will in diesem Jahr Staatsanleihen im Wert von 86 Mrd. Euro
ausgeben. Damit liegt die geplante Veräußerung von Anleihen etwa zehn
Milliarden Euro unter dem Wert des Jahres 2011, wie das
Wirtschaftsministerium mitteilte. Nach der Tilgung älterer Anleihen
beträgt der Nettowert der neuen Wertpapiere demnach 36 Milliarden Euro.
Die spanische Staatsverschuldung stieg dem Ministerium zufolge Ende
2011 auf rund 592 Milliarden Euro.
Die Regierung in Madrid plant, künftig jeden Freitag die für die
folgende Woche vorgesehenen Ausgaben von Staatsanleihen anzukündigen.
Ziel sei es, die Ausgaben an die Marktbedingungen anzupassen, teilte das
Ministerium mit. Die ersten Staatsanleihen über eine Laufzeit von drei
bis vier Jahren sollen am Donnerstag ausgegeben werden. Das soll Spanien
demnach vier bis fünf Milliarden Euro einbringen.
Im März will die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano
Rajoy ihren Haushaltsentwurf für 2012 vorstellen. Rajoy hatte bereits
ein Sparprogramm in Höhe von 40 Milliarden Euro angekündigt, um das Budgetdefizit auf 4,4 Prozent zu senken. Für das Jahr 2011 rechnete
die EU-Kommission indes mit einem Defizit von acht Prozent.
Auch Ungarn wagt sich an den Markt
Der angeschlagene ungarische Staat hat sich mitten
in den Gesprächen über Notkredite des IWF ebenfalls erfolgreich an den Kapitalmarkt
gewagt. Bei Staatsanleihe-Auktionen nahm das Land am Donnerstag insgesamt 44
Mrd. Forint (141 Mio. Euro) ein. Wegen der regen Nachfrage teilt die
Finanzagentur elf Mrd. Forint mehr zu als ursprünglich geplant. Die Renditen für
die Papiere mit Laufzeiten von drei, fünf und zehn Jahren lagen im Schnitt bei
rund 9,4 Prozent und damit etwas niedriger als zuletzt.
Dennoch gilt dieses Zinsniveau für das osteuropäische Schwellenland als auf
Dauer untragbar. Die zuletzt im Sog der Schuldenkrise Ungarns stark unter Druck
geratene Landeswährung Forint legte indes wegen der regen Nachfrage nach den
Anleihen zu.
Ungarns Chefunterhändler Tamas Fellegi sondiert derzeit in Washington bei
Verhandlungen mit dem IWF die Möglichkeit, Milliardenkredite loszueisen. Die Gespräche mit IWF und EU waren im Streit um das
ungarische Notenbankgesetz ins Stocken geraten, das laut EZB die Unabhängigkeit
der ungarischen Nationalbank bedroht. Die Regierung in Budapest hofft auf
Geldspritzen im Volumen von bis zu 20 Mrd. Euro - mit einem ähnlichen
Hilfsprogramm hatten die internationalen Geldgeber Ungarn 2008 vor der Pleite
bewahrt. "Der Markt ist fest davon überzeugt, dass Ungarn letztlich ein Abkommen
erreichen wird", sagte ein Händler in Budapest, der seinen Namen nicht in der
Zeitung lesen wollte. Er räumte zugleich ein, dass die Einschätzung womöglich
voreilig ist: "Offiziell haben die Gespräche ja nicht einmal begonnen." (APA/red)