Anleihen

Anleger reißen sich um Wackel-Bonds

12. Jänner 2012, 13:40

Italien und Spanien konnten sich am Donnerstag zu günstigeren Konditionen als zuletzt Geld am Kapitalmarkt besorgen

Neben der EZB-Zinsentscheidung stehen am Donnerstag die Anleihen-Platzierungen von Italien und Spanien im Mittelpunkt der Interesses der Märkte. Das wegen hoher Schulden und schlapper Konjunktur unter Druck stehende Italien hat bei der ersten Anleihe-Auktion im neuen Jahr nur noch halb so hohe Zinsen zahlen müssen wie zuletzt. Bei einjährigen Papieren lag die Rendite nur noch bei 2,735 Prozent - nach 5,95 Prozent im Dezember. Das teilte die Finanzagentur am Donnerstag in Rom mit. Bei dreimonatigen Papieren fiel der Zins auf 1,644 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit einem halben Jahr. Insgesamt sammelte der klamme Staat mit den beiden Versteigerungen zwölf Milliarden Euro ein. Die Nachfrage war robust: Sie überstieg das angebotene Volumen um das 1,5- und 1,9-Fache.

Spanien holt sich ebenfalls Geld

Spanien hat auf dem Kapitalmarkt Staatsanleihen für fast zehn Milliarden Euro losgeschlagen und damit rund doppelt so viel wie geplant. Das hoch verschuldete Land musste Anlegern dabei zum Teil nicht mehr so hohe Zinsen bieten wie zuletzt, wie das Finanzministerium am Donnerstag mitteilte. Spanien platzierte bei seiner Feuertaufe in diesem Jahr neue Dreijahrespapiere im Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro und stellte Zinsen von 3,38 Prozent in Aussicht. Zudem wurden zwei Anleihen mit Laufzeiten bis 2016 um 2,5 und 3,2 Milliarden Euro aufgestockt, wobei die Zinsen jeweils von knapp fünf Prozent auf unter vier Prozent sanken. Österreichs Rendite sank am Sekundärmarkt wieder unter drei Prozent, innerhalb von drei Tagen von 3,441 auf nunmehr 2,966 Prozent.

Spanien steht im Visier der Finanzmärkte und will mit harschen Reformen Vertrauen in seinen Schuldendienst zurückgewinnen. EU-Währungskommissar Olli Rehn forderte die Regierung in Madrid erst am Mittwoch auf, die Reformen zu verstärken und vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren.

Madrid will künftig wöchentlich Anleihenausgabe ankündigen

Spanien will in diesem Jahr Staatsanleihen im Wert von 86 Mrd. Euro ausgeben. Damit liegt die geplante Veräußerung von Anleihen etwa zehn Milliarden Euro unter dem Wert des Jahres 2011, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Nach der Tilgung älterer Anleihen beträgt der Nettowert der neuen Wertpapiere demnach 36 Milliarden Euro. Die spanische Staatsverschuldung stieg dem Ministerium zufolge Ende 2011 auf rund 592 Milliarden Euro.

Die Regierung in Madrid plant, künftig jeden Freitag die für die folgende Woche vorgesehenen Ausgaben von Staatsanleihen anzukündigen. Ziel sei es, die Ausgaben an die Marktbedingungen anzupassen, teilte das Ministerium mit. Die ersten Staatsanleihen über eine Laufzeit von drei bis vier Jahren sollen am Donnerstag ausgegeben werden. Das soll Spanien demnach vier bis fünf Milliarden Euro einbringen.

Im März will die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy ihren Haushaltsentwurf für 2012 vorstellen. Rajoy hatte bereits ein Sparprogramm in Höhe von 40 Milliarden Euro angekündigt, um das Budgetdefizit auf 4,4 Prozent zu senken. Für das Jahr 2011 rechnete die EU-Kommission indes mit einem Defizit von acht Prozent.

Auch Ungarn wagt sich an den Markt

Der angeschlagene ungarische Staat hat sich mitten in den Gesprächen über Notkredite des IWF ebenfalls erfolgreich an den Kapitalmarkt gewagt. Bei Staatsanleihe-Auktionen nahm das Land am Donnerstag insgesamt 44 Mrd. Forint (141 Mio. Euro) ein. Wegen der regen Nachfrage teilt die Finanzagentur elf Mrd. Forint mehr zu als ursprünglich geplant. Die Renditen für die Papiere mit Laufzeiten von drei, fünf und zehn Jahren lagen im Schnitt bei rund 9,4 Prozent und damit etwas niedriger als zuletzt.

Dennoch gilt dieses Zinsniveau für das osteuropäische Schwellenland als auf Dauer untragbar. Die zuletzt im Sog der Schuldenkrise Ungarns stark unter Druck geratene Landeswährung Forint legte indes wegen der regen Nachfrage nach den Anleihen zu.

Ungarns Chefunterhändler Tamas Fellegi sondiert derzeit in Washington bei Verhandlungen mit dem IWF die Möglichkeit, Milliardenkredite loszueisen. Die Gespräche mit IWF und EU waren im Streit um das ungarische Notenbankgesetz ins Stocken geraten, das laut EZB die Unabhängigkeit der ungarischen Nationalbank bedroht. Die Regierung in Budapest hofft auf Geldspritzen im Volumen von bis zu 20 Mrd. Euro - mit einem ähnlichen Hilfsprogramm hatten die internationalen Geldgeber Ungarn 2008 vor der Pleite bewahrt. "Der Markt ist fest davon überzeugt, dass Ungarn letztlich ein Abkommen erreichen wird", sagte ein Händler in Budapest, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Er räumte zugleich ein, dass die Einschätzung womöglich voreilig ist: "Offiziell haben die Gespräche ja nicht einmal begonnen." (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3
das ist fix
03
12.1.2012, 17:56
"Anleger"

Und wer sind diese "Anleger" - es sind Versicherungen und Banken - die dann im Notfall von den Regierungen auf Kosten der Steuerzahler "gerettet" werden.

clearlake
00
12.1.2012, 18:27
richtig, weil die EZB die Anleihen am Sekundärmarkt sowieso zurückkauft...

wenn´s brenzlig wird....

peak oil
00
12.1.2012, 18:14
ja, weil es so einfach ist,

geld anzulegen, dass man sich im nachhinein von den kuschenden steuerzahlschafen holen kann.

Nutze den Tag
10
12.1.2012, 17:26
Weil alle wissen, wir garantieren für alle Kredite samt Wucherzinsen.

Totaler Durchblicksstrudel
01
12.1.2012, 18:15

Gerade für Staatsanleihen gibts eigentlich keinerlei "Garantien" oder Haftungen!

Nutze den Tag
00
13.1.2012, 09:20

Das ist ja das Problem, weil Staaten ungedeckte Anleihen ausstellen.
Nur die Staaten garantieren für die Einlagen der Banken - Neoliberalismus würde bedeuten: Banken pleite gehen lassen.

Pepi Onkel
00
12.1.2012, 16:58

Endlich ein Nachfolger für meinen Wackel-Dackel im Auto.

peter schmidt
 
29
12.1.2012, 16:16
Ich persönlich glaube das allerschlimmste wird eintreten.

Das System wird sich erholen und möglicherweise werden sogar vernünftigere Regeln für den Kapitalmarkt von den Regierungen beschlossen.

Das ist ein herber Schlag für viele hier.

Aber die Hoffnung lebt! Natürlich kann immer noch alles krachen. Der Kapitalismus ist halt kein so stabiles System wie das in NK.

peak oil
00
12.1.2012, 18:19
das system wird sich maximal kurzfristig "erholen",

denn mit endlichen ressourcen kann es kein unendliches wachstum geben. und nachdem die ölpreise jetzt schon >100 $/barrel liegen, wird der preis bei einer "sich erholenden" konjunktur schnell auf 150$ steigen, bei einer nahost-krise dann gleich auf 200$/barrel, was wiederum den nächsten crash einläuten wird. das einzige, was beim kapitalismus stabil ist, ist die regelmäßigkeit der immer wiederkehrenden krisen.

Totaler Durchblicksstrudel
00
12.1.2012, 18:16

Das wäre wirklich schlimm, weil dann müsste man sich wieder an dutzende neue nicks gewöhnen ;)

das ist fix
11
12.1.2012, 17:58
Staatsquote

Wir haben in Österreich eine STaatsquote von über 50% - Tendenz steigend - von "Kapitalismus" würde ich da nicht sprechen, eher von Planwirtschaft.
http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsquote

witherabbitt
 
01
12.1.2012, 18:44

Offenbar ahnungslos: Plamwirtschaft betrifft den Markt (Angebot-Nachfrage), nicht, ob der Staat Aufträge vergibt oder nicht. Nach Ihrer Auffassung wäre auch GB (über 50%) und die USA (knapp unter 50%) planwirtschaftiche Systeme. — Reiner Kapitalismus und nichts als freier Markt funktioniert eben nicht, daran ändert auch die neoliberale Ideologisierung nichts.

das ist fix
00
14.1.2012, 11:45

ja, auch die usa haben offensichtlich ein planwirtschaftliches system - die größte automobilfirma der usa ist in staatsbesitz

santiago nasar
00
12.1.2012, 17:29
abgesehen davon,

dass ich mir keine vorhersage zum thema finanzkapitalismus und seinen möglichen untergang erlaube möchte ich doch auf das offenbar um sich greifende kopfnick-syndrom verweisen, das mittlerweile von uganda aus offenbar schon mitteleuropa erreicht hat.

Andreas Prucha
00
12.1.2012, 17:25

Wennst dir den letzten Satz erspart hättest, wär das Posting sinnvoller gewesen.

higgs - wozu?
13
12.1.2012, 16:34

ja, eine frotführuing des jetzigen systems wär echt das allerschlimmste - vor allem für unsere kinder.
ohne totalreform des geldsystems, vergabe der gledrechte an staatlich institutionen, fixe kopplung der gledmenge an die wirtschaftsleistung, beendigung der permanenten umverteilung von fleissig auf reich durch den zins, und rückführung des hilfsmittels geld zu seiner ursprünglichen funktion wird das nämlich nix mehr - es handelt sich auch um keine prognose, sondern um einen simplen mathematischen prozess, daß dieses system uns in eine faschistische sklaverei führt, gegen die nordkorea vermutlich wie ein schlaraffenland wirkt und uns nicht nur unser eigentum kosten wird, sondern in letzter konsequenz auch unsere freiheit

simultanschach
00
13.1.2012, 03:48

geld- und wirtschaftssystem funktionieren an sich wunderbar - nur profitieren manche (tw ohne einen finger zu rühren) um so viel mehr davon als andere, dass das mit keinem argumentierbaren gerechtigkeits-konzept vereinbar ist. das ist das problem.

mit der kopplung der geldmenge an wasauchimmer wird dieses problem nicht gelöst.

gegenvorschlag: eine finanztransaktionssteuer im prozentbereich (aber auf jede kontobewegung von a nach b), die einnahmen auf ALLE GLEICH verteilen.

Totaler Durchblicksstrudel
21
12.1.2012, 18:18

Deine Postings klingen wirklich lustig. Aber jetzt mal im Vertrauen: willst dich nicht lieber ein klein wenig in die Materie einlesen, oder störts dich überhaupt nicht so lächerlich zu wirken?

G. B. Corner
01
12.1.2012, 16:46

Wenn Sie der selbe Poster sind, der in der Wissenschaftsabteilung in letzter Zeit für Erheiterung sorgt, dann gibt es für Sie vermutlich keinen "simplen" mathematischen Prozess.

higgs - wozu?
01
12.1.2012, 16:56

yeah, that´s me, baby - und eine exponentialfunktion ist recht simpel, trotzdem scheinen sie viele noch nicht zu verstehen und wundern sich, warum man plötzlich billionen braucht um das werkel am rennen zu halten;-)

Totaler Durchblicksstrudel
10
12.1.2012, 18:24

Exponentialfunktion ist also so simpel, hmm, dann beweis' doch mal schnell, warum die Ableitung von e hoch x e hoch x ist!

(Sollte man mit Matura eigentlich können und ja, nachschauen gilt nix!)

clearlake
00
12.1.2012, 18:31
also was jetzt? - trivial oder nicht trivial...??

sie könnten in einfachen worten auch erklären worauf sie hinaus wollen....

peter schmidt
 
00
12.1.2012, 16:43
Jedes der von Ihnen aufgezählten Probleme ist lösbar unter anderem z.b. durch ein vernünftiges Erbrecht.

higgs - wozu?
00
12.1.2012, 16:54

du behebst damit nicht das problem, nur eine auswirkung des problems - ich hoffe der unterschied ist offensichtlich.
wenn du alle probleme auf einmal lösen willst, mußt du die ursache beseitigen, und die ursache unserer heutigen probleme wie zb.: ungleichmäßige güterverteilung, explodierende staatsschulden, schleichende enteignung der bevölkerung, kieg um rohstoffe, abhängigkeit von monopolisten, wachstumsverpflichtung auf kosten der resourcen, unfreie wissenschaften, soziale spannungen, hungersnöte usw. ist logisch begründbar, und mathematisch berechenbar am VERZINSTEN geldsystem unter privater (fed=ezb) kontrolle festzumachen.
alle anderen diskussionen beschäftigen sich nur mit auswirkungen um eine nennung dieser ursache zu vermeiden

peter schmidt
 
00
12.1.2012, 18:50
Das reicht mir schon

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.