Roman zum Kriminalfall F.

"Österreich ... ein ziemlich nihilistisches Land"

12. Jänner 2012, 12:49

Regis Jauffrets "Claustria" über den Amstettener Inzestfall startet mit positiven Kritiken

Wien - Für rege Diskussionen sorgt seit einiger Zeit der am Donnerstag in Frankreich bei den Editions du seuil erscheinende neue Roman des Autors Regis Jauffret. Unter dem Titel "Claustria" nimmt sich der 56-Jährige des sprichwörtlich gewordenen Amstettener Inzestfalls an, recherchierte dafür auch vor Ort in Österreich und war etwa beim Prozess anwesend. "Mich hat fasziniert, dass Menschen auf die Welt kommen und leben konnten, ohne jemals die Realität der Welt gesehen zu haben - und doch alles über sie wussten, weil sie sie im Fernsehen gesehen hatten", wurde Jauffret am Donnerstag im  Ö1-"Morgenjournal" zitiert. 

Auf 550 Seiten entfaltet Jauffret seine Version der Ereignisse, erzählt aus der Sicht der Kinder und angesiedelt im Jahr 2055. Im Mittelpunkt steht die Tochter Angelika. Jauffret hat bis auf Josef F. alle Namen verändert. "Man kann sich vorstellen, gefoltert zu werden. Aber 24 Jahre lebend unter der Erde ist undenkbar", hält der Schriftsteller gegenüber "Ö1" fest. Die Recherchen für den Roman gestalteten sich dabei als überaus fordernd: "Manchmal habe ich es bereut, mich da hineingekniet zu haben."

Die Vielzahl an Veröffentlichungen zu dem Fall seien problematisch für Jauffret gewesen, konnte er doch "das Lesen nicht länger als eine Stunde lang aushalten". Zum Ort des Geschehens meint der Autor, von dem bis dato nur das Werk "Streng" auf Deutsch erschienen ist: "Ich habe den Eindruck, Österreich nimmt sich nicht sonderlich ernst und ist ein ziemlich nihilistisches Land."

Positive Kritiken in Frankreich

Für das französische Feuilleton scheint indes klar: "Claustria" ist ein Roman großen Stils. So bezeichnet etwa Marianne Payot im "L'Express" die "abscheuliche Geschichte" als eine Herausforderung für den Autor, die er in einen "unglaublichen Erfolg" ummünzen konnte. "Bestürzt durch die Ungeheuerlichkeit der Vorfälle, angezogen vom zurückhaltenden Ton und dem fieberhaften Stil des Erzählers, wird der Leser mitgerissen, wie berauscht von dieser wahnsinnigen Geschichte."

Für Philippe Lacon von "Liberation" liefert der Franzose nicht weniger als "die Wahrheit über die Gesellschaft" und beleuchtet und entwickelt "im Dunkel der Fiktion das Schlimmste in allen Richtungen".

Und auch Linda Le von "Le Monde" zeigt sich angetan von "Claustria", das sie als "danteskes Drama" bezeichnet. Jauffret "bewerkstelligt diese literarische Arbeit, ohne jene Selbstgefälligkeit an den Tag zu legen, die sich am Unaussprechlichen des Erzählten ergötzt. So beschreibt er den Sachverhalt mit der Präzision eines Ermittlers, der ergründet, was sich hinter die Oberfläche verbirgt." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 26
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magic sunset
00
19.1.2012, 19:14
Es stellt sich in jedem Fall die Frage,

ob in irgend einem anderen Land der Welt ein Notar, der in einem derartigen Fall eine sehr zweifelhafte Rolle gespielt hat, zumindest mitgeholfen hat, die Situation über weitere Jahre zu verschleiern, weiterhin als Notar tätig sein darf. In Österreich schon - und er erhält auch weiterhin öffentlich Aufträge. DAS ist in jedem Fall einzigartig.

Alex Calder
10
15.1.2012, 05:32
Feel good

Hab gestern mit einer Freundin in Frankreich telefoniert, die meinte, es sei wieder einmal ein typisches feel-good-Buch für Franzosen, mit dem sie verdrängen können, was im eigenen Land schiefläuft. Die Freundin ist selbst Französin und erzählt mir oft genug, dass ihr die französische Selbstgerechtigkeit unsagbar auf die Nerven geht.

yoghurtinator
 
00
13.1.2012, 12:36
"Sind das die Nazis, Walter? – Nein, Donny… Diese Männer sind Nihilisten! Du brauchst keine Angst zu haben !"

http://www.ernieputto.de/lebowski/... ranger.mp3

DERHETZER1
21
13.1.2012, 12:12

ja, ja österreich ist ein nihilistisches land. so, als ob fälle wie fritzl bzw. priklopil dort nie und nimmer vorkämen. und wie nihilistisch doch die österreicher sind: ganz im gegensatz zur französischen gesellschaft, wo sich mitarbeiter der französischen telekom reihenweise das leben genommen haben. und nur weil die französische politik ihren geheimdienst angewiesen hat, die rainbow warrior in die luft zu jagen, kann man dieses land nicht als nihilistisch bezeichnen. und nihilistisch ist es auch nicht, wenn der zukünftige französische präsident sich seinen wahlkampf von afrikanischen potentaten sponsern läßt. und sind atomtests in polynesien nihilistisch? nein, frankreich ist ein wahres feel-good-land!

unkenrufe
00
21.2.2012, 12:14
na, na, warum fühlen sie sich denn so angegriffen?

der mann vertritt seine meinung, sie die ihre.

Gerald H
00
14.1.2012, 23:45

So geht das nicht! Hier darf man nur auf Österreich schimpfen, evtl. auch noch auf die USA. Gallien ist gut und gerecht ...

Die Wilde 13
20
13.1.2012, 11:20
"Ich habe den Eindruck, Österreich nimmt sich nicht sonderlich ernst und ist ein ziemlich nihilistisches Land."

Frankreich eher umgekehrt. Die "Grande Nation" nimmt sich selbst viel zu wichtig, obwohls international heutzutage so gut wie unbedeutend ist.

sound and vision
00
15.1.2012, 16:15
also,

wenn Sie schon so kindische ländervergleiche einer beleidigten ösi-leberwurst anstellen wollen, knie ich mal kurz zu Ihnen in die sandkiste:

frankreich mag international in wirtschaftlicher hinsicht im vergleich zu deutschland unbedeutend sein, in politischer, diplomatischer sicher nicht.

österreich hingegen existiert in all diesen bereichen international genau überhaupt nicht. da sind etwa portugal oder die schweiz wesentlich gewichtiger.

kulturell jedoch ist frankreich gemeinsam mit england wohl unbestritten derzeit DIE nation europas, vielleicht noch mit italien.

und auch in sachen kultur existiert österreich mit ausnahme der wiener klassik-konzerte praktisch nicht.

handke als weltliterat zB lebt schon lange in der nähe von paris.

Die Wilde 13
00
15.1.2012, 16:20

Ohje. Da ist wer eine beleidigte Leberwurst.

sound and vision
00
15.1.2012, 16:30
schön.

und können Sie auch sachlich reagieren? etwa die von Ihnen behauptete internationale bedeutungslosigkeit frankreichs belegen?

oder irgendeine internationale relevanz österreichs nennen?

oder reicht es Ihnen, bizzelnd auf sandburgen zu hauen?

Die Wilde 13
10
15.1.2012, 16:41

Ich habe nur geschrieben daß sich Frankreich zu wichtig nimmt. Allein die Phrase "Grande Nation" deutet das an.

Du hast behauptet daß Frankreich gewichtig ist. Wo denn? In Asien und den Amerikas nicht existent. In Afrika von einer "Niederlage" zur nächsten. Und innerhalb Europas ist Frankreich auch nicht unbedingt der Big Player. Beim Thema Frankreich gehts lustigerweise nur um die Übersetzung aller Dokumente ins Französische (nichtmal das wichtigere Deutschland besteht auf Deutsch) oder um den irrationalen Erhalt von Straßburg.

Aber egal. Dieses Bucht dient eh nur dazu um das Ego der Franzosen zu stärken und von eigenen Problemen abzulenken.

sound and vision
00
15.1.2012, 16:58
na,

dann verfolgen Sie mal nachrichten etwa zu den themen "eu", "euro" oder "europäische kultur", und zwar in den usa, in japan oder australien.

und übrigens: der begriff "la grande nation" bezieht sich, von franzosen gebraucht, nicht auf das heutige frankreich, sondern auf jenes während der zeit napoleons. ist also in frankreich ein historischer begriff.
er wird nur noch außerhalb frankreichs, vorzugsweise von deutschen und österreichern, zur abwertung der kulturnation frankreich verwendet.
salut!

Die Wilde 13
00
15.1.2012, 17:11

Ja eh. Da tanzt dann meistens die Merkel über den Bildschirm die ihren Sarkozy wie eine kleine Puppe nachzieht.

Und von wegen Kulturnation:
Die Architektur ist angestaubt, der französische Film so gut wie tot und die Musik nur innerhalb Frankreichs selbst bedeutend, bzw überhaupt bekannt. Man lebt wie in Österreich bzw. ganz Europa eigentlich auf den Fundamenten der Vergangenheit.

Scy Borg
00
13.1.2012, 11:56

Nit glei beleidigt sein!

Die Wilde 13
00
13.1.2012, 12:09

Hat nichts mit beleidigt sein zu tun. Ist eine ganz nüchterne Interpretation.

Preger
11
13.1.2012, 09:38
Oesterreich am Nil?

So ein Bloedsinn. Der ist doch in Ameriga. ;-)

Aung San Suu Tschi
 
01
12.1.2012, 21:10
Schwere Angriffe auf die öst. Justiz, auf die internationalen Journalisten & die öst. Geldgier

Das Interview mit Jauffret im NouvelObs ist starker Tobak:

http://bibliobs.nouvelobs.com/romans/20... total.html

Der Roman heißt "Claustria", d.i. Einschließung+Austria. Vergessen wir nicht, dass es ein literarisches Werk ist & dass die Kunst frei ist.

Der Wirbel wird bei uns erst losgehen, wenn eine Übersetzung vorliegt.

Gerald H
02
14.1.2012, 23:47
Einschließung+Austria

Na, das hätt ma jetzt aber net kapiert ...

Aung San Suu Tschi
 
10
15.1.2012, 00:58
Ist doch gut, wenn's so schnell geht

Wenn Sie mich zum depperten Hickhack herausfordern, laufe ich zu meiner vollen Größe auf. Bitte um Ihre boshafte Replik & Danke schon im voraus.

Gerald H
11
15.1.2012, 08:35

So sei es!

PS: Der Papst ist katholisch!

OGHaha
10
12.1.2012, 20:17
Wenn man die "Welt" "durchschaut" und was so täglich passiert, die einzig vernünftige Einstellung.

zum Roman: Trittbrettfahrer...

Aung San Suu Tschi
 
00
12.1.2012, 21:30
Sie haben den gestern in Frankreich herausgekommenen Roman also schon gelesen?

Toll !

Ich bisher nur diesen Auszug :

http://www.lexpress.fr/culture/l... 68058.html

Eher leichtes Französisch.

Hornhifi
10
17.1.2012, 04:25

Protzer!

Aung San Suu Tschi
 
00
17.1.2012, 20:47
Haha, womöglich aber einfach Fachmann?

Gerald H
00

Was jetzt, womöglich oder Fachmann? Wenn Zweiteres, wofür?

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