Arnold Hanslmeier nimmt Weltuntergangsszenarien unter die Lupe: "In einigen 100 Millionen Jahren ist Schluss"
Graz - Es ist zweifellos das Jahr des Weltuntergangs: Selten zuvor sind in den vergangenen Monaten so viele Bücher, Filme, Artikel zum vermeintlichen Ende der Zivilisation erschienen. Selbst die Angst vor dem Y2K-Bug war bei weitem nicht so groß. Es ist damit zu rechnen, dass die Flut entsprechender medialer Produkte von Endzeitpropheten und Maya-Experten bis zum prognostizierten Weltende am 21. Dezember 2012 noch weiter anwachsen wird. Der Grazer Astrophysiker Arnold Hanslmeier vom Institut für
Geophysik, Astrophysik und Meteorologie der Universität Graz ist hingegen nicht
besorgt: Er betrachtet aus wissenschaftlicher Perspektive, welche konkreten
Bedrohungen es geben könnte. Mit rationalem Blick legt er sie in in seinem
jüngsten Buch "Kosmische Katastrophen. Weltuntergänge" dar.
Arnold Hanslmeier, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für
Astronomie und Astrophysik, reagiert auf Spekulationen, dass wieder einmal die
letzten Tage der Menschheit angebrochen sein sollen, gelassen. "Aus
astronomischer Sicht deutet nichts darauf hin", hält er
fest. "Selbst im Maya Kalender steht nirgendwo, dass die Welt zu diesem
Zeitpunkt untergehen oder sonst etwas Besonderes passieren wird. Das einzige,
was feststeht: Die Maya hatten eine zyklische Zeitvorstellung, und mit diesem
Datum endet eine über 5.000 Jahre alte Kalenderreihe".
"Unglaublich viel Blödsinn"
"Rund um angeblich vorausgesagte Weltuntergänge wird aus wissenschaftlicher
Perspektive unglaublich viel Blödsinn verzapft", so der Astrophysiker. Daher
habe er in seinem Buch die reale Gefahr von möglichen kosmischen Katastrophen in
leicht verständlicher Weise beleuchtet, konkret die Wahrscheinlichkeit von
Planetenkollisionen, Asteroiden-Impacts, Sonnenstürmen oder Einschlägen von
Kometen, deren Bahn im Vorhinein oft schwer berechenbar ist.
Entwarnung gibt er für den 2004 entdeckten, 270 Meter großen Asteroiden
Apophis, bei dem man zuerst glaubte, dass er auf Kollisionskurs mit der Erde
sei: "Das kann mittlerweile 100-prozentig ausgeschlossen werden. Er wird nach
jüngsten Berechnungen in 700.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeisausen
und als Stern dritter Größe zu sehen sein". Das das Ende eines Sterns - eine
Supernova-Explosion - Auswirkungen auf die Erde haben könnte, hält Hanslmeier
für unwahrscheinlich. "Gegenwärtig kennen wir keinen Stern im Umkreis von 100
Lichtjahren, der in den nächsten Millionen Jahren zu einer Supernova werden
wird".
Gefahr von der Sonne
Gemessen in längeren Zeiträumen könne jedoch die Sonne der Erde gefährlich
werden: "Bereits in einigen 100 Millionen Jahren wird die Helligkeit der Sonne
dermaßen zunehmen, dass das gesamte Wasser auf der Erdoberfläche verdampfen
wird. In etwa 4,5 Milliarden Jahren wird sie sich zu einem Roten Riesen
entwickeln und dabei das Innere des Sonnensystems bis etwa zur Bahn des Mars
verschlingen. Dann ist Schluss", so der Astrophysiker.
Negativen Einfluss hat die Sonnenaktivität jedoch schon heute auf unsere hoch
technisierte Welt: "Während eines starken Sonnenausbruchs werden elektrisch
geladene Teilchen und Strahlung im kurzen Wellenlängenbereich freigesetzt.
Satelliten können sich aufladen und die Kommunikation mit ihnen kann abreißen",
so Hanslmeier. Ein durch die Sonnenaktivität hervorgerufener geomagnetischer
Sturm kann aber auch zu einer Überspannung der Stromleitungen und deren
Zusammenbruch, wie 1989 in Kanada, führen, erklärte der Grazer Sonnenphysiker.
(APA, red)