An Wolken kratzen, vom Schuldenberg aus

  • In 15 Tagen bzw. 360 Stunden - denn es musste dafür natürlich rund um die Uhr gearbeitet werden - hat die chinesische Broad Group kürzlich dieses 30-stöckige Hotel hochgezogen. Dieses Video (auf der Website der Broad Group auch in HD erhältlich) dokumentiert das Ganze.

Auf den Hochhaus-Boom folgt oft der Niedergang. Große Sorgen machen sich die Analysten von Barclays Capital um Indien und China, aber auch um London

Aufmerksame Beobachter wissen es ohnehin schon lange: Zwischen dem Bau von Wolkenkratzern und Finanzcrashs besteht eine "ungesunde Korrelation", das zeigt nun auch eine neue Studie von Barclays Capital für ihren alljährlichen "Wolkenkratzer-Index". Oft seien die höchsten Gebäude der Welt einfach nur die augenfälligsten Auswüchse eines breit angelegten Hochhaus-Baubooms, der wiederum darauf hinweise, dass große Mengen an Kapital fehlinvestiert werden - worauf dann nahezu unweigerlich der wirtschaftliche Einbruch folge, schreiben die Autoren.

Jüngstes Beispiel für die Stichhaltigkeit ihrer These ist den Experten der weltgrößte Wolkenkratzer "Burj Khalifa" in Dubai: Die letzten paar Stockwerke des 828 Meter hohen Bauwerks mussten schon mit Geld des benachbarten Scheichs Chalifa bin Zayid Al Nahyan aus Abu Dhabi bezahlt werden, der mit einer milliardenschweren Geldspritze einsprang. Dafür wurde der Turm, der in der Bauphase als "Burj Dubai" firmierte, später auch nach ihm benannt. Mit dem Platzen der Immobilienblase in Dubai brachen die Preise schlagartig um 50 Prozent ein; wie es mit zahlreichen weiteren dort geplanten Großprojekten nun weitergeht, ist höchst ungewiss.

Kein langes "Equitable Life"

Über die gesamten letzten 140 Jahre betrachtet hat die Fertigstellung gigantischer Bauwerke immer wieder ökonomische Niedergänge markiert: Schon die Fertigstellung des ersten "Wolkenkratzers" der Welt im Jahr 1873, des 40 Meter hohen "Equitable Life"-Gebäudes in New York, zog eine fünfjährige Rezession unmittelbar nach sich. Als 1931 in derselben Metropole das "Empire State Building" eröffnet wurde, befand sich die "Great Depression" schon auf ihrem Höhepunkt.

In Chicago wurde wiederum 1974, just zur Zeit des "Ölschocks", der heutige "Willis Tower" fertiggestellt (damals hieß er auch offiziell noch "Sears Tower"). Und auch während der Errichtung der "Petronas Towers" in Kuala Lumpur, die nach der Fertigstellung 1998 mit ihren 452 Metern für einige Jahre welthöchstes Bauwerk waren, stürzten die asiatischen "Tigerstaaten" in eine Finanzkrise.

Diesen Korrelationen folgend macht man sich bei Barclays Capital nun große Sorgen um Indien und China: Das Reich der Mitte will bis 2017 nämlich die Zahl seiner Wolkenkratzer fast verdoppeln (von 75 auf 141). Hier mehren sich die Anzeichen für das Platzen einer Blase ohnehin schon gewaltig, die Immobilienpreise gingen in den letzten Monaten stetig zurück.

Und in Indien wird derzeit sowieso gleich am zweithöchsten Wolkenkratzer der Welt gebaut: Der "India Tower" in Mumbai soll nach seiner für 2016 geplanten Fertigstellung rund 720 Meter Höhe erreichen. 13 weitere mehr als 240 Meter hohe Türme sollen in den nächsten fünf Jahren entstehen.

Sorgen auch um London

Für die Analysten von Barclays Capital Research ist es evident, dass dieser Hochhaus-Bauboom große Gefahren eines wirtschaftlichen Niedergangs in sich birgt. Mehr als die Hälfte aller in China geplanten Großbauten werde nämlich schon in Städten im Landesinneren, abseits der wohlhabenderen Küstenregionen, entstehen. Hier sei also eine Abwanderung in zweit- und drittrangige Städte im Gange.

Aber auch in London sollte man beginnen, sich Sorgen zu machen, so die Analysten. Auch dort sind zahlreiche Großprojekte geplant oder in Bau, allen voran der 310 Meter hohe "The Shard", der nach seiner noch für heuer geplanten Fertigstellung mit 310 Metern das zweithöchste Gebäude Europas nach dem Moskauer "Mercury City Tower" sein wird. (map, derStandard.at, 12.1.2012)

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