Neben der Lehrerausbildung "neu" wird ein weiteres Projekt von Ministerin Schmied gerne zur Diskussion gestellt: die Gesamtschule
Bernd Schilcher ist für "gleiche Aufstiegschancen für alle"
Wir brauchen eine gemeinsame Schule für Kinder aus allen sozialen Schichten und Kulturen mit den verschiedensten Begabungen bis zum 14. Lebensjahr, um gleiche Aufstiegschancen für alle zu bieten, miteinander leben und arbeiten zu lernen und gegenseitige Hilfe und Unterstützung zu üben. Ein erstes Argument für die gemeinsame Schule liefert die Erfahrung: Es gibt die Trennung in Gymnasien und andere Schulen mit dem zehnten Lebensjahr nur noch in Deutschland und Österreich. Alle anderen Länder tun das längst nicht mehr. Sie können wohl schwerlich alle danebenliegen. Dazu kommt, dass die Auswahl fürs Gymnasium nicht nach Begabung, sondern fast ausschließlich nach Herkunft erfolgt. Eine jüngste Studie aus 2011 zeigt, dass Kinder von Akademikern in Österreich eine Chance von 49 Prozent haben, gleichfalls einen solchen Abschluss zu erreichen; besitzen die Väter hingegen nur einen Pflichtschulabschluss, rasselt die Chance ihrer Kinder auf drei Prozent herunter! Daher nimmt Österreich einen Spitzenplatz in Sachen sozialer Diskriminierung in der Bildung ein.
Ebenso wichtig ist, dass man nur in Schulen, die Schüler mit unterschiedlichen Begabungen sowie sozialen und kulturellen Herkünften zusammenbringen, lernt, miteinander zu leben und zu arbeiten. So wie das später in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz unbedingt notwendig ist. Wo das unterbleibt, ist der soziale Zusammenhalt in Gefahr.
Allerdings funktioniert eine gemeinsame Schule nur, wenn die Begabungen jedes einzelnen Kindes so früh wie möglich festgestellt und nachdrücklich gefördert werden. Ebenso wie es eine durchgehende Förderung bei einzelnen Schwächen der Kinder geben muss (Individualisierung des Unterrichts durch ein Zwei- Lehrer-System).
Jim Lefebre hält die Gesamtschule für ein Prestigeprojekt
Wenn wir von Erfahrung sprechen, dann müssen wir beachten, dass es im internationalen Vergleich mehr negative als positive Erfahrungen gibt. Dass einige Länder daneben liegen sieht man am Beispiel von Deutschland: Im Norden, wo die Gesamtschule bereits umgesetzt ist, sind die Ergebnisse der PISA-Studie schlechter als in Bayern und Baden-Württemberg, wo es ein differenziertes Schulsystem gibt. Aber auch zu glauben, dass finnische System sei der Weisheit letzter Schluss, ist eine naive Leugnung der Fakten. Norwegen hat ebenfalls die Gesamtschule und schneidet bei den PISA-Tests vergleichsweise schlecht ab. Die Niederlande haben ebenso wie Österreich ein dreigliedriges System (Volksschule, Hauptschule und Gymnasium) und erzielen bei PISA bessere Ergebnisse.
Statt sündteurem Aufwand für das Schmied-Prestigeprojekt Gesamtschule, welches Aufgrund von Lehrermangel und unpassender Schulgebäude nicht umgesetzt werden kann, fordere ich mehr Verantwortung an der Schule. Lehrer dürfen nicht zum Spielball des Ministeriums werden und Lehrpläne nach Strich und Faden befolgen. Die Schulgemeinschaft muss gestärkt werden! Schüler, Eltern und Lehrer sollen auf Basis der Bildungsziele den Unterrichtsinhalt selbst bestimmen. Denn wer Verantwortung hat ist auch motiviert im Bildungswesen etwas zu bewegen. (derStandard.at, 13.1.2012)
Autoren
Dr. Bernd Schilcher ist Ordinarius für Bürgerliches Recht an der Universität Graz.
Jim Lefebre ist Bundesobmann der Schülerunion.
Info
Der Management
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Auf www.reformenohnetabu.at
stellt er eine Diskussionsplattform für politisch interessierte
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kommentiert werden. Darüber
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