Streiks geplant

Hilfsplan für Griechen­land wackelt

12. Jänner 2012, 13:39

Die Regierung in Athen versucht, ihr Sparprogramm durchzu­drücken, die Arbeitslosigkeit steigt unterdessen weiter

Athen - Der deutsche Bankenpräsident Andreas Schmitz hat seinen Unmut über die explosive Lage in Griechenland mit einer Spitze Richtung Politik zum Ausdruck gebracht. "Die Märkte haben Rettungsbemühungen der Regierungen streckenweise wie Flugversuche eines Pinguins aussehen lassen", sagte der Chef von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Der oberste Lobbyist der Privatbanken hatte auch eine Botschaft an Athen sowie die hilflosen Euroretter: Das Sparprogramm müsse endlich umgesetzt werden. Ein Schuldenerlass allein helfe dem Land nicht.

Genau dieser Schuldenerlass aber entwickelt sich zu einem riesigen Problem und setzt die Krisenmanager um die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mächtig unter Druck. Die Rettung des von der Staatspleite bedrohten Eurolandes Griechenland wackelt: Die Wachstumszahlen brechen ein, Reformziele werden verfehlt, und die im Oktober getätigten Annahmen für weitere Hilfen sind größtenteils schon wieder Makulatur.

Schleppende Verhandlungen

Vor allem aber kommen die Verhandlungen Athens mit privaten Gläubigern - also Banken, Versicherern, Hedgefonds und anderen Investoren - über einen teilweisen Schuldenerlass dem Vernehmen nach nur schleppend voran. Er ist Voraussetzung für das im Oktober angekündigte zweite Milliarden-Hilfspaket von 130 Mrd. Euro. Der unbedingt freiwillige Verzicht auf 50 Prozent der Forderungen der Geldgeber würde die Schuldenlast Athens um 100 Mrd. Euro senken und sollte eigentlich Ende 2011 unter Dach und Fach sein.

Doch die Gespräche verlaufen Bankenkreisen zufolge zäh, zu unterschiedlich sind die Interessen. Etliche Investoren sollen sich mit Kreditversicherungen (CDS) eingedeckt haben. Die nützen aber nichts, sollte der freiwillige Forderungsverzicht gelingen. Für diese Geldgeber wäre ein unfreiwilliger Schuldenverzicht - also auch bei einer Pleite Griechenlands - der günstigere Weg. Dann nämlich bekämen sie dank der CDS-Versicherungen einen Ausgleich für den Kreditausfall.

Die Frage der Umschuldung

Kleinere Anleger, die weniger stark im öffentlichen Fokus stehen, haben ebenfalls wenig Interesse an einer Umschuldung. Und dann gibt es die hoch spekulativen Hedgefonds, die im großen Stil noch Griechenland-Anleihen erworben haben, für die im März Zahltag ist. Verlässliche Daten gibt es nicht. Aber auch sie haben kaum Interesse an einer Umschuldung. Zudem soll Athen schlechte Konditionen für neue Anleihen bieten.

In der nächsten Woche beugt sich die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission in Athen über Zahlen und Prognosen und lotet aus, ob weitere Milliardenhilfen fließen können. Die siebente Tranche von fünf Mrd. Euro aus dem ersten Rettungspaket liegt immer noch auf Eis. Und das zweite Paket steht weiter in den Sternen.

Schon im Oktober kam die Troika in einem alarmierenden Bericht zu dem Schluss, dass Griechenland bei einer ungünstigen Entwicklung erst in zehn Jahren wieder in der Lage sein wird, aus eigener Kraft seine Schulden zu bedienen. Das Land könnte bis 2021 nicht an den Markt zurückkehren, um sich ohne Hilfe frisches Geld zu beschaffen.

Es ist mehr als fraglich, ob Griechenland seine Schulden auf Grundlage der bisherigen Sanierungspläne dauerhaft tragen kann. Das aber ist Voraussetzung für weitere Hilfen, vor allem des IWF. Dieser soll sich zuletzt skeptisch geäußert haben, weshalb über eine erneute Anpassung des Sanierungsplans für Griechenland diskutiert wird. Das könnte auf verstärkte Sparanstrengungen Athens hinauslaufen, auf eine stärkeren Forderungsverzicht der Banken oder sogar einen generellen Schuldenerlass durch alle Geldgeber bis hin zu noch mehr Geld der Eurostaaten.

Für den Finanzexperten und deutschen Regierungsberater Clemens Fuest waren der Sanierungsplan und der freiwillige Forderungsverzicht von Anfang an "nicht sonderbar realistisch" und nicht tragfähig: "Ich fürchte, dass am Ende der Steuerzahler wieder übrig bleibt." Gemeint ist ein genereller Schuldenerlass, der auch die öffentlichen Geldgeber einbezieht. Im Ergebnis müssten dann auch die Eurostaaten und die EZB auf die Rückzahlung ihrer Griechenland-Kredite verzichten.

Das aber könnte beim Wähler alles andere als gut ankommen. In Frankreich stehen schon im April/Mai Wahlen an. Die Politik wird daher aus Sicht von Fuest zunächst versuchen, eine echte Abschreibung der Geldforderungen mit Auswirkungen auf den eigenen Haushalt zu verhindern. Stattdessen dürfte vorerst um günstigere Zinsen und längere Laufzeiten gefeilscht werden. "Ohne einen Schuldenerlass auch der öffentliche Hand aber", stellt Fuest klar, "wird es nicht gehen."

Landesweite Streiks geplant

Die griechische Gewerkschaft GSEE hat für kommende Woche zu einem landesweiten Streik gegen die Sparvorhaben der Regierung aufgerufen. Der Streik am Dienstag solle eine "starke Botschaft" aussenden, teilte die Gewerkschaft für den Privatsektor mit.

Regierungschef Loukas Papademos hat vor einigen Tagen vor einer "unkontrollierten Zahlungsunfähigkeit" seines Landes im März gewarnt und die Bürger auf weitere Sparmaßnahmen eingestimmt. In Griechenland finden seit Monaten immer wieder Streiks gegen den Sparkurs der Regierung statt.

Arbeitslosigkeit steigt weiter

Die Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt unterdessen weiter. Die Quote betrug im Oktober 18,2 Prozent. Im September waren 17,5 Prozent arbeitslos. Ein Jahr zuvor betrug die Arbeitslosigkeit noch 13,5 Prozent. Das teilte die griechische Statistikbehörde (ELSTAT) am Donnerstag mit.

Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr lang Arbeitslosengeld, danach ist keine Unterstützung mehr vorgesehen. Humanitäre Organisationen unterstützen bereits mehr als 250.000 Menschen mit Lebensmitteln. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
Walter Bimini
00
15.1.2012, 12:38
nicht der hilfsplan, sondern griechenland wackelt schon wie bei einem schweren erdbeben

Peacefaktor
10
12.1.2012, 21:55
Wenn man alles dafür macht,

dass ein Land kracht, dann darf man sich nicht wundern, wenn es kracht.

Wenn es mir eh schon sehr schlecht geht und ich kaum Einnahmequellen habe, mehr verbrauche als ich es schaffe zu erwirtschaften, dann hat es keinen Sinn, das bißchen, was ich unter diesen finanziellen Mitteln zu leisten im Stande bin zu kürzen bzw wegzunehmen, dann nämlich wird noch weniger weitergehen.
Was die europäischen Freunde nämlich vergessen ist, dass das Land dringend Investitionen bräuchte, allerdings nicht in Form von Privatisierung, sondern in Form von Firmenansiedelungen, Neugründungen, Investition in Bildung und Forschung.
Man muss dem Land wirklich helfen, aber eben nicht den Banken, dann können die Griechen irgendwann auch wieder was zurückzahlen...

Vera Rschung
 
00
14.1.2012, 11:18

Also am Besten wir erhöhen den Umsatzsteuersatz auf 30% und schicken das ganze Geld nach Athen. Anders lässt sich Ihr Hirngespinst nämlich nicht finanzieren.

Kampfposter
00
13.1.2012, 12:52
Ja ja, alles sehr schlau und schlüssig,.....

..... nur das geld für diese investitionen kommt nun mal von "geldgebern" und das sind banken und investoren. Die geben aber kein geld her. Logisch, wer will schon einem fast pleitier was leihen. Und das gilt auch für direktinvestitionen in unternehmen.

der burli
03
12.1.2012, 19:59
na klar "wackeln die verhandlungen zur umschuldung." weil die gläubiger nicht neue bonds nehmen MÜSSEN wollen, die GR eh wieder nicht bedienen kann, weil NIX weitergeht bei den wichtigen reformen!

günter frank
20
12.1.2012, 19:17
ich habe ebenin den Nachrichten gehört...

...dass die privaten Investoren (nette Umschreibung für Banken) den 50 %tigen Schuldenerlass nicht eingehen wollen, - und zwar aus folgendem Grund.

Die Banken haben Kreditausfallversicherungen abgeschlossen.
Die springen nicht ein wenn der Gläubiger sich auf einen Handel einlässt, wohl aber wenn der Kredit verlorengeht.

So gesehen ist es für die Bankster lukrativer einen Staat mit allen Menschen pleitegehen zu lassen als denen einen Teil der Schulden zu erlassen.

Ein herzliches Pfui Teufel auch an die Menschen die diesem Gedankengut anhängen....

der burli
03
12.1.2012, 20:01
nein. die kreditausfallvers. sind nicht der grund. damit is sowieso nix. grund 1 hab ich oberhalb gepostet. grund 2 ist deren hoffnung, dass die EU GR nicht pleite gehen lassen, OBWOHL dort in den wesentl. dingen nix weitergeht...

m0nk
01
12.1.2012, 18:57
Ein Viertel der Griechen lebt bereits unter der Armutsgrenze

Durch die im Rahmen der "Hilfe" verordneten Sparmaßnahmen sinken Löhne und Renten, bricht das Gesundheitssystem zusammen, wächst die Arbeitslosigkeit und verarmen die Menschen, während die Politiker weiter ihre Ränkespiele aufführen
Während die sechs Global-Player des amerikanischen Bankenwesens für 2012 um bis zu 57 Prozent steigende Rekordgewinne erwarten, gehen am Südzipfel Europas immer mehr die Lichter aus. Bereits knapp ein Viertel der Griechen lebt unterhalb der Armutsgrenze.

http://www.heise.de/tp/artike... 190/1.html

Tiannanmen
00
13.1.2012, 16:12

Sie sprechen von relativer Armut. Wenn alle weniger bekommen sind die Armutgrenze deutlich ab und möglicherweise sind dann weniger arm.

Die relative Armutgrenze Ist eine absolut sinnlose Berechnungsmethode, die nichts aussagt.

der burli
01
12.1.2012, 20:03
die armen GR. aber 60 neue eurofighter kaufen uswuswuswusw. die "armen"....

Mostbluzza
03
12.1.2012, 17:18
greece game over

das land ist unsanierbar.

und zwar nicht, weil die finanzielle hürde so gross ist, sondern wegen der griechen und dank der eu inkompetenz, dies einzukalkulieren bzw. den bailout zu klein anzupacken. ein 50% haircut ist keiner.

Gr ist nicht (so tapfer) wie Argentinien, sondern so kaputt wie zimbabwe, nur dank des euros - nicht so tief gefallen.

somit können die folgeszenarien eintreten ...

Frodo Der Hobbit
00
14.1.2012, 10:17

zimbabwe doch nicht. eher mindanao... (was wesentlich vielschichtiger ist als das was man hört)
und europa hat nicht die fertigkeit es zu bewältigen.

Ender Wiggin
21
12.1.2012, 16:25
Anleihen STeuer

Griechenland braucht nur den Besitz griechischer Staatsanleihen mit einer Steuer iHv 50% des Nominalles besteuern. Schon sind die Hedge-Fonds, die sich jetzt noch mit im März fälligen Anliehen eingedeckt haben, ihren Gewinn wieder los.

Anton J. Helmreich
15
12.1.2012, 16:12
so leids mir tut (und das meine ich ehrlich)

griechenland in der form ist von der pleite nicht zu retten.
griechenland ist nur durch einen massive abwertung der währung gegenüber dem euro zu retten.
und das ist mit dem euro halt unmöglich.

schütten sie mal in ein fass ohne boden soviel wasser bis es voll ist - noch nie war der vergleich mit dem fass ohne boden so brauchbar

Woodpecker
10
14.1.2012, 09:04
Eine volle Pleite Griechenlands ... gefundenes Fressen für Bankster und Hedgefonds

Bei einer Vereinbarung über einen Schuldenschnitt verlieren die vielleicht die Hälfte, kriegen aber massiv Zinsen. Hart für Pensionsfonds und vielleicht auch Ihre Zusatzpension.
Bei einer vollen Pleite werden die CDs schlagend - also die "Feuerversicherungen auf des Nachbars Haus, mit dem Benzinkanister in der Hand abgeschlossen" und die Hedgefonds etc. werden durch diese "Überversicherung" nur reicher - auf Kosten der "Versicherer", die dann ziemlich sicher "gerettet" werden müssen - am Ende zahlt also der Steuerzahler so oder so.

Anton J. Helmreich
00
14.1.2012, 10:17
natürlich zahlt am ende der steuerzahler sowieso

das ist mir schon klar.
aber darum gehts ja nicht.
aber das ende ist unvermeidlich - darum gehts.
jetzt noch geld hineinbuttern bringt nix, weils das ende nur verzögert aber nicht verhindert.
das heisst alles was jetzt noch zur "rettung" reingebuttert wird zahlt der steuerzahler zusetzlich und mehr.
darum gehts.
natürlich hat die eu (noch) die wirtschaftliche macht griechenland mitzuschleppen aber wenn man in das fass ohne boden keinen boden rein bringt was soll das dan nutzen und wem ?
da gibts einen passenden spruch: besser ein ende mit schrecken, als schrecken ohne ende

Señor Mascarenas
02
13.1.2012, 01:36
Das Land ist pleite in allen Währungen - egal ob...

... Euro, Drachmen oder Kauri-Muscheln.
Ein einfacher Austritt aus der Währungszone erscheint nicht als die günstigste Lösung denn die Verbindlichkeiten werden weiterhin in Euro bestehen bleiben.

was denn
00
13.1.2012, 09:49

Natürlich ist der Austritt aus der Währungsunion die Lösung, und zwar in Verbindung mit der Erklärung des Staatsbankrotts.

Takis
00
12.1.2012, 18:28

Es ist in der Tat nicht möglich. Die einzige Partei die diese Position in Gr vertritt ist die KKE. Die sind auch die einzigen die überhaupt irgendetwas verstanden haben und auch eine Lsung anbieten können.

Andreas Prucha
12
12.1.2012, 16:20

Unmöglich ist garnix. Die Schuldensituation war zwar schon länger problematisch, aber wirklich eskaliert ist die Sache erst im Zuge der Finanzkrise. Bei dem Druck der derzeit auf Griechenland lastet, würde jeder Staat eingehen.

Roter Baron
21
12.1.2012, 13:46
>Die Wachstumszahlen brechen ein<

da muss jetzt aber schnell geld an die banken überwiesen werden !

der burli
07
12.1.2012, 13:55
ja klar. das passiert ja jedem kreditnehmer, der nimma zahlen kann: der kredit wird ihm bezahlt, damit ja nix passiert! das ist die beste lösung!

Andreas Prucha
02
12.1.2012, 16:48

Najo, des fiese ist ja, dass dauernd von Griechenland-Rettung die Rede ist, es aber eigentlich eine Finanzsystem-Rettung ist. Das ganze Passiert ja ned aus Mitleid mit den Griechen, sondern aus Angst, ein Default könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Mrs Spok
02
12.1.2012, 17:36

wäre doch lustig, wenn das Finanzsystem endlich zusammen brechen würde, auf jeden Fall für die geldgierigen Verursacher=Obergurubanker, weil die haben ihre Kohle schon lange im Trockenen. Und wir und unsere Sparbücher stehen im Regen, weil die Garantien für dei Einlagen (Haftungsgemeinschaften, Einlagensicherungen und Staatsgarantien) sind dann keinen Pfifferling mehr wert.

Andreas Prucha
00
13.1.2012, 21:38

Eben. Deswegen verstehe ich alle, die auf einen Zusammenbruch hoffen ned so ganz.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.