Zinspause

EZB bleibt bei Leitzins von 1,0 Prozent

12. Jänner 2012, 16:19

Alle Augen sind auf die erste Ratssitzung der Europäischen Zentralbank 2012 gerichtet, die Märkte warten gespannt

Frankfurt/Main - Die Märkte haben am Donnerstag gebannt auf die Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Platzierung spanischer und italienischer Anleihen geblickt. Die EZB beließ dabei den Leitzins auf seinem Rekordtief von 1,0 Prozent. In einer Pressekonferenz sagte EZB-Chef Mario Draghi, die Entscheidung sei einstimmig gefallen.

Draghi hat aber die Tür für weitere Zinssenkungen in den kommenden Monaten offen gelassen. "Unsere geldpolitische Ausrichtung ist und bleibt konjunkturstimulierend. Wir sind zum Handeln bereit", sagte der EZB-Chef. "Die andauernden Spannungen an den Finanzmärkten werden die Konjunktur in der Eurozone weiter dämpfen", so Draghi. "Der Wirtschaftsausblick ist von hoher Unsicherheit geprägt, die Abwärtsrisiken sind substanziell." Der EZB-Chef bestätigte auch die bisherige Einschätzung, die Inflationsrate in der Eurozone werde "wahrscheinlich noch einige Monate über zwei Prozent bleiben, bevor sie unter zwei Prozent fallen" werde.

Zwar gebe es einige Daten, die eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau erwarten lassen. "Daraus aber Gewissheit (für die Konjunktur) abzuleiten ist unmöglich." Niedrige Zinsen verbilligen Kredite und können die Konjunktur anschieben. Allerdings kann - wenn die Notenbank nicht rechtzeitig gegensteuert - ein Anstieg der Teuerung die unerwünschte Folge sein. Draghi rechnet jedoch mit einem weiteren Rückgang der Inflationsrate und in einigen Monaten mit Preisstabilität.

Wirtschaftlich werde sich die Eurozone im Laufe des Jahres erholen, aber nur sehr schrittweise. Draghi: "Dies wird durch die Entwicklung der weltweiten Nachfrage, sehr niedrige kurzfristige Zinsen und all jene Maßnahmen gefördert, die wir zur Stützung der Finanzsektors ergriffen haben."

Liquidität für die Banken

Draghi zeigte sich mit den im Dezember eingeleiteten Schritten der EZB zur Stützung der Banken zufrieden. Vor Weihnachten hatte die Notenbank den Instituten für drei Jahre unbegrenzt Liquidität zur Verfügung gestellt - insgesamt fast 500 Mrd. Euro. "Je mehr Zeit seitdem vergeht, desto mehr können wir erkennen, dass diese Maßnahme effektiv ist", sagte Draghi mit Blick auf zwei erfolgreiche Auktionen spanischer und italienischer Bonds am Donnerstag. Mit dem Geld sei es der EZB gelungen, eine breite Kreditklemme zu verhindern.

Allerdings sei schon in einigen Regionen der Währungsunion ein Rückgang der Kreditvergabe zu beobachten, räumte der Italiener ein, der seit November auf dem Chefsessel der Notenbank sitzt. "Der Interbanken-Handel funktioniert nicht." Viele Banken parken seit Weihnachten nämlich das Geld der EZB wieder auf deren Konten, weil sie sich gegenseitig misstrauen. Sie nehmen damit bewusst einen Zinsverlust in Kauf. Draghi sieht das anders: "Im Großen und Ganzen sind es nicht dieselben Banken, die das Geld bei der EZB geliehen haben, die es nun wieder in die Einlagefazilität der EZB geben."

Refinanzierungsbedarf

Das Verhalten der Banken habe auch mit dem hohen Refinanzierungsbedarf vieler Institute in den kommenden Monaten zu tun. Um dennoch den Anreiz für die Banken zu erhöhen, sich wieder gegenseitig Geld zu leihen, habe der EZB-Rat allerdings nicht über eine Senkung des Einlagezinssatzes unter 0,25 Prozent gesprochen, sagte Draghi. Damit würde es für die Banken deutlich unattraktiver, Geld bei der Zentralbank zu parken. Auch eine Art Strafzins auf Einlagen bei der EZB ist denkbar. Die Notenbanken Schwedens und der Schweiz hatten in der Vergangenheit bereits solche Mittel ergriffen.

Am Devisenmarkt profitierte der Euro von Draghis Äußerungen und kletterte wieder über die Marke von 1,28 Dollar. Die Märkte sähen es als positives Zeichen, dass Draghi eine Wirkung der Drei-Jahres-Tender bei den Banken ausmache, sagte ein Devisenhändler in Frankfurt. "Er räumt die wirtschaftlichen Abwärtsrisiken ein, sieht aber auch Anzeichen einer Stabilisierung."

Briten lassen Leitzins unangetastet

Die britische Notenbank hat ihren Leitzins und ihr Anleihekaufprogramm wie erwartet unverändert belassen. Der Leitzins liegt nach wie vor auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. (APA/red)

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20 Postings
Helenos
00
12.1.2012, 17:40

Was nützt 1% Zinsen bei einer Kreditklemme, wäre super wenn sich Private oder Häuslbauer bei der EZB verschulden könnten.

Stimme der Vernunft
00
12.1.2012, 14:06
Welche Auswirkungen...

... hat das auf den Euro-Kurs? Bei der letzten Zinssenkung hat der Euro prompt nachgegeben. Staerkt die heutige Entscheidung den Kurs?!?

Banaler Hintergrund meiner Frage: Ich fahr im Juli drei Wochen in die USA und frag mich schoen langsam, ob ich nicht schon jetzt anfangen sollte, Dollars zu bunkern...

cannery row
00
12.1.2012, 12:28
und die märkte..

sind nervös und verharren in bangem warten, nicht zu vergessen.

higgs - wozu?
33
12.1.2012, 12:40

ich glaub die märkte haben sich eine pause verdient - wir sollten sie mit einer zyankalikapsel beruhigen und ihnen mal eine bedenkpause gönnen - vielleicht besinnen sie sich dann wieder darauf, daß sie eigentlich den menschen dienen sollten, und nicht umgekehrt.

und der zinsschmäh geht halt auch nicht mehr so richtig rein, bei den sklaven - viele durchschauen den zinsmechanismus bereits, und leiden unter der permanenten umverteilung, die er auslöst - es interesseirt keinen menschen mehr, welchen %satz man erfindet, denn das ist vollkommen wurscht und ändert überhauptnichts an der grundproblematik, an der ursache für unsere probleme und verwerfungen.
der einzig akzeptable und wirtschaftfördernde zinsatz ist: 0,0000%

Major depressive disorder
10
12.1.2012, 14:03

Zins von 0%: auf die Kreditblase freu ich mich schon jetzt!

Andreas Prucha
11
12.1.2012, 14:13

Derzeit schauts in der Euro-Zone aber trotz niedriger Zinsen nach einem Credit-Crunch aus.

Abgesehen davon: Ma sollt unterscheiden zwischen Zinsen für den Verleih von existierendem Geld (also Kreditvergabe aus Einlagen) und Zinsen für Kreditvergabe aus neu geschöpftem Geld. Wenn man die Geldschöpfung einzig und alleine der Notenbank überlässt (hier unverzinst), und Banken nur Kredite in der Höhe vergeben können, die durch Einlagen gedeckt sind (hier aber durchaus verzinst), kann auch keine Kreditblase entstehen.

Major depressive disorder
00
12.1.2012, 14:32

D.h. die EZB sollte Kredit zu 0% vergeben. An wen ? An die Banken ? Wohl eher nicht, denn die könnten ja nichts damit anfangen, weil sie ja nur Spareinlagen verleihen dürfen. An die Privaten ? dann wären die Kredite der Banken nicht wirklich beliebt. Auf gut Deutsch willst du, dass jeder die Lizenz zum unbeschränkten Gelddrucken bekommt. Weiteres siehe mein voriges mail.

Andreas Prucha
01
12.1.2012, 15:17

Nochmal kurz zusammengefasst: Wenn mann die derzeitige Geldmenge hernimmt und ein erwünschtes Geldmengewachstum von 1 % pro Jahr, dann würde das pro Eurozonen-Bürger ca. 100 Euro ausmachen. Damit wird er noch nicht reich und muss selbstverständlich weiter arbeiten. Wenn er eine Anschaffung (z.B. Auto) tätigen will, muss er genauso entweder sparen (damit bildet er für die Kreditvergabe nutzbare Einlagen) - oder eben einen privaten Kredit aufnehmen, weil er ja nicht von der Zentralbank Kredit bekommt, sondern eben nur seinen Anteil neuen Geldes. Ein anderer Teil des neuen Geldes käme eben über Staatsausgaben in Umlauf.

Andreas Prucha
11
12.1.2012, 15:10
Im Gegenteil. Derzeit hat jeder (jede Geschäftsbank) das Recht zum "Gelddrucken". Nur ein kleiner Teil kommt aus der Zentralbank.

Diese private Gelschöpfungsblase ist 2007 geplatzt, deswegen sind die Notenbanken damit beschäftigt privates Falschgeld (Giralgeld) durch echtes Zentralbankgeld zu ersetzen, indem sie Werte der Banken entweder aufkaufen oder Kredite damit besichern.

Neues, unverzinstes Geld sollte über den Staat in Umlauf kommen, beispielsweise über eine Negativsteuer oder eben staatliche Investitionen. Ja, ich weiss, das ist auch problematisch, weil die Gefahr besteht, dass der Staat einzelne Gruppen sehr stark begünstigt - aber es wäre stabiler als das derzeitige Pyramidenspiel.

Durch normales Wirtschaften, aber eben auch durch neu in Umlauf gekommenes Geld entstehen Bankguthaben, die dann zur Kreditvergabe genutzt werden können.

Major depressive disorder
10
12.1.2012, 15:29

Keine Geschäftsbank hat die Lizenz zum Gelddrucken: sie muss sich die Liquidiät für einen vergebenen Kredit 1:1 bei der EZB besorgen und zwar mit Sicherheiten hinterlegt. Das Geld druckt die Zentralbank und schleust es via Geschäftsbanken ins System. Wenn die Zentralbank nicht will, dann schränkt sie einfach die Tender ein und schon gibts weniger Kredite. Was den zweiten Teil mit der Monetative anbelangt meine ich nur soviel: jeder überbezahlte Banker ist mir vor dem Herrn lieber als ein Haufen Politiker auf Stimmenkauf (die im übrigen die Hauptschuldigen für die Geldblase der letzten Jahrzehnte sind).

Marquis de Venosta
01
12.1.2012, 16:12
Wirklich?

"Keine Geschäftsbank hat die Lizenz zum Gelddrucken: sie muss sich die Liquidiät für einen vergebenen Kredit 1:1 bei der EZB besorgen und zwar mit Sicherheiten hinterlegt."

Eine Bank, die das müsste, könnte sich den Kredit nur noch selber geben, weil sie ja in selber Höhe zentralbankfähige Papiere kaufen muss (ohne deren Verpfändung an die EZB sie die Liquidität nicht erhalten hätte).

Dieses Szenario entspräche einem Mindestreservesatz von 100%. Der Mindestreservesatz der EZB liegt derzeit aber (noch) bei 2%.

Andreas Prucha
00
12.1.2012, 15:50

Eigentlich nicht

http://www.bundesbank.de/download/... gesamt.pdf

Ab seite 69

Es ist also keineswegs so, dass alles Geld von der Zentralbank stammt.

Und bei allem Misstrauen Politikern gegenüber - schlimmer als ein gewinnorientiert Markt, in dem jeder versucht jeden abzuzocken, dann aber bei Misserfolg erst wieder Unterstützung von der Allgemeinnheit wollen, sinds nicht.

Major depressive disorder
00
12.1.2012, 16:04

Keine Ahnung wo du das da drinnen liest (nehme an auf Seite 70 oben), aber nur so viel: ein Kredit (Asset) bedingt natürlich eine Gegenseite in der Bilanz - Liability (Einlage). Na wo kriegt die Bank die Einlage her: von den Sparern oder der Zentralbank und net von der Notenpresse im Keller.

Andreas Prucha
00
12.1.2012, 16:27
Seite 69

"Aber wie ist dieses Giralgeld entstanden?
Der Vorgang entspricht der Entstehung von
Zentralbankgeld: In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden
Betrag auf dessen Girokonto gut. Wird dem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z. B. Laufzeit 5 Jahre, 5 %), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist
Giralgeld entstanden bzw. wurden 1.000 Euro Giralgeld geschöpft"

Dass die "private Gelddruckerei" nicht unendlich benutz werden darf ist klar und u.A. von der Mindestreserve beschränkt ist, ist klar. Das ändert aber nix dran, dass nur ein Teil der Geldmenge Zentralbank-Geld ist.

Major depressive disorder
01
12.1.2012, 16:44

ja die 1000€ wurden geschöpft. müssen aber von der EZB besorgt werden - die Sichteinlage ist nicht die passivseite zum kredit wie du meinst, sondern die verbindlichkeit gegenüber der EZB. durch den kredit entsteht die Sichteinlage auf der passivseite neu - die neue aktivseite zur sichteinlage ist üblicherweise eine overnight-veranlagung am geldmarkt. wieso sonst glaubst du gehen banken sonst jede Woche für 200 Mrd. € in den Tender? Zum spass? was machen sie damit wenn sie sich eh nicht refinanzieren müssen? Versaufen? Die Mindestreserve hat mit der aktiven Geldschöpfung relativ wenig zu tun - der Mindestreservesatz legt nur fest, wieviel % der Sichteinlagen als Kredite vergeben werden dürfen (Rest liegt bei EZB). Uff und Ende.

higgs - wozu?
02
13.1.2012, 08:42

die mindestreserve ist ja nur die angabe der hebellänge - 10% mindestreserve bedeutet nur, daß ich jeden euro den ich physisch als bank bekomme 10 mal verleihen darf - ist quasi ein überbleibsel der golddeckung, wo man auch jeden barren mehrfach zeichnen konnte, weil man damit rechnete, daß ihn eh nie einer abholt - das geht natürlich nur solange gut, bis die die leute ihr geld abholen wollen - also das gesetzliche zahlungsmittel, nicht die pixel am bildschirm, weil es in der menge gar nicht vorhanden ist.
hier ergibt sich selbstverständlich auch ein bilanztechnisches problem, weil die bilanzsummen aufgeblasen werden und keine wirkliche substanz mehr vorhanden ist - das geld also ungedeckt ist

Dagmar Rehak Wien
 
00
13.1.2012, 09:35

Mir is wurscht, aber kontrolliert das überhaupt wer?
Ich habe davon immer nur in der Theorie gelesen, aber ob sich auch alle daran halten, ist mir nicht erkenntlich.
Vor allem, dass die Mindestreserve jetzt von 2% auf 9% angehoben werden soll, halte ich für ziemlich schwierig.

xray -
00
12.1.2012, 13:49

die märkte sind dein sparbuch und rentenfonds ... oder bist du einer der wenigen, die keins haben?

Loculus
00
12.1.2012, 12:55

Das macht die Vergabe von Krediten wenigstens für die Konsumenten leichter. Denn wenn ich dem Bankenmitarbeiter aufs Auge drücken kann, dass die Zinsen erfunden sind, und dass er mir eben nicht 11 % aufdrücken kann, sondern eben nur den Leitzins +maximal eine festgelegte Summe, dann ist das Verhandlungssache! .... Wir müssen aufhören den Bankprodukten blind zu vertrauen, sondern wieder kritisch hinterfragen. Dann wird sich schon herausstellen, welche Bank bereit ist "mit" den Menschen zu arbeiten und welche sich "gegen" die Bevölkerung stellt. Und denen würd ich gern nen Flashmob ins Haus wünschen....

bayernbanker
00
12.1.2012, 13:02
Ein Aufbegehren ist leider pure Theorie...

...schon seit Urzeiten akzeptiert der österreichische Kunde einfach die "bequemste" Lösung - siehe FW-oder Tilgungsträgerfinanzierungen.....um die Abrechnung macht man sich dann Gedanken, wenns soweit ist! A la "nach mir die Sintflut"!

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