Beige Book

US-Wirtschaft wächst stetig, aber langsam

12. Jänner 2012, 08:12

Mit der amerikanischen Wirtschaft geht es langsam voran. Sorgen bereitet allerdings einmal mehr der Immobiliensektor

Washington - Die amerikanische Wirtschaft hat der US-Notenbank zufolge zum Jahresende 2011 ihren bescheidenen Wachstumskurs fortgesetzt. Die Verbraucher seien im Weihnachtsgeschäft ausgabefreudiger gewesen also noch in den Monaten zuvor, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank.

Probleme bereite aber weiter der schwächelnde Arbeitsmarkt: Zwar werde durchaus Personal eingestellt, doch weiterhin suchten auch zahlreiche Amerikaner einen Job. Durch diese Kombination bleibe ein allgemeiner Lohnanstieg aus. Auch künftig sei mit einem stetigen, wenn auch langsamen Wachstum zu rechnen, prognostizierte die Fed. Die Inflation sei derzeit kein wesentlicher Grund zur Sorge.

Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins im Dezember wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent belassen. Fachleute rechnen auch bei der nächsten Sitzung des für die US-Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses in zwei Wochen nicht mit einer Änderung des Kurses.

Unlängst hatte es in den Vereinigten Staaten zwar schon Anzeichen für eine leichte konjunkturelle Besserung gegeben. Die Notenbanker sind sich jedoch noch uneins, ob - und wenn ja, wie - sie darauf reagieren wollen. Sie sehen in der Euro-Schuldenkrise ein enormes Risiko für die US-Wirtschaft.

Am Mittwoch warnte der Chef der Fed von Chicago, Charles Evans, vor einem zu frühen Anziehen der geldpolitischen Zügel: "Es gibt eine natürliche Tendenz, zu früh die Unterstützung zurückzunehmen - noch bevor die Realzinsen weit genug gefallen sind."

Evans möchte den Leitzins bei null belassen bis entweder die Arbeitslosenquote unter sieben Prozent sinkt oder die Teuerung auf mehr als drei Prozent steigt. Die Arbeitslosigkeit war zuletzt auf 8,5 Prozent etwas gefallen. Die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr eher knapp unter zwei Prozent liegen als darüber. Die Federal Reserve sieht Zeichen für eine andauernde Besserung

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19 Postings
das ist fix
00
12.1.2012, 17:54

Die USA haben schon seit Jahrzehnten ein riesengroßes Leistungsbilanzdefizit.

http://www.konicz.info/wp-conten... t-usa1.jpg

hjkde5
10
12.1.2012, 17:49

Ich bin Techniker, kein Ökonom, dennoch glaube ich zu erkennen dass es sich um ein strukturelles Problem handelt.

In den vergangenen Jahrzehnten haben die Länder der westlichen Welt ihre Binnenwirtschaft durch Verlagerung der Industrie in Schwellenländer und durch Automatisierungen in der Dienstleistung massiv beschnitten. Sowohl essentielle Güter als auch reine Konsumgüter werden nun importiert, wobei – wenn überhaupt – nur ein sehr geringer Wertschöpfungsanteil durch die Binnenwirtschaft beitragen wird. Die Abhängigkeit von Rohstoffimporten ist ein zusätzlicher Faktor.

hjkde5
00
12.1.2012, 20:32
Exporte gehen tendenziell zurück weil die Schwellenländer damit beginnen selbst Autos oder Hightech Produkte und Anlagen zu bauen.

Dadurch entsteht doch – sofern Tourismus oder andere “rücklaufende” Kapitalströme das nicht ausgleichen können, was bei den wenigsten Ländern der Fall ist – zwangsweise ein Leistungsbudgedefizit. Gelingt es nicht dieses Defizit zu verringern führt das im Falle der USA zu endlosem Schuldenwachstum und dem Export einer weltweiten Inflation. Bei Ländern mit eigener Währung oder dem Euroraum wäre die Konsequenz ebenfalls ein Schuldenwachstum das letztendlich in galoppierender Inflation endet. In beiden Fällen kann dass das jeweilige Land alternativ auch schrittweise vom Ausland aufgekauft werden.

Hinzu kommt dass immer weniger Arbeitsplätze entstehen – die Automatisierung schreitet schließlich weiter voran.

hjkde5
00
12.1.2012, 23:06

Man kann diese frei werdenden Kapazitäten natürlich “intern” beschäftigten, zB in der Verwaltung oder der Wellnessbranche, am Leistungsbudget ändert das aber nichts.

Wenn ich damit richtig liege gibt es für die USA nur noch wenige Optionen wenn ein Systemreset oder -kollaps vermieden werden soll:
1. Handelszölle oder andere Maßnahmen zum (nachhaltigen) Ankurbeln der Binnenwirtschaft
2. Aufgabe des Leitwährungscharacters des USD damit der Weg in eine reale Abwertung möglich wird
3. Globale Währungsreform
4. Länderunion MIT Schwellenländern und Ressourcenreichen Ländern gründen
5. (Welt)Krieg

Steuererhöhungen, Steuerreformen, o.ä. würden dieses Problem nicht lösen können.

http://bit.ly/y2aK92

piquer=½
00
12.1.2012, 14:01

alles kein problem. selbst wenn sie nicht stetig 'wüchse', könnte man versuchen stückweise stetige intervalle zu finden oder gar mit distributionen arbeiten.

aber wenn schon stetigkeit gegeben ist: wie schaut denn die monotonie und beschränktheit aus? das wäre betreffend konvergenz, maxima oder minima ziemlich aufschlussreich ...

Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit
11
12.1.2012, 13:14

die us-regierung pumpt unsummen in die amerikanische wirtschaft, so beträgt das budgetdefizit ca. 10%. da sie das (zumindest teilweise) direkt über die fed finanziert, kommt es zu keinem anstieg der zinsen, wie in europa.

betrachtet man die realwirtschaftlichen fakten stehen die usa, aber weiterhin extrem schlecht da. ich halte keynesianische maßnahmen für sinnvoll - wenn die usa aber nicht auch strukturmaßnahmen setzen, dann kommt es nur zu einer verschiebung von konsum durch privatwirtschaftliche verschuldung zu konsum durch staatliche verschuldung.

insgesamt muss man aber sagen, dass die usa wahrscheinlich den besseren weg als europa wählen.

Schwil Teiger
00
12.1.2012, 15:04

Inwiefern wählen die USA den "besseren Weg"?

Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit
00
12.1.2012, 16:37

die usa pumpen weiterhin geld in die wirtschaft, während in europa sparpakete geschnürt werden. diese sparpaktete werden mit sicherheit zu einer verschärfung der lage führen. notwendige strukturreformen, etwa im bereich des steuerrechts - reduktion der besteuerung von arbeit, im gegenzug erhöhung von vermögenssteuern -, regulierungen im finanzsektor, etc. werden leider bei beiden nicht durchgeführt.

sparen in zeiten der rezession ist einfach eine sehr schlechte idee. dass die struktur der ausgaben in ö reformbedürftig ist, steht auf einem anderen blatt.

Schwil Teiger
00
12.1.2012, 17:18

Die USA pumpen kein Geld in "die Wirtschaft" (QE2 liegt lange zurück und war völlig wirkungslos), sie fluten lediglich die Finanzkreisläufe mit unbegrenzter Liquidität und monetarisieren direkt oder indirekt die US treasuries.

Dasselbe macht die EZB, die sich ein "Limit" von wöchentlich (!) eh nur 20 Mrd Euro für den Aufkauf (=die Monetarisierung) von Staatsanleihen gesetzt hat und die Banken mit unendlicher Liquidität versorgt.

Ausserdem konsumieren die Amerikaner nicht mehr annähernd so wie früher, bundesstaatliche und regionale Behörden sparen auf Teufel komm raus und dasselbe ist für Bundesebene vorgesehen, weil es schlichtweg nicht mehr anders geht.

Ich sehe da nichts, was "besser" wäre.

ein mensch
00
12.1.2012, 10:39
Die realität sieht anders aus....

http://usawatchdog.com/unemploym... g-decline/

Totaler Durchblicksstrudel
00
12.1.2012, 11:12

JAA, wenn Greg Hunter das sagt! Man beachte auch seine anderen Aussagen ;) :D

"ballon d'essai"1
11
12.1.2012, 11:05
...und wie heißt jetzt diese Religion?

Wenn man/frau einen Computer halbwegs bedienen kann, aber gleichzeitig nach der Facon dümmster religiöser Fundamentalisten, EINE Seite als Evangelium liest: "Die Realität sieht anders aus..." Hallo? Irgendwo ang'rennt. Die Meinung von usawatchdog ist genau so viel "Realität" wie irgend ein anderes literarisches Produkt: Micky Maus, Brüder Grimm, Mein Kampf, Kronen Zeitung etc...
Jeder Mensch mit höherem zweistelligen IQ kann die Analyse der FED und von usawatchdog vergleichen. Für Nichtfundamentalisten ist die FED-Realität realer. Aber echt....

Schwil Teiger
00
12.1.2012, 11:45

"Die FED-Realität" :) Schöner Ausdruck. Und so treffend.

Totaler Durchblicksstrudel
00
12.1.2012, 12:08

Ist eben die Frage, ob es eine gemeinsame Realität überhaupt gibt. Zumindest die Wirklichkeit eines Greg Hunters baut nur teilweise auf die Vernunft als Fundament. Das bereitet zumindest mir Unbehagen.

Schwil Teiger
00
12.1.2012, 12:43

Dass die "FED-Realität" wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat, ist eine Tatsache. Hier gehts um ganz konkrete ökonomische Fakten, man braucht also nicht auf "philosophische" Fragen nach "gemeinsamer Realität" auszuweichen.

Ich kenne den Blog von Greg Hunter nicht, weiss daher nicht, welchen ideologischen Unterbau er vertritt. Aber was genau passt dir denn an dem oben verlinkten Artikel nicht?

Totaler Durchblicksstrudel
00
12.1.2012, 13:55

Er unterstellt Meinungen, hat Probleme mit richtig und falsch, ein etwas angespanntes Verhältnis zum Ursache-Wirkungs-Prinzip und legt eine ziemlich einseitige Sicht der Dinge zu Grunde. Also alles, was jemanden intellektuell disqualifiziert und zum Lohnschreib- ähm, Lohnblogger einer Interessengruppierung stempelt.
Nun, das stört mich nicht, gabs eh schon immer. Aber es werden eben immer mehr - schau dir die explodierenden Lobby-Ausgaben für die Blogosphäre an! - und damit vertieft sich der gesellschaftliche Spalt immer weiter.

Schwil Teiger
00
12.1.2012, 14:47

Kann man etwas dazu sagen, für welche Interessengruppierung er deiner Ansicht nach lohnbloggt?

"Probleme mit richtig und falsch, ein etwas angespanntes Verhältnis zum Ursache-Wirkungs-Prinzip und eine ziemlich einseitige Sicht der Dinge" sind jedenfalls genau die Kriterien, die auf die "FED-Realität" auch zutreffen.

Der obige Artikel verweist im wesentlichen auf durchaus ernst zu nehmende Quellen wie shadowstats, die Washington Post oder den "investment outlook" von PIMCO, die den Spin der FED lediglich als das entlarven, was er ist. Ich denke daher, dass man zumindest diesen einen Artikel nicht so ohne weiteres als irrelevant abtun kann.

Totaler Durchblicksstrudel
01
12.1.2012, 15:19

Ich wäre nicht so dumm den oben erwähnten Artikel als irrelevant abzutun. Ganz im Gegenteil: ich schrieb ja, er wäre in seiner Destruktivität gefährlich. Was ich nicht sagen wollte war, dass er ein Lohnblogger wäre. Zumindest ist es nicht offensichtlich so.
Seine Art der Argumentation ist einfach unredlich, weil man weder in jenem Artikel, noch in seinen anderen viel an konstruktiver Kritik findet.
Aus seiner Sicht ist vieles schlecht und verantwortlich ist die Regierung, FED oder sonstige Teile aus dem Establishment. Gewürzt mit seiner Erkenntnis, dass die eigentliche Wahrheit verborgen oder verbogen werden soll.
Diese Blogs heizen zerstörerische Tendenzen an, sowohl bei seinen Lesern, als auch in der Gesellschaft.

Schwil Teiger
00
12.1.2012, 17:03

Die Erkenntnis, dass "die eigentliche Wahrheit verborgen" werden soll, dürfte sich mittlerweile weitgehend durchgesetzt haben. Der "beige book"-Spin der FED, der in sämtlichen Blättern unkommentiert und unhinterfragt publiziert wird, ist wieder einmal ein sehr gutes Beispiel dafür.

Man kann sich fragen, was "zerstörerische Tendenzen" mehr anheizt: ein Blogger, der die "Matrix" des Mainstream-Spins blossstellt oder Regierungsbehörden und Finanzinstitute, die uns in regelmässigen Abständen weismachen wollen, dass "eh alles wieder gut wird", wenn davon keine Rede sein kann.

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