Vom Ende des Glücks zum Anfang der Unzufriedenheit

11. Jänner 2012, 18:16

Volltransparente, Kollektivtransparente und andere: Standard-Rundruf in den Rektoraten zu Gehältern

Wien - Sören Kierkegaard (1813- 1855), der dänische Philosoph und Theologe, dachte darüber nach, was Heinrich Schmidinger, ebenfalls Philosoph und Theologe, aber auch Präsident der Universitätenkonferenz jetzt namens aller Rektoren beschäftigt: "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit", schrieb Kierkegaard.

Für Geld gilt das besonders. Für Rektorengehälter scheinbar noch mehr. Die Beantwortung seiner parlamentarischen Anfrage empörte FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf, weil er darin "Löhne wie Topmanager" für die Rektoren sah.

Davon könne keine Rede sein, erklärt Schmidinger im STANDARD. Der STANDARD bat alle 21 Rektorinnen und Rektoren um Auskunft über ihre Gehälter.

Zu den "Volltransparenten", die Individualbeträge veröffentlichen, zählen neben Schmidinger:

  • Universität Wien Rektor Heinz W. Engl bekommt für 2011/12 für die Führung eines Betriebs mit 9400 Mitarbeitern, 91.000 Studenten und einem 494-Millionen-Euro-Budget 224.000 Euro als Gehalt (mit der Option auf maximal drei Monatsgehälter als Prämie) - und ist damit noch lang nicht in Reichweite des niedrigsten Gehalts auf der Skala der 51 bestbezahlten Vorstandsmitglieder eines österreichischen Staatsbetriebs. Auf Rang 16 lagen da 2010 die fünf ÖBB-Holding-Vorstände mit einem Durchschnittseinkommen von je 250.500 Euro. Der Verbund zahlte seinen vier Vorständen je 721.800 Euro im Jahr, die Post ihren Topmanagern 669. 500 Euro.
  • WU Wien Auch Rektor Christoph Badelt hat keine Scheu, sein Einkommen auf den Euro genau zu sagen: 2010 erhielt er 198.571 Euro brutto plus eine vom Uni-Rat beschlossene 25-Prozent-Prämie.
  • Medizin-Uni Innsbruck Rektor Herbert Lochs findet auf seinem Jahresgehaltszettel 230.000 Euro vor.
  • Mozarteum Salzburg Rektor Reinhart von Gutzeit bekam 2011 170.000 Euro, möglich ist auch eine erfolgsdefinierte Prämie bis zu zehn Prozent des Gehalts.
  • Uni für Bodenkultur Rektor Martin Gerzabek verdient 168.000 Euro, 20 Prozent davon sind für seine Tätigkeit als Professor, auf eine Prämie (bis zu 10.000 Euro), die der Uni-Rat 2011 zuerkannte, verzichtete das gesamte Boku-Rektorat wegen der Finanzlage der Uni.

Viele der (Vize-)Rektorengehälter setzen sich aus einer Funktionszulage für das (Vize-)Rektorsamt und weiter ausgeübte Professorentätigkeiten zusammen.

  • Akademie der bildenden Künste Rektorin Eva Blimlinger, die ihr Gehalt "selbstverständlich" offenlegt, das Kalkül von Grafs Anfrage aber als Versuch kritisiert, "den Universitäten zu schaden - mal ganz abgesehen von einer dadurch entstehenden Neiddebatte", erhält im Jahr 150.000 Euro, Prämien sind noch nicht vereinbart. Weit hinter den Einkommen heimischer Kulturmanager, die der STANDARD jüngst veröffentlichte. Albertina-Chef Klaus A. Schröder lukrierte 2010 275.000 Euro, Sabine Haag im Kunsthistorischen Museum 270.900, die Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky, 242.400 Euro.

Durchschnittsgehälter für das gesamte Rektorat veröffentlichen:

  • TU Wien Rektorin und vier Vize-rektoren erhalten 2012 im Schnitt 170. 000 Euro, eventuell noch zu verhandelnde Prämien bis maximal 30 Prozent des Jahresgehalts. Man halte diese Gehälter für "durchaus wirtschaftskonform", heißt es unter Verweis auf 300 Millionen Euro Jahresumsatz, 4500 Mitarbeiter und 25.000 Studierende. Damit rangieren die TU-Wien-Manager hinter den Landtagspräsidenten (171.360 Euro) und den Volksanwälten (182.784).
  • TU Graz 2010 wurden für die Gehälter des Rektors und seiner vier Vizerektoren 522.000 Euro überwiesen. Maximal 30 Prozent können extra aufgrund von Leistungsindikatoren verdient werden.
  • Uni Graz 2010 wurden 456.758 Euro an fünf Mitglieder des Rektorats verteilt. Erinnert wird, dass die Rektorin etwa "für Vorkommnisse bei Arbeitssicherheit haftet".
  • Uni für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz 2011 wurden an die vier Rektoratsmitglieder insgesamt 403.000 Euro (inklusive maximal 15 Prozent Leistungsprämie) ausbezahlt.
  • Uni für Musik und darstellende Kunst Wien Das vierköpfige Rektorat bekam 2010 540.117 Euro. "Bildungspolitisch begründet" verzichte man auf Prämien und Boni.
  • Uni Linz 775.000 Euro flossen 2010 als Gehaltssumme an das fünfköpfige Rektorat. Detaillierte Summen wurden unter Verweis auf eine Verschwiegenheitsklausel in den Verträgen nicht genannt.
  • Veterinärmedizinische Uni Wien Vier Rektoratsmitglieder verdienen aktuell im Schnitt 134.862 Euro, 15-Prozent-Prämie möglich.
  • Montan-Uni Leoben Drei Personen im Rektorat mussten sich 445.316 Euro als Gehaltssumme teilen.

Spezialfälle sind momentan:

  • Uni Innsbruck Seit Karlheinz Töchterles Wechsel ins Wissenschaftsministerium im April 2011 übte Tilmann Märk, mittlerweile gewählter Rektor, den Rektorsjob zum "Preis" eines Vizerektors aus (10. 400 Euro brutto im Monat, es gibt keine Prämien).
  • Kunst-Uni Graz Aufgrund der verzögerten Rektorswahl leiteten zwei Vizerektoren interimistisch die Uni. 2012 fallen für ihr 50-prozentiges Beschäftigungsausmaß als Interimsrektoren 137.000 Euro Bruttogehaltskosten für beide an.

Keine Zahlen wollten nennen:

  • Medizin-Uni Graz Der Uni-Rat verhandle die Arbeitsverträge gerade.
  • Uni Klagenfurt Rektor Heinrich C. Mayr, der wegen Turbulenzen mit dem Uni-Rat ein "Aufsichtsbehördliches Verfahren" bestellt hat, möchte keine Amtsverschwiegenheitsverletzung riskieren.
  • Medizin-Uni Wien Die Arbeitsverträge seien noch nicht fertig.
  • Universität für angewandte Kunst Wien Rektor Gerald Bast sagt "dazu gar nichts". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2012)
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15 Postings

im unterschied zu wirklich horrenden gagen (siehe staatsnahe wirtschafttsbetriebe) seh ich bei diesen gehältern nicht wirklich ein ethisches problem. aber hauptsache, die neidgesellschaft wacht bei wissenschaft und kultur auf, während sie die weit höheren skandalgagen (etwa beim verbund) toleriert.

Interessanter wären ja die Einkünfte aus Nebenjobs...

...weil ich glaube die sind es die das Kraut hier fett machen...

bumm, das ist deutlich mehr, als ich geraten hätt.

so abgerissen, wie die meisten uni-profs daherkommen ... aber offensichtlich ists von profs zu uni-leitung finanziell ein viel grösserer sprung, als ich bisher dachte.

natürlich will der graf ne neiddebatte lostreten; trotzdem bin ich persönlich froh für diese info, danke!

nachgerechnet

also wir sind uns vielleicht einig, dass wir nicht ein leben lang in einem job bleiben, gehälter haben daher konkurrenzfähig zu sein.

aber rechnen wir mal nach, ein rektor, akademiker, der mindestens 60 stunden pro woche arbeitet, für millionenbudgets und mitarbeiter verantwortung hat und 170000 EUR Brutto verdient, bekommt pro stunde 27,25 EUR Netto.
Ein gutes Gehalt, aber Grund genug in Neiddebatten abzugleiten? Wer viel arbeitet soll auch viel verdienen und wer mit viel arbeit viel verdient, zahlt ohnehin überproportional steuer darauf.
unter einbeziehung aller direkten und indirekten steuern und SV-Beiträge sind die arbeitskosten mittel bis besserverdienender Arbeitnehmer ohnehin mit 85 % steuern belastet.

Schnell, wer hat die Mailadresse vom Graf - man sollte ihn unverzüglich davon informieren, dass das Standard-Forum fruchtbaren Boden für Neiddebatten jeglicher Form bietet...

Also wenig ist es nicht,

habe aber auch nichts anderes erwartet und die Summen schrecken mich jetzt gerade nicht. Dennoch fände ich es wirklich anständig, wenn meherer Vize-)Rektorinnen und Rektoren wie an der Boku wenigstens auf Boni verzichteten. Oder vielleicht sogar auf einen Gehaltsteil. Weil mit einem solchen, offenbar recht kleinen Gehatlsteil könnte man schon wieder ein zwei Wissenschafter oder -innen mit Forschungs- und Lehrtätigkeit bezahlen. Und die bestimmt schließlich den Erfolg einer Uni.

Was soll "durchaus wirtschaftskonform" heissen?!
Ein Rektor an einer Uni ist kein CEO!

Die Wissenschaftler und Arbeitsgruppen arbeiten und forschen aufgrund der wissenschaftlichen Freiheit selbstständig und unabhängig!

Wenn ein Wissenschaftler für sein Forschungsprojekt eine EU-Förderung erhält, dann hat das doch mit dem Rektor überhaupt nichts zu tun, kann auch in keiner Weise dem Rektor als "Leistung" zugute gehalten werden!

Was also soll der Unfug?!

Wird hier Steuergeld, das eigentlich für Wissenschaft, Lehre, Forschung da sein sollte, - wird dieses Steuergeld für die Selbstdarstellung von Rektoren, Uniräten und Rektoraten missbraucht?
Was sagt eigentlich der Rechnungshof dazu?

Rektoren an österr. Universitäten haben hauptsächlich Repräsentationspflichten, aber kaum Gestaltungspflichten.
"Hierarchie" und "oben" heisst noch lange nicht "wertvoll" oder "wichtig".
Wissenschaft und Lehre werden von den Professoren und Assistenten betrieben. Der Unirektor ist KEIN ihnen übergeordneter Manager; das würde auch der wissenschaftlichen Freiheit vollkommen widersprechen.
Daher sind Vergleiche mit privatwirtschaftlichen Betrieben, "Bonuszahlungen" etc. völlig absurd!

Stoppt diese wahnsinnigen Entwicklungen irgendjemand? Weshalb gibt es zu diesen Themen - Geldverschleuderung in den Rektoraten, schleichender Abbau der wissenschaftlichen Freiheit, zunehmende Irrsinnshonorare in der Verwaltung -, keine öffentliche Debatte?

bitte lesen Sie erst §§ 22f UG 2002, darin sind die Aufgaben von Rektorat bzw. RektorIn geregelt

Nein.

Universitäten sind keine Betriebe. Fragen Sie doch mal, was DirektorInnen an öffentlischen Schulen verdienen - die sind näher an den Uni-Chefitäten als irgendwelche UnternehmenleiterInnen á la OMV.

und schon gehen die neiddebatten los

... den graf wirds freuen

absurde Prämien

Man erkläre nun genauso volltransparent was wohl die "Option auf maximal drei Monatsgehälter" oder 25-30%ige Prämien" rechtfertigte?
Einspaarungen zu Lasten der Universität und der Studierenden? Die Impaktpointblase?
Und ebenso, warum trotz erheblicher Mehrleistung der im Mangelbudget improvisierenden und Drittmittel herbeikarrenden eigentlichen LeistungsträgerInnen keine derartigen Prämien vorgesehen sind oder eher als besondere Gunst unter Mantel der Verschwiegenheit wohl um den "Neid" nicht aufkommen zu lassen?
Nochmals: Universitäten sind KEINE Wirtschaftsbetriebe, der Vergleich mit Gehältern in "Betreben" ist komplett unangebracht.
Bei Medizinern keine Zahlen - warum überascht das nicht?

Lochs - € 230.000????!!!!!

Kann mir einer sagen, warum unser Rektor so viel verdient. Für die Lateinkurse unserer Erstsemestrigen ist lt. Email kein Budget mehr da, aber dafür kassiert der Rektor einer doch recht kleinen Universität ein Unmenge an Geld!!! Die Erfolgsprämien, die sie sich kürzlich haben auszahlen lassen, sind da wahrscheinlich noch gar nicht inkludiert....

An der Meduni wurden dem Rektor "Erfolgsprämien" ausgezahlt? Wofür bitteschön? Dafür, dass die Stadt Wien wegen massivst roter Zahlen den Betrieb stark kürzen wollte? Soll das ein "Managementerfolg" des Rektors sein?

@ Loxoceles

Dem Rektor der MedUni Innsbruck, nicht dem der Wiener MedUni...
Jedenfalls haben sich der Rektor und seine Vizerektoren hier in Innsbruck im Dezember Erfolgsprämien gegönnt... für welchen Erfolg auch immer...

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