Wer Thomas Jordan mustert, könnte meinen, dass dem Mann das Lachen fast Pein bereitet. Jordan erlaubt sich so gut wie keine Mimik, monoton doziert er über Geld- und Währungsprobleme, hinter einer dunklen Brille bleiben die Augen versteckt. Schon bald könnten sich Jordans Züge aber aufhellen. Denn der 48-Jährige gilt als Topfavorit für den Spitzenjob bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
Die Regierung in Bern, der Bundesrat, wird sich bald entscheiden. Ad interim hat SNB-Vizepräsident Jordan das Amt des Präsidenten bereits übernommen. Der strebsame Jordan hob bereits seinen Finger: "Wenn der Bundesrat mir diese Aufgabe zutraut, dann werde ich diese Aufgabe annehmen." Philipp Hildebrand musste zuvor seinen Posten räumen - eine Devisenaffäre wurde ihm zum Verhängnis.
Bei Experten kommt der mögliche Nachfolger Jordan gut an. Im Hausblatt der Zürcher Banken, der Finanz und Wirtschaft, heißt es: "Jordan ist fähig, das SNB-Präsidium permanent zu übernehmen." Als neuer SNB-Präsident müsste Jordan vor allem den Schweizer Franken durch die Turbulenzen der Euro-Krise führen.
Dafür bringt der 48-Jährige das Rüstzeug mit. Der Ökonom schrieb seine 1994 erschiene Doktorarbeit über das Für und Wider der Europäischen Währungsunion, später legte er an der US-Universität Harvard eine Habilitationsschrift vor.
Nach seinem Einstieg in die Nationalbank 1997 ging es steil nach oben. Vor zwei Jahren rückte der verheiratete Vater zweier Söhne zum Vizepräsidenten auf, er leitet die Bereiche Finanzstabilität, Bargeld, Finanzen und Risiken. Als zweiter Mann der SNB stand Jordan aber im Schatten "seines" Präsidenten Hildebrand. Hier der trockene Jordan, der sich in seinem Büro an der Mechanik der Geldpolitik ergötzt und öffentliche Auftritte nur erduldet. Dort der charismatische Hildebrand, der als Redner glänzt und sich auf dem Parkett der Finanzdiplomatie gefällt. Oft verkaufte Hildebrand lediglich jene Politik, die Jordan zuvor ausgetüftelt hatte.
Verschiedene Experten weisen zudem auf einen anderen Unterschied zwischen den beiden hin: Der als grundsolid geltende Jordan würde sich nie mit privaten Währungsspekulationen in Gefahr bringen - anders als der leichtfüßige Hildebrand. So bestätigte Jordan, dass er in den vergangenen Jahren privat nichts mit Devisengeschäften zu schaffen hatte - das war nur Stunden nach Hildebrands Rücktritt. (Jan Dirk Herbermann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2012)