Oberösterreich

Zahl der misshandelten Heimkinder steigt weiter

11. Jänner 2012, 17:59

Das Land Oberösterreich zahlt vorerst eine Million Euro Entschädigung

Linz - Mit einer derart großen zweiten Welle hatte Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) nicht gerechnet. 66 ehemalige Heimkinder meldeten sich von Mai bis Dezember 2011 bei der Opferschutzstelle des Landes und berichteten von Übergriffen ihrer damaligen Erzieher. Im Jahr zuvor, als nach Bekanntwerden der brutalen Erziehungsmethoden in oberösterreichischen Heimen die Opferschutzkommission eingerichtet wurde, hatten sich 88 frühere Zöglinge gemeldet. Die Fälle liegen meist Jahrzehnte zurück, weshalb Pühringer glaubt, dass es bei den Betroffenen einer gewissen Reaktionszeit bedurfte, bis sie sich an die Opferschutzstelle wandten.

13.300 Kinder waren zwischen 1945 und 1995 in den drei oberösterreichischen Heimen untergebracht. 154 von ihnen haben in den vergangenen zwei Jahren bei der Opferschutzstelle Hilfe gesucht. Sie berichteten von sexueller, psychischer und physischer Gewalt in ihrem Heimalltag. 89 Betroffenen hat das Land inzwischen eine Entschädigung zuerkannt. Am Montag dieser Woche beschloss die Regierung die Ausbezahlung von etwas mehr als einer Millionen Euro, teilten Pühringer und Landesrat Hermann Kepplinger (SPÖ) in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.

Finanzielle Geste

Mehr als 25.000 Euro Entschädigung erhält jedoch keines der Opfer. Eine "finanzielle Geste", für die die früheren Heimkinder jedoch dankbar seien, versicherte der Landeshauptmann. Warum nicht alle bei der Opferschutzstelle angezeigten Fälle eine Entschädigung erhalten? Einige Opfer hätten dies nicht gewollt, andere wiederum seien in ihrer Kindheit und Jugend in einer kirchlichen Einrichtung gepeinigt worden, führte er weiter aus. Diese Fälle habe das Land an die Klasnic-Kommission, die von der katholischen Kirche zur Aufarbeitung der Misshandlungsfälle eingesetzt wurde, weitergeleitet.

Die Arbeit der oberösterreichischen Opferschutzkommission sei aber damit laut Pühringer noch nicht beendet. Solange sich noch Betroffene melden, werde sie nicht aufgelöst. Zudem wird die Geschichte des oberösterreichischen Jugendfürsorgewesens seit dem Zweiten Weltkrieg wissenschaftlich aufbereitet. Das Oberösterreichische Landesarchiv arbeitet mit Historikern der Uni Linz und Graz zusammen. Geplant sind auch Interviews mit Heimkindern. (ker, DER STANDARD Printausgabe, 12.1.2012)

Quasis Herr Karl
03
13.1.2012, 10:02
Jaa eh.Lustig der Herr LH.

Ich wurde, wie Pühriger es ausführt in der Erziehungsanstalt Gleink in den Jahren 1963-1967 gepeinigt. Schön, dass sich das Land nicht verpflichtet fühlt den Missbrauchopfern der Erziehungsanstalt Gleink zu helfen-wie praktisch ist da die Klasnic-Kommission. Von Pfaffen gepeinigt... zur katholischen Kommission delegiert. In keinem Bundesland wird mit Opfern so frech umgegangen wie im Lande Oberösterreich.

Peter Hammer 06
00
20.1.2012, 21:44
Eben Hupf-Pepi- was hast' Du erwartet?

Rosa Stahl
01
13.1.2012, 17:04

dsa wundert mich aber gar nicht, dieses "Delegieren".
Was mich viel mehr wundert ist, dass sich noch immer so wenige gemeldet haben.

ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dasss von mehr als 13.000 Kinder nur rund 150 drangsaliert wurden. Die Methoden hatten ja System.

Quasis Herr Karl
01
16.1.2012, 16:41
Wenn ich an meine Zeit in Gleink denke,

1963 bis 1967....dann erscheint mir *die Gesamtzahl" auch wenig.
Aber s o soll es wohl so sein. Einmal missbraucht, immer missbraucht. Und sei es eben "nur" durch windige Recherchen und dem Desinteresse der Politik.

Die liebe Aiugustine
02
12.1.2012, 12:10

Das Ärgste: Die, diesen Verbrecher unterstützenden Vorgesetzten!
Wer schützt endlich die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft vor solchen Verbrechern?

Die liebe Aiugustine
01
12.1.2012, 12:07
Unvorstellbar

das Verhalten der Vorgesetzten: Keine Anzeige, dafür Trennung im Einverständnis, Versetzung an eine Stelle, wo er munter weitermachen konnte.
Die Unterstützer gehören ebenfalls angezeigt, wegen Beihilfe!
Wer schützt endlich unsere schwächsten Mitglieder der Gesellschaft!

Die Gezeichneten
00
11.1.2012, 19:55

Oberösterreich mal wieder ein Vorbild!

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