Ungarn

Österreichs Banken sitzen auch auf CDS-Risiko

11. Jänner 2012, 17:48
  • Artikelbild
    grafik: standard

Neben 40 Milliarden an Krediten auch Ausfallversicherungen auf Ungarn angehäuft

Wien - Auch wenn Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny keine Gefahr für die österreichischen Banken wegen ihres Ungarn-Engagements sieht, wie er im ORF-Morgenjournal erklärte: Mit rund 40 Milliarden ist das Kreditvolumen im Nachbarland beachtlich. Wenngleich der überwiegende Teil der Ausleihungen selbst im Fall einer Staatspleite nicht unmittelbar betroffen wäre, weil es sich um Darlehen an Unternehmen und Private handelt, verbleibt doch ein gehörige Position an Obligo gegenüber dem Staat.

Die Erste hat der Republik 1,83 Milliarden geliehen, die RZB 1,26 Milliarden und die ÖVAG 203 Millionen Euro, hat die Europäische Bankenaufsicht EBA ermittelt. Die Angaben beziehen sich auf den Stand 30. September 2011. Die UniCredit-Gruppe ist mit 446 Millionen Euro engagiert, wobei das Gros auf die Bank Austria entfallen dürfte.

Dazu kommen noch die Kreditausfallsversicherungen (Credit Default Swaps; CDS), die im Falle eines Bankrotts schlagend würden und ebenfalls von der EBA ausgewiesen werden. Die Erste hat derartige Polizzen im Volumen von 353 Mio. Euro verkauft, gibt aber an, dieses Risiko in der Zwischenzeit abgebaut zu haben.

Versicherungen gekauft hat die Bank um 46 Mio. Euro. Gefährlich sind vor allem vergebene Garantien, weil diese bei einem Ausfall Ungarns schlagend werden würden. Die RZB hat lediglich vier Mio. Euro an CDS begeben, um 352 Millionen gekauft. Die Volksbank AG hat Polizzen im Wert von 106 Millionen gekauft, um 90 verkauft. Am stärksten zugelangt hat UniCredit / Bank Austria mit 783 Millionen auf der Sell- und 760 Millionen auf der Buy-Seite.

Wichtiger als China

"Wenn Ungarn pleitegehen sollte, wäre in Europa sicherlich kein Land so stark betroffen wie Österreich", meint Paul Rawkins, Chefanalyst bei der Ratingagentur Fitch für aufstrebende Märkte.

Ein großes Risiko für den Bankensektor stellen aber auch die Schwankungen des Forint da. Die österreichischen Kreditinstitute haben laut Notenbank in Ungarn Fremdwährungskredite im Wert von 13 Milliarden Euro vergeben - in Osteuropa sind es nur in Kroatien noch mehr. Sollte der Forint, der am Mittwoch nach der Drohung der EU-Kommission wieder an Wert verlor, nicht zu sich kommen, droht die Zahl der ohnehin schon hohen faulen Kredite weiter zu steigen.

Darüber hinaus würden Erschütterungen in Ungarn auch die österreichische Wirtschaft abseits der Banken hart treffen. Österreich ist der drittgrößte Investor in Ungarn mit einem Gesamtbestand von Investitionen in Höhe von acht Milliarden Euro. Zudem ist Ungarn, noch vor Großbritannien, China und Polen, der siebentwichtigste Ausfuhrmarkt für Österreich. (as, szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2012)

Robert Alexander
00
17.1.2012, 19:10
Als ich noch COO einer Bausparkasse war....

....habe ich all den ach so obergescheiten "yes, we can" - Typen gesagt, sie sollen die Finger davon lassen.

Aber wer hört schon auf einen Verwaltungschef....

Der Schnitter
00
13.1.2012, 11:35
Voll clever, unsere Banken!

Kredite und CDS auf's gleiche Land verscheppert!

Das ist, als würde ich einem Todkranken ohne Sicherheiten ein paar Mille borgen und dann noch mit viel Kohle darauf wetten, dass der gute Mann 150 wird.

Im Pleitefall verlieren die Banken alles: Die Kredite dürfen sie abschreiben und die CDS auszahlen!

Seeeeehr clever!

Sukram2
00
13.1.2012, 16:37
Nowotny: Österreich Banken sind sicher

Welches Sparpaket will die Regierung nach einer neuerlichen Milliardenhilfe, für die in Ungarn involvierten Banken, den Österreichern auf's Aug drücken ?

Der Schnitter
01
13.1.2012, 17:24
Das nennt man Audioschnitt!

In wirklichkeit hat der Novotny gesagt: "Österreichs Banken sind sicher nicht kompetent genug, um mit Derivaten herumzuspielen!"

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.