Empörung über Video

"Menschenzoo" auf den Andamanen-Inseln

11. Jänner 2012, 17:13

Video über Frauen des Jarawa-Volks in Indien löst Empörung aus - Organisation: Ureinwohner sind "keine Zirkuspferde"

Neu-Delhi - Ein Video mit Frauen vom Volk der Jarawa auf den abgelegenen indischen Andamanen-Inseln, die für Touristen tanzen und dafür Lebensmittel erhalten, hat am Mittwoch helle Empörung ausgelöst. Das von einem Touristen aufgenommene Video wurde auf der Internetseite der britischen Zeitung "The Observer" veröffentlicht. Die Tanzdarbietung der zum Teil nackten Frauen soll durch Schmiergeld an einen Polizisten ermöglicht worden sein.

Die Organisation Survival International, die sich für den Schutz indigener Völker einsetzt, sprach von einem "Menschen-Zoo", der den Touristen offenbar gefalle. Die Jarawa seien "keine Zirkuspferde, die auf Befehl Kunststücke aufführen". Die Organisation hatte vor einigen Monaten mehreren indischen Reiseveranstaltern vorgeworfen, "Menschen-Safaris" zu organisieren.

Gemäß der indischen Gesetzgebung zum Schutz von Ureinwohnern ist es verboten, die Jarawa zu fotografieren oder Kontakt zu ihnen herzustellen. Der Minister für indigene Völker, Kishore Chandra Deo, bezeichnete den Vorfall als "widerlich" und kündigte Maßnahmen an. Das indische Innenministerium forderte einen Bericht an.

Die Polizei der Andamanen leitete Ermittlungen ein, erklärte aber, es handele sich um ein "wahrscheinlich sechs oder sieben Jahre altes Video". Damals hätten sich die Jarawas noch unbekleidet gezeigt, heute würden sie in der Öffentlichkeit dagegen bekleidet auftreten.

Auch der auf den Inseln tätige indische Anthropologe A. Justin äußerte die Vermutung, dass die Bilder veraltet sein könnten. Vor dem Tsunami von 2004 hätte man die Jarawa noch zum Tanzen zwingen können. Danach habe es eine Politik weitreichender Autonomie mit einem Minimum an Einflussnahme gegeben. Seitdem habe sich einiges verbessert.

Im Bericht des "Observer" hieß es, ein Reporter der Zeitung habe vor einiger Zeit gesehen, wie Touristen Ureinwohnern am Straßenrand Bananen und Kekse zugeworfen hätten. Örtliche Händler hätten den Touristen gesagt, wie viel Bestechungsgeld sie der Polizei für einen Tagesausflug zu den Jarawa zahlen müssten. (APA)

Kommentar posten
13 Postings
accuser
00
12.1.2012, 12:32
Es ist verboten, Kontakt herzustellen?

Das halte ich für bedenklich und ethisch nicht vertretbar. Wieso sollten Menschen nicht mit anderen Menschen in Kontakt treten dürfen? Das klingt nach Isolationshaft für eine ganze Bevölkerungsgruppe. Wieso sollten Sie nicht Zugang zum allgemeinen Wissen und zu neuen, spannenden Weltsichten bekommen? Ich hoffe, das ist ein Recherche- oder Übersetzungsfehler.

Habe derartiges übrigens in Namibia gesehen, dort "hielt" ein deutschstämmiges Ehepaar einen Stamm von Himbas, quasi im (riesigen) Garten. Die mussten neben der Ranch in traditionellen Lehmhütten wohnen und für Touristen zum Photographieren bereitstehen, bekamen aber kein Gehalt oder Zugang zu Krankenversorgung, Bildung, etc.

http://de.wikipedia.org/wiki/Himba

pardon!
00
12.1.2012, 16:58

das hat u.a. auch damit zu tun, dass man diese vom aussterben bedrohten völker vor krankheitserregern schützen möchte, die aus der "zivilisation" eingeschleppt werden könnten.

sfoglio
00
12.1.2012, 12:47
das betrifft v.a. die sentinelesen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Sent... _situation

wie würden sie in so einem fall vorgehne? die leute die sich wehren niederschießen und die anderen zu einem kontakt der sie zu "allgemeinem wissen und zu neuen, spannenden weltsichten" führt zwingen?

sfoglio
03
12.1.2012, 12:42
sie missverstehen das

es ist verboten von außen kontakt aufzubauen.

wenn die jarawa von sich aus kontakt aufnehmen wollen ist es ihnen natürlich nicht verboten. dies ist in den letzten jahren auch geschehen.

abe rist es so schwer zu verstehen, dass man diese erstkontakte nicht irgendwelchen geschäftemachern und touristen überlässt?

jodaflo
 
00
12.1.2012, 11:48
menschenzoo. erinnert mich an die TV landschaft

Dramaqueen
113
11.1.2012, 18:33
Auf jeden Fall ertrank keiner der Ureinwohner beim großen Tsunami

Die haben noch Instinkte und Gespür wie Wildtiere!

Schade, dass Touristen das zerstören.

jodaflo
 
01
12.1.2012, 11:46
http://de.wikipedia.org/wiki/Niko... ine_Folgen

"Dem verheerenden Tsunami vom 26. Dezember 2004 sind nach offiziellen Angaben 4.405 Nikobaresen zum Opfer gefallen, nach inoffiziellen Angaben hat ein Drittel der einheimischen Bevölkerung (mehr als 6.000) die Katastrophe nicht überlebt."

pardon!
00
12.1.2012, 16:57

die rede war aber von den andamanen und nicht den nikobaren. ein nicht unwesentliches detail. angeblich hatten die auf den andamanen lebenden indogenen völker weniger verluste zu beklagen, weil sie sich, als sich das meer zurückzog, auf die berge retteten.

abner hale
00
12.1.2012, 10:50
weil ich an das gute im menschen glaube...

... gehe ich jetzt mal davon aus, dass sie nicht begreifen/wissen wie rassistisch ihr posting ist.

deshalb empfehle ich, mal als anfang: http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

wasmasagtismaselba
02
12.1.2012, 09:44
Ich hoffe Sie scherzen!

Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass der Instinkt die Menschen gerettet hat? Eine grundlegenede Fähigkeit des Menschen ist die Beobachtungsgabe. Und mit Erfahrung und einem Leben mit und im natürlichen Umfeld, (das bei weitem nicht so abgegrenzt gesehen wird, wie bei uns), war es den MENSCHEN dort möglich, die Reaktionen der Tiere richtig zu deuten und Zuflucht im Landesinneren zu suchen. Bitte sparen sie sich Ihre evoulutionistischen Ansichten. Die sind wissenschaftlich längst überholt.

LinuxFanatic
02
12.1.2012, 01:43
Ja, sehr schade! Wir könnten doch von diesen Neandertalern viel lernen ...

Tiere mit Instinkte und wir haben Verstand - oder so was ähnliches wie Verstand ... LOL :D

pardon!
00
11.1.2012, 23:37

aus solidarität und weil sie recht haben ein grünes stricherl - die "roten" wissen leider nicht, haben kein google daheim und sind halt schnell beim bewerten.

LinuxFanatic
00
12.1.2012, 01:51

Nun allgemein können wir menschliches Verhaltensweisen in folgende zwei Klischees unterteilen:

1. Nichts tun und den Himmel anstarren

2. Oder doch was tun

Bei der zweiten Variante unterscheidet man wiederum zwischen zwei Gruppen:
Denken und dann was tun, oder nicht denken und einfach nur reagieren ...

Ich bin für die Erste vom Zweiten ^^^ ... ;)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.