Organisation: Ureinwohner der Andamanen sind "keine Zirkuspferde"
Neu-Delhi - Ein Video mit Frauen vom Volk der Jarawa auf
den abgelegenen indischen Andamanen-Inseln, die für Touristen tanzen
und dafür Lebensmittel erhalten, hat am Mittwoch helle Empörung
ausgelöst. Das von einem Touristen aufgenommene Video wurde auf der
Internetseite der britischen Zeitung "The Observer" veröffentlicht.
Die Tanzdarbietung der zum Teil nackten Frauen soll durch Schmiergeld
an einen Polizisten ermöglicht worden sein.
Die Organisation Survival International, die sich für den Schutz
indigener Völker einsetzt, sprach von einem "Menschen-Zoo", der den
Touristen offenbar gefalle. Die Jarawa seien "keine Zirkuspferde, die
auf Befehl Kunststücke aufführen". Die Organisation hatte vor einigen
Monaten mehreren indischen Reiseveranstaltern vorgeworfen,
"Menschen-Safaris" zu organisieren.
Gemäß der indischen Gesetzgebung zum Schutz von Ureinwohnern ist
es verboten, die Jarawa zu fotografieren oder Kontakt zu ihnen
herzustellen. Der Minister für indigene Völker, Kishore Chandra Deo,
bezeichnete den Vorfall als "widerlich" und kündigte Maßnahmen an.
Das indische Innenministerium forderte einen Bericht an.
Die Polizei der Andamanen leitete Ermittlungen ein, erklärte aber,
es handele sich um ein "wahrscheinlich sechs oder sieben Jahre altes
Video". Damals hätten sich die Jarawas noch unbekleidet gezeigt,
heute würden sie in der Öffentlichkeit dagegen bekleidet auftreten.
Auch der auf den Inseln tätige indische Anthropologe A. Justin
äußerte die Vermutung, dass die Bilder veraltet sein könnten. Vor dem
Tsunami von 2004 hätte man die Jarawa noch zum Tanzen zwingen können.
Danach habe es eine Politik weitreichender Autonomie mit einem
Minimum an Einflussnahme gegeben. Seitdem habe sich einiges
verbessert.
Im Bericht des "Observer" hieß es, ein Reporter der Zeitung habe
vor einiger Zeit gesehen, wie Touristen Ureinwohnern am Straßenrand
Bananen und Kekse zugeworfen hätten. Örtliche Händler hätten den
Touristen gesagt, wie viel Bestechungsgeld sie der Polizei für einen
Tagesausflug zu den Jarawa zahlen müssten. (APA)