Parteiinterne Wahlen noch nicht ausgeschrieben - Parteichefin Kosor hat drei Gegenkandidaten
Zagreb - Nach der größten Wahlniederlage seit Gründung der
Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) bei den
Parlamentswahlen am 4. Dezember 2011, ist es um die ehemalige
kroatische Regierungspartei still geworden. Die Partei fiel weder
durch den Rücktritt ihrer Vorsitzenden und Ex-Ministerpräsidentin
Jadranka Kosor, noch durch lautes Oppositions-Getöse auf. Die Partei
hat zur Verwunderung der Öffentlichkeit auch noch keine internen
Wahlen ausgeschrieben, auch nicht in der Vorstandssitzung am
Mittwoch.
Die internen Machtkämpfe sind aber schon längst ausgebrochen. Als
einzige Kandidatin für die Parteiführung galt Jadranka Kosor - der
ehemalige Vize-Parlamentspräsident Vladimir Seks suggerierte das kurz
nach der Wahl in Zeitungsinterviews. Das empörte aber einige
hochrangige Parteimitglieder. Seit gestern, Dienstag, sind auch
weitere Kandidaten für den Parteivorsitz offiziell bekannt:
Ex-Gesundheitsminister Darko Milinovic kündigte an, sich zur Wahl
stellen zu wollen. Ex-Innenminister Tomislav Kramarko will ebenfalls
kandidieren, genauso Domagoj Milosevic, der von Kosor als
Vize-Premier für Investitionen in die Regierung geholt worden war.
Sowohl Karamarko als auch Milosevic wurden unter Kosor Mitglieder der
HDZ, nun sind sie ihre größten Rivalen. Kosor nahm es locker: "Ich
begrüße es, wenn jemand Mut hat, seine Ambitionen kundzutun. Ich bin
gegen Kriege im Untergrund", so Kosor. Medienberichten zufolge sollen
die HDZ-internen Wahlen im Mai stattfinden. Kosor will das genaue
Datum nach der nächsten Vorstandssitzung am 23. Jänner nennen, sagte
sie am Mittwoch.
Die Politikerin hatte die Parteiführung im Juli 2009 von
Ex-Premier Ivo Sanader übernommen, der überraschend zurückgetreten
war. Die Niederlage der HDZ bei der Wahl ist schon die zweite, die
Kosor zu verantworten hat: 2005 scheiterte sie bei den
Präsidentschaftswahlen, Sieger war der damals amtierende Präsident
Stjepan Mesic. (APA)