Neutronenstern in der Kleinen Magellanschen Wolke braucht 18 Minuten für eine Umdrehung - zu erwarten wären Bruchteile von Sekunden
Potsdam - Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne, also die Endstadien von Sternen, die ihre Materie im Äquivalent von mehreren Sonnenmassen auf einen Durchmesser von wenigen Dutzend Kilometern komprimiert haben. Wobei "schnelle Rotation" offenbar relativ ist - in der Kleinen Magellanschen Wolke wurde nämlich nun mit dem amerikanischen Röntgenteleskop "Chandra" und dessen ESA-Pendant "XMM-Newton" ein Pulsar entdeckt, bei dem die Parameter irgendwie nicht so ganz zusammenzupassen scheinen.
Normalerweise liegt die Rotationsdauer bei Pulsaren zwischen Millisekunden und Sekunden - das jetzt entdeckte Objekt SXP 1062 hingegen leuchtet nur alle 18 Minuten einmal auf, wie die Universität Potsdam berichtet - in Pulsar-Maßstäben eine halbe Ewigkeit. Man geht zwar davon aus, dass sich die Rotation im Laufe von Jahrmilliarden
verlangsamt. Dazu passt jedoch nicht, dass SXP 1062 von
einer zarten, ringförmigen Wolke umgeben ist. Hierbei handelt es sich nach Meinung der Astronomen um die Reste der Supernovaexplosion, die zur Entstehung des
Neutronensterns führte, als ein Riesenstern plötzlich kollabierte. Und diese
Explosionswolke ist ausgesprochen jung, etwa 10.000 bis 40.000 Jahre - sonst hätte
sie sich schon verflüchtigt.
Die Forscher rätseln nun, wie sich der
Widerspruch zwischen dem jungen Alter der Explosionswolke und der
langsamen Rotation des Pulsars erklären lässt. (red)