Von einem Leader wurde Nokia zu einem Follower

Interview | 11. Jänner 2012, 23:56

Nokias CEO Stephen Elop weist Übernahmegerüchte im Gespräch mit DER STANDARD zurück

STANDARD: Nokia hat in der Vergangenheit in den USA wenig Glück gehabt. Jetzt erklären Sie, dass Sie in diesen Markt zurückkehren wollen. Warum rechnen Sie sich diesmal mehr Chancen aus als früher?

Stephen Elop: Das Wichtigste ist, dass wir spezielle Angebote für den US-Markt haben und nicht einfach unser allgemeines Portfolio hier anbieten. Das hat mehrere Bestandteile: ein speziell für die USA entwickeltes Gerät, das Lumia 900, in exklusiver Partnerschaft mit AT&T. Ein wesentlicher Konkurrenzfaktor heute ist das Netztempo, darum ist das auch Nokias erstes LTE-Gerät. T-Mobile USA verkauft das Lumia 710 um 49 Dollar, das ist ein sehr attraktives Angebot. Microsoft verkauft unser Lumia 800, und beide Geräte wird es auch in Kanada geben. Dazu haben wir teilweise exklusive Partnerschaften abgeschlossen wie mit ESPN, CNN, Univision, dem Spielehersteller EA und Sesame Street. Man ist immer versucht, nur auf die Geräte zu schauen, aber wir verfolgen eine umfassende Strategie, um in den USA einen Brückenkopf zu etablieren.

Die Marke Nokia hat in den USA und in Kanada noch immer einen guten Ruf für verlässliche, langlebige und gut gestaltete Produkte. Trotzdem gibt es viele Menschen, die noch keine Erfahrung mit Nokia gemacht haben. 150 Millionen Menschen in den USA haben noch kein Smartphone - das ist für uns eine große Chance.

STANDARD: Welchen Marktanteil wollen Sie in den USA erreichen, damit Sie als drittes System neben Apple und Android bestehen können?

Stephen Elop: Es ist bekannt, dass wir hier fast von null starten. Wir setzen uns keine konkreten Vorgaben, wichtiger ist uns die Wachstumsdynamik. Die ersten Anzeichen sind gut, was uns besonders freut, ist das zunehmende Interesse von App-Entwicklern. Es gibt inzwischen über 50.000 Apps.

STANDARD: Nokia brachte früher jährlich eine Unzahl an Handys heraus. Wie wird das künftig aussehen?

Stephen Elop: Es gibt viele Faktoren wie Größe und Form von Geräten oder die Preisklasse. Diese Bandbreite müssen wir abdecken, mit Handys für das obere Segment ebenso wie für preisbewusste Käufer. Aber wir werden das sehr bewusst machen, mit weniger Geräten als früher.

STANDARD: Das Lumia 710 zeigt, dass Sie mit Windows-Handys nicht nur gehobene, sondern auch preiswerte Segmente bedienen wollen. Wie lange wollen Sie noch sogenannte Feature-Phones mit Symbian verkaufen, ehe Sie dies durch Windows ersetzen?

Stephen Elop: Ein Smartphone lässt sich inzwischen nur noch schwer definieren, ob es jetzt eine Preisklasse oder bestimmte Chips sind. Aber allgemein gesprochen wollen wir das Spektrum an verschiedenen Smartphones mit der Zeit vollständig mit Windows-Handys abdecken. Es wird weitere Geräte geben, die beim Preis sowohl nach oben als auch nach unten gehen, daran arbeiten wir bereits.

Aber es gibt Menschen, die für ein Handy weniger Geld ausgeben wollen oder können, und diesen Markt müssen wir gleichfalls bedienen. Und unter einer bestimmten Preisschwelle lassen sich keine Smartphones mit entsprechenden Funktionen produzieren, dafür brauchen wir etwas anderes (als Windows, Anm.). Dafür verwenden wir unsere Symbian-Serie-40-Software, und wir werden hier sogar mehr Geld für die weitere Entwicklung ausgeben.

STANDARD: Von einem Leader wurde Nokia zu einem Follower, der seine wesentliche Technologie von Microsoft bezieht, statt sie selbst zu entwickeln. Können Sie sich überhaupt noch durch Innovation von anderen Windows-Phone-Herstellern unterscheiden?

Stephen Elop: Die Auswahl von Windows Phone erlegt uns keine Begrenzungen bei Innovationen und Differenzierungen zur Konkurrenz auf. Wir haben Leute, die Software und Services entwickeln, und natürlich Differenzierungen bei Hardware und im industriellen Design. Darum wird es sowohl bei Apps als auch bei der Erweiterung der Windows-Phone-Plattform und bei Funktionen, die auf unseren Handys anders sein werden, Unterschiede geben.

Das Wichtigste dafür ist das Geld, das wir für Forschung und Entwicklung ausgeben. Und das ist mit Windows Phone effizienter geworden, denn wir konzentrieren uns jetzt auf Dinge, bei denen wir uns sinnvoll unterscheiden können. Dafür geben wir weniger Geld für die darunter liegenden Fundamente aus, bei denen es keine Unterschiede gibt. Das sparen wir uns durch unsere Partnerschaft mit Microsoft. Einige unserer Innovationen sieht man bereits bei Location Services, wo wir unsere Navteq-Technologie verwenden, bei Augmented Reality, bei Fotografie. Nokia wird weiter Innovationen bringen, und mein Maßstab dafür ist die Zahl der Patentanträge, die wir stellen werden.

STANDARD: Wird Nokia künftig auch Tablets herstellen?

Stephen Elop: Wir haben zu Tablets noch kein Announcement gemacht. Aber die Metro-Oberfläche von Windows ist für eine große Bandbreite von Geräten verwendbar. Das sehen wir als eine sehr positive Entwicklung, wir sehen uns die Chancen an, die uns das bei Konsumenten bringt. Wichtig ist für mich, dass wir uns in jedem Bereich, in den wir einsteigen könnten, bei Windows Tablets oder PCs, klar differenzieren können.

STANDARD: Erst vor kurzem gab es neuerlich Gerüchte, dass Microsoft Nokia als Ganzes oder seine Smartphone-Sparte kaufen will. Ihr Kommentar?

Stephen Elop: Wir haben es schon früher gesagt und wiederholen es: Diesen Gerüchten fehlt jede Grundlage. Offenbar fehlt den Urhebern frisches Material. Man muss verstehen, dass Microsoft und Nokia in dieser Partnerschaft bereits bekommen haben, was sie brauchen: Wir brauchten eine zeitgemäße Software-Plattform und Microsoft ein Unternehmen, das sein Bestes für Windows Phone gibt. Dieser Teil des Vertrags ist bereits erfüllt.

STANDARD: Nokias Abstieg spiegelt Europas Schwäche im digitalen Bereich, etwa den Rückzug von Siemens aus der IT oder dass Europa bei der nächsten Mobilfunkgeneration LTE nicht mehr wie einst bei GSM und UMTS führend ist. Bleib Europa zurück?

Stephen Elop: Darüber bin ich tatsächlich besorgt, und Nokia will dabei einen Unterschied machen. Wir sind stolz darauf, eine europäische Firma zu sein, und unser Hauptquartier ist in Finnland. Viele der Innovationen, die wir entwickeln, kommen aus Europa, zum Beispiel arbeiten wir in Berlin an Location-based Services sowie in Ulm und Finnland an Billighandys. Europäische Unternehmen müssen hier Beispiele setzen, und wir sind dazu entschlossen, dass sich Nokia daran beteiligt. Gleichzeitig sind wir ein starkes globales Unternehmen mit starker Forschung und Entwicklung in den USA und einer starken Präsenz in China, wo viele unserer Kunden sind. Aber Europa ist unser Zentrum, und wir wollen auch Europas politische Führung dabei unterstützen, dieser Schwäche zu begegnen. (Das Interview führte Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
1 2 3 4
werwolfi
01
19.1.2012, 16:22

"Die Auswahl von Windows Phone erlegt uns keine Begrenzungen bei Innovationen und Differenzierungen zur Konkurrenz auf."

Neeeein, natüüüüürlich nicht - nur das Abwürgen des vielversprechendsten Neuzuganges am Mobile-OS-Sektor, MeeGo, bei dem alles seitens der Geschäftsleitung getan wurde, damit es nur *ja* kein Erfolg wird... Das dürfte auch ziemlich einmalig sein, dass eine Geschäftsleitung ein eigenes gutes Produkt mit voller Absicht torpediert.

"Nokia will dabei einen Unterschied machen. Wir sind stolz darauf, eine europäische Firma zu sein, und unser Hauptquartier ist in Finnland..."

Wenn ihnen das je ernst gewesen wäre, hätten sie nie so einen Knebelvertrag unterschrieben.

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
19.1.2012, 11:53
Daran sieht man welche Meisterstücke ...

WP und Nokia nicht im Ärmel haben:
http://www.youtube.com/watch?v=I... embedded#!

im Gegensatz zu Android Spielchen wie:
http://www.youtube.com/watch?v=rErz-wyBJxw

was da wohl mehr Fun beim Zocken macht und was wohl mehr junge Konsumenten dieser Technologie anspricht???

Na ich wette das super spannende WP Game!!

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
19.1.2012, 09:44
ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern ...

als es bei österreichischen Netzanbietern ca. 10 Telefone zur Auswahl gab und 7 davon waren Nokias ... davon habens dir 3 nachgeschmissen bzw. noch Geld geschenkt wenn du sie genommen hast, 2 waren gratis und 2 haben abissi was gekostet ...
Da warens Marktführer ... mit 3 Modellen, welche noch dazu speziell auf den US Markt ausgerichtet sind, dank MS, wird das nix mehr ...

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
19.1.2012, 09:36
Europäisches Unternehmen ...

das seinen Kernmarkt in der USA sieht??
...

Ich hab mir bein 8210 geschworen nie wieder Nokia!
Soviel Dreck unterm Gehäuse hatte ich sonst noch bei keinem Hersteller! Geknarzt hats sonst auch nirgends auf gleichem Nivau ... schlechte Tonqualität, ect.
Der Akku allerdings war ein Traum!

iPost
23
13.1.2012, 00:59
Der Ballmer...

...eine Witzfigur durch und durch. Einer der peinlichsten CEOs der Weltgeschichte

gerhard maierhofer
00
12.1.2012, 16:23
ach ja was man von wp erwartet:

http://mynokiablog.com/2012/01/1... -64m-2013/

interessant ist dass angeblich symbian von q2 zu q3 zugelegt hat. absolute zahlen!

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
19.1.2012, 11:48
die wollen diese Jahr noch 37Mio.

WP7 Phones absetzen ...
das heisst 37Mio. Lumina´s???
Glaub ich NIEMALS!!! NIIEEMALS!!!
Wenns 15-20 schaffen können´s froh sein ^^

edurkheim
11
12.1.2012, 15:56
Two turkeys don't make an eagle

Trifft es wohl immer noch am besten.

Sägnüt
 
02
12.1.2012, 15:35
Wirr

STANDARD: "(...) sogenannte Feature-Phones mit Symbian (...)"

Stephen Elop: "Dafür verwenden wir unsere Symbian-Serie-40-Software (...)"

Symbian sehe ich immer noch als Smartphone-Plattform, und Serie 40 ist kein Symbian.

panda rage
00
12.1.2012, 15:05

das untere bild sieht ein bisschen aus wie aus einem george romero film :)

Nadine Mayer
23
12.1.2012, 13:37

Der Ballmer wird Uncle Fester auch immer ähnlicher.

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
19.1.2012, 09:37
fehlt nur noch die leuchtende Glühbirne im Mund!

Roter Baron
11
12.1.2012, 14:43

allerdings hat vester was liebenswertes an sich
was man von baldy ballmer nicht behaupten kann.

2112Galore
11
12.1.2012, 13:27
Zwei details

Verstehe ich nicht recht:

1. Wieso bitte lässt man geschätzte 25% des ohnehin kleinen LCDs mit dem Metro UI ungenutzt?

2. Exklusivitaet macht wohl nur sinn, wenn man was ganz besonderes hat/ist. Sind die verklärt zu glauben, man ist sooo viel besser als Android und iOS, dass es von Vorteil ist, wenn man das Produkt nur von einem Betreiber kaufen kann???

Wenn man schon ~0% Marktanteil hat, sollte man besser schauen, dass man sein Produkt überall kaufen kann. Nicht nur bei AT&T.

her wig
13
12.1.2012, 13:11
Von einem Leader wurde Nokia zu einem Follower

Microsoft auch. Die verstehen sich.

Polnische Pinguine
02
12.1.2012, 12:47

Best of Steve Ballmer Fotos - 2011 wäre auch mal nicht schlecht.

undalleswirdgut
10
12.1.2012, 10:28
... von den zwei versicherungsvertretern will ich nix wirklich kaufen,

bzw. glaube ich nicht, dass sie mir was cooles anbieten können ... steve konnte mir wenigstens, auch wenn ich es nicht wirklich wollte/brauchte, was cooles andrehen ...

xray -
01
12.1.2012, 12:32

interessant: es besteht also kein bedarf nach einem taschencomputer oder mobiltelefon, sondern nach "was coolem".

asterio
00
12.1.2012, 10:41

ist bei mir nicht so, auch wenn ich eher wenige microsoft produkt benutze.
und wenn man auf amazon schaut, sieht man immer noch bei jedem einfacheren gerät, dass die menueführung anders ist als bei nokia.
aber auch die nostalgiker bzgl symbian erfahren im interview, wie die weitere strategie aussieht.
ziemlich unaufgeregt und durchaus logisch...

Mister Magister
 
44
12.1.2012, 07:40

Fehler von Nokia:

Die Leute wollen erstens kein möglichst grosses Portfolio, sondern wenige, dafür ordentlich versorgte (Service, Updates, Apps) Geräte. Wenn ihr jetzt euer Lumia-3.9ArFadenF und seine 80 Schwestern auf den Markt schmeisst, steht das iPhone oder das Nexus wieder da wie ein Diamant in einer Kiste mit Münzen.

Zweitens: Kickt. Endlich. Symbian. NIEMAND will den Schrott mehr. Warum auch? Ich kauf mir ja auch keinen Trabbi, und wenn er noch so billig ist, wenn ich nen 3er BMW der neuesten Generation kriegen kann.

Drittens: Nein, LTE ist KEIN Kaufargument. 90% aller Kunden wissen nichtmal was das ist! Verarbeitet eure Geräte ordentlich, und gebt ordentliche Software und Support anstatt trockener TechSpecs.

gerhard maierhofer
01
12.1.2012, 16:25

aja die symbian 3 geräte werden alle gut mit updates versorgt (sind ja unter der haube ziemlich baugleich) etwas was man von den androiden net sagen kann. sag nur value packs.

Mister Magister
 
00
13.1.2012, 05:14

Ich muss an dieser Stelle anmerken dass mir das bewusst ist, nur wenn man es hier im Forum wagt etwas gegen Android zu sagen, ist man sofort ein Apple Fanboy =)

Das hat System
10
12.1.2012, 11:54

Sehr richtig!

M.Honeybee
00
12.1.2012, 09:49

Nokia verklopft grobe 400 Mio. Tels., viele davon noch mit Symbian (soll ja angeblich eh durch WP7 ersetzt werden).

gerhard maierhofer
11
12.1.2012, 07:50

weil sie ach so tolle ratschläge haben:
1. der diamant nexus ist ein nieschendevice
2. unterschiedliche menschen haben unterschiedliche bedürfnisse.

ich hab seinerzeit das c7 statt des8 gewählt, weil ich anruf buttons haben wollte und mich der buckel gestört hat. hätt ich auf die kamera größeren wert gelwgt hätt.kein weg am n8 vorvei geführt. möcht jemand ein goßes display haben, braucht er wieder was anderes.

3. zu symbian. im letzten quartal sollen symbian verkaufszahleb in indien chiba wieder gestiegen sein. ich als n9 nutzer sage ihnen: wenns das smartphone primär als telefon nutzen wollen ist symbian immer noch das beste. neven der batterieeffizienz, der abstimmung auf die hardware etc..,und es kann verdammt viel mehr als wp

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.