Solistenkonzerte

Staatsoper als Raum der Lieder

Ljubiša Tošić, 11. Jänner 2012, 18:12
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    foto: standard/christian fischer

    Tenor Michael Schade.

Thomas Quasthoff beendet Karriere – Michael Schade springt bei Konzertreihe ein

Wien - Die bedauerliche Nachricht, wonach der deutsche Bassbariton Thomas Quasthoff (nachdem er vor einiger Zeit bereits seine beachtliche Jazzsänger-Karriere beendet hatte) nun den Sängerberuf an sich wegen Stimmproblemen an den Nagel hängt (was er news.at bestätigt), passt vom Timing her zu der am Dienstag gestarteten Serie von Solistenkonzerten an der Wiener Staatsoper. Mit einem Auftritt von Quasthoff (Jahrgang 1959) hätte nämlich die Reihe beginnen sollen - leider musste er ihn absagen, wie so vieles in den letzten Monaten.

Auf jener Bühne, auf der Quasthoff sowohl ein grandioser Amfortas in Parsifal war wie auch beim Jazzfestival ein witziger Partner von Bobby McFerrin, nun also Tenor Michael Schade, begleitet von Pianist Rudolf Buchbinder. Schade ist bei Schuberts Schöner Müllerin besonders beim Lyrischen in seinem Element. Bis so etwa zur Mitte des Zyklus ist die eine oder andere fragile, verrutschte Note zu hören. Je verinnerlichter jedoch das Geschehen, desto mehr kann Schade seinen - besonders in der Höhe - magischen Klang mit einer Klarheit und Intimität vermitteln, die auch in puncto Legatokultur ihresgleichen sucht (besonders bei den Liedern Pause, Die liebe Farbe und Trockne Blume). 

Rudolf Buchbinder war dem Ganzen ein aufmerksam mitatmender, allerdings auf Akzente nicht verzichtender Begleiter. Wie er etwa bei Tränenregen den Liedschluss zart und doch präsent ausklingen ließ, war schon von höchster Eindringlichkeit. 

Bei Buchbinders Musikfestival in Grafenegg wird übrigens Michael Schade im Sommer am Eröffnungsabend Thomas Quasthoff ersetzen. Quasthoff selbst wird zwar dem Singen, nicht aber öffentlichen Auftritten gänzlich abschwören: Für die heurigen Festwochenkonzerte im Musikverein ist er bei den Gurre-Liedern als Sprecher engagiert, und er wird diesen Termin auch wahrnehmen. Ansonsten bleiben für ihn als Betätigungsfelder die Unterrichtstätigkeit an der Berliner Hanns-Eisler-Hochschule und die Leitung des von ihm ins Leben gerufenen Wettbewerbs Das Lied. Und es wird Lesungen geben. Ein Trost, aber ein schwacher. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 12. Jänner 2012)

Nächstes Konzert an der Staatsoper: 19. 1., Diana Damrau, 20.00

Nachlese

Kommentar posten
15 Postings
Die Aufklärung
 
12
12.1.2012, 10:48
Tiefe Verbeugung

Dem grandiosen Künstler und großartigen Menschen Thomas Quasthof entbiete ich mit einer tiefen Verbeugung meine Bewunderung und Trauer, dass er aufhört.

Er hat die Menschheit bereichert.

p-hammer
12
12.1.2012, 09:36
"Danke" an einen großen Künstler

Thomas Quasthoff hat mir - und wohl auch vielen anderen - viele wunderbare Abende in Oper und Konzert geschenkt. Dafür möchte ich danken - und ihm ein erfülltes und langes "zweites Leben" nach der Sängerlaufbahn wünschen.

Besonders hervorheben möchte ich hier seinen Amfortas in der Staatsoper - als er gemeinsam mit Christine Mielitz beweisen konnte, dass mit ein wenig Unterstützung seitens der Regie auch ein körperlich schwer behinderter Mensch auf einer Bühne darstellerisch in jeder Beziehung überzeugen kann. Anstatt sich von "Wohlmeinenden" vor den angeblichen "Zumutungen" der Regie gegenüber einem "armen Behinderten" in Schutz nehmen zu lassen.

Kontrahent1
21
12.1.2012, 12:28
Nun ist die Rolle des Amfortas

aber sowieso ein schwerst Behinderter, welcher normalerweise nur von der Tragbahre aus agiert und den Tod herbeisehnt.- Interresant wäre, inwieweit der Ausflug zum Jazz für die Stimmprobleme verantwortlich ist, denn als Bariton hätte die Karriere eigentlich bis in die 60er dauern können. Auch P. Hofmann hat sich mit artfremdem Gesang die Stimme ruiniert, allerdings hatte der auch so gut wie keine Technik sondern 'nur' Material.

p-hammer
11
12.1.2012, 14:04
Und noch was...

"sowieso ein schwerst Behinderter .... welcher ... den Tod herbeisehnt" - daher liegt in Quasthoffs Darstellung also nach ihrer Ansicht keine darstellerische Leistung.

Warum genau?

Wenn das so gemeint ist, wie es rüberkommt (und das ist angesichts Ihrer sonstigen Ausführungen zu befürchten) sind Sie weltanschaulich "leider" ein paar Jahrzehnte zu spät gekommen.

Und Quasthoff ist so ziemlich der Letzte, dem "Todessehnsucht" ein nahes Naturell wäre - sonst hätte er nicht diese großartige Karriere gegen alle Schicksalschläge und Schikanen durchziehen können.

p-hammer
11
12.1.2012, 13:55
Rot für "artfremd" - und für Ihre sensationelle Ahnungslosigkeit

Zumal man angesichts ihres Alters davon ausgehen muss, dass sie den historischen Konnex zu "artfremd" präsent haben.

Zum Rest:

1. Hofmann hatte wenig Technik. Aber er litt bereits in seiner Glanzzeit an Parkinson - das schlägt sich massiv auf die Stimme.

2. Quasthoff ist schwerst behindert, auch wenn er das selbst so weit als möglich überspielte. Aber Operngesang ist Hochleistungssport und fordert einen beeinträchtigten Körper natürlich mehr.

3. Amfortas ist nicht "behindert" sondern verwundet - und er sehnt den Tod nicht herbei, sondern er fordert, dass man ihn nach langer Qual sterben lässt (weil keine Heilung erwartbar ist). Amfortas ist aber kein leidender Charakter, sondern ein impulsiv-agressiver.

Kontrahent1
11
13.1.2012, 14:02
I'm terribly sorry,

I just overlooked, A.H. was speaking German! So I gave my comment in such an incriminated language. By the way, it doesn't make any difference, why a person is handicaped - either by being wounded as Amfortas or since birth, as Mr. Quasthoff. So I think, it was much more difficult for i.e. Grace Bumbry to sing Venus at that time at Bayreuth, than for Mr. Quasthoff to sing Amfortas at Vienna.

chkrall
11
12.1.2012, 12:39
artfremd.

"artfremd" ist kein gutes Wort.

Antagonist1
10
13.1.2012, 18:06
Was sagen Sie zu

artgerechter Haltung?

corrector1
00
14.1.2012, 13:45
Reichlich unpassender Kommentar

Antagonist1
00
14.1.2012, 19:38
SYNONYM

zu "artgerecht" findet sich doch sicher in den Untiefen Ihres verbalen Schatztrücherls....

Antagonist2
00
15.1.2012, 08:39
Entschuldigung liege natürlich mit SYNONYM falsch

artgerecht ist kein Synonym zu artfremd und artgerechte Haltung ist wirklich unpassend - tut mir leid

Smoothies? Obst gehört gebrannt
11
12.1.2012, 00:31

"In Deutschland leben 80 Millionen Behinderte. Ich habe den Vorteil, dass man es mir ansieht."

Thomas Quasthoff

D-AUT 0-0 nach 30 j
20
12.1.2012, 05:38
er sagte wohl eher 8 mio.

eine andere aussage würde seinem naturell wohl widersprechen.

alla riscossa
22
11.1.2012, 23:44
ein verlust für alle klassik und jazz-fans!

quasthoff war neben seiner kunst immer auch als gesamterscheinung ein erlebnis! lebenslustig, humorvoll, witzig. und alles trotz seiner behinderung!

OS Gandalf
24
11.1.2012, 22:34

Diesem Mann verdanken wir eine der berührendsten Einspielungen der Winterreise und die vielleicht besten Versionen einiger Schumann-Lieder. Quasthoffs direkte und herzlich-fröhliche Art wird seinen Zuhörern lange in Erinnerung bleiben, weil wir ihm als Mensch diesen neuen Abschnitt gönnen, auch wenn wir betrauern, ihn als ausführenden Künstler zu verlieren.

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