Nach Steiermark

Kleinschulen: Weitere Bundesländer erwägen Schließung

11. Jänner 2012, 14:07

Dezidiertes Nein aus Tirol, Niederösterreich und Vorarlberg

Wien - Mit ihrem von oben verordneten Abbau von Kleinschulen bleibt die Steiermark zwar vorerst alleine, dennoch wollen auch andere Bundesländer Kleinschulen schließen. Schon fix sind die Auflassungen zweier Schulen in Salzburg, und zwar auf Antrag der jeweiligen Gemeinden. Möglicherweise werden auch in Kärnten, dem Burgenland und - im Zuge der dort geplanten Verwaltungsreform - in Oberösterreich kleine Schulen zumachen. Lediglich aus Tirol, Niederösterreich und Vorarlberg kommt ein klares Nein, wie ein Rundruf der APA zeigt. In Wien gibt es schon jetzt keine öffentlichen Kleinschulen.

In Salzburg steht bereits fest, dass mit Ende des Schuljahres 2012/13 die Volksschulen Thalgauegg und Plainfeld (beide im Flachgau) aufgelassen werden. Heuer gibt es zwar keine Schließungen, doch erst 2011 haben die Volksschulen Embach und Saalbach sowie die Sonderschule Neukirchen (alle drei im Pinzgau) zugesperrt, und zwar ebenfalls auf Antrag der Gemeinden, die als Schulerhalter fungieren. Das Land Salzburg nehme von sich aus keine Schließungen vor, hieß es aus dem Büro der Bildungsreferentin LH Gabi Burgstaller (SPÖ). Als Grundsatz gilt, dass es in jeder Gemeinde eine Volksschule geben soll. In Gemeinden mit mehreren Volksschulen werden jedoch jene Standorte mit weniger als 20 Schülern geprüft, wobei Schwankungen bei den Schülerzahlen zu berücksichtigen sind.

Kärnten und Burgenland

Möglich sind Schließungen auch in Kärnten. "Es wird für das nächste Schuljahr Gespräche mit den betroffenen Gemeinden geben, das ist bisher immer im Konsens gelöst worden", so Bildungsreferent Uwe Scheuch (FPK). Im vergangenen Schuljahr wurden 16 Kleinstschulen geschlossen, heuer gibt es noch 28 einklassige Volksschulen, davon 23, die mit weniger als 20 Schülern als Expositur geführt werden. Sechs davon haben weniger als zehn Schüler, hier werde es die intensivsten Diskussionen über ein Zusperren geben, so Scheuch.

Im Burgenland soll im Frühjahr feststehen, ob im kommenden Schuljahr Standorte geschlossen werden. Derzeit werden dort von 198 Volksschulen laut Landesschulrat 46 einklassig geführt. Eine gesetzliche Regelung sieht vor, dass Schulen in Ortsteilen mit weniger als zehn Schülern zu schließen sind. Ausgenommen davon sind jene 29 Standorte, die unter das Minderheiten-Schulgesetz fallen. Im Burgenland wird in 27 zweisprachigen Volksschulen Kroatisch sowie an zwei Standorten Ungarisch unterrichtet. Drei zweisprachige Schulen haben weniger als zehn Schüler.

Oberösterreich und Tirol

In Oberösterreich wird im Rahmen der von allen vier Landtagsparteien ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grünen abgesegneten Verwaltungsreform die Zusammenlegung von Doppelstandorten geprüft, heiß es aus dem Büro von Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP). Dabei könnten ein- bis zweiklassig geführte Schulen mit 20 bis 30 Kindern mit anderen Standorten zusammengelegt werden. Allerdings dürfe der Schulbus dorthin nicht länger als zehn Minuten unterwegs sein und es müsse genügend Raumkapazität vorhanden sein. Auch wenn dies eine Einsparung bringen könne, sei das vorrangige Ziel eine bessere Pädagogik. Einen Termin für den Abschluss der Prüfung gibt es noch nicht.

Das Land Tirol denkt hingegen nicht daran, weitere Kleinstschulen zu schließen. Wie es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hieß, habe Tirol aufgrund der topographischen Situation und der damit zusammenhängenden Siedlungsstruktur ein dichtes Netz an Kleinschulen. Der Erhalt dieser Schulen sei daher "ein sehr wichtiges bildungspolitisches Anliegen". Trotzdem seien in Tirol in den letzten acht Jahren 30 Pflichtschulen stillgelegt worden, da diese entweder die Mindestgröße von drei Kindern nicht mehr erreichten oder einem entsprechenden Antrag des Schulerhalters stattgegeben worden sei. "Eine Schule im Dorf bietet mehr als nur Unterricht für die Kinder. Sie ist Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und trägt zur Attraktivität der Dörfer als Wohnort für Familien mit Kindern bei", erklärte Palfrader.

Niederösterreich und Tirol

In Niederösterreich sind seitens des Landes ebenfalls keine Schließungen oder Zusammenlegungen von Kleinstschulen geplant. Da die Gemeinde als Schulerhalter im Pflichtschulbereich die Öffnung oder Schließung der Einrichtungen beantragen müsste, könnte man auch nur in Absprache mit den Kommunen handeln, wurde im Büro von Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) betont. Den Weg der Schließungen möchte man trotz Einsparungsmöglichkeiten nicht beschreiten, weil man die Bildungs- und Kultureinrichtungen unbedingt in den Dörfern erhalten wolle, erklärte Wilfing: "Stirbt die Schule, stirbt das Dorf". Außerdem sei man der Ansicht, dass anstelle der unter zehnjährigen Kinder besser die Lehrer pendeln sollten.

Auch in Vorarlberg gibt es keine Pläne zur Schließung von Kleinschulen. "Ganz im Gegenteil, unser Credo lautet, dass wir Kleinstschulen solange wie nur möglich erhalten wollen", betonte der zuständige Landesrat Siegi Stemer (ÖVP). Stemer begründete diese Haltung damit, dass "eine Schule in einem Dorf ein ganz wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und weit mehr als nur Bildungseinrichtung ist". Vorarlberg lasse sich dieses Bekenntnis auch einiges kosten, verwies Stemer auf einen mit sechs Millionen Euro gefüllten Topf des Landes, aus dem solche Schulen gefördert, aber etwa auch sonderpädagogische Maßnahmen bezahlt werden, die über das Engagement des Bundes hinausgehen. (APA)

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12 Postings
bormester
00
14.1.2012, 14:39
"Eine Schule im Dorf bietet mehr als nur Unterricht für die Kinder. Sie ist Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und trägt zur Attraktivität der Dörfer als Wohnort für Familien mit Kindern bei"

Stimme voll und ganz zu - in diesem Punkt ist mir die ÖVP viel sympathischer und agiert auch vernünftiger, als die SPÖ.

Dave Windorf
 
00
15.1.2012, 15:38

Ja, der Schuetzenhoefer hat das in der STMK aber mitbeschlossen.

ChuzZzpe
01
13.1.2012, 08:27
Inititiative

Für alle betroffenen Eltern, Schüler, Lehrer und Menschen die diese Inititive gerne unterstützen wollen wir hier eine Plattform schaffen:

http://www.facebook.com/pages/Ret... 76?sk=wall

Nächste Woche soll erst der Beschluss getroffen werden, wir müssen dafür sorgen, dass die Stimmen unserer Kinder gehört werden - auch von den österrreichischen "Volksvertretern"!

sir_hancelot
 
00
12.1.2012, 13:15
plainfeld

keine hanung wie diese meldung zu stande kommt. aber die volksschule in plainfeld wird nicht geschlossen, das muss eine falschmeldung sein.
wahrscheinlich handelt es sich dabei um die volksschule schwaighofen in eugendorf (nachbarort).

stall
20
11.1.2012, 20:13
alle schulen zumachen

bis diese ministerin weg ist.

schneefreundin
 
12
11.1.2012, 19:37

Ich wär für die Erhaltung der Kleinstschulen. War selbst in einer Kleinstschule und kann sagen es hat mich geprägt. Man lernt sich gegenseitig zu helfen, der Lehrer wird wie in modernen Unterrichtskonzepten zum Helfer und Begleiter. Außerdem lernt man schon früh, Aufgaben alleine zu erledigen.
Ich fand es nie als Nachteil und bin froh darüber. Ich würde auch später wenn ich selbst einmal Kinder habe diese lieber in eine Kleinstschule schicken als in eine normale.

Die Wilde 13
00
12.1.2012, 09:30

Es gibt solche und solche Fälle.
In der Hauptschule bei uns sind die Schüler aus den Kleinstschulen gehäuft in die 3. Leistungsgruppen eingestuft worden.

Dave Windorf
 
00
15.1.2012, 15:39

Bei uns kam fast die gesamte Klasse aus der Kleinst-VS ins Gym.

schneefreundin
 
00
12.1.2012, 09:56

In meinem Jahrgang wurden alle in die erste oder zweite Leistungsgruppe eingeteilt. In die dritte kam niemand. Die meisten waren ihre gesamte Hauptschulzeit in der ersten Leistungsgruppe

Die Wilde 13
00
12.1.2012, 11:00

Wie immer: kommt auf die Lehrkraft an, bzw auch die Eltern und einzelnen Schüler.

oblomow II
21
11.1.2012, 19:20
oder wie der dorfkaiser

argumentiert:
"die einklassige sonderschule kennts uns net wegnehma, weil sunst hamma kan nochwuchs firn gemeinderot ..."

bormester
01
14.1.2012, 14:37

sie ziehen damit eine aussage ins lächerliche, der ich selbst zustimme! - im burgenland gibt es ja größte nachwuchsprobleme - weil die kleinen volksschulen geschlossen wurden, ziehen die jungen auch eher weg um dem kindern eine schule zu bieten, die auch zu fuß zu erreichen ist

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