Der Wiener Lesetest geht in die zweite Runde: 30.500 Schüler und Schülerinnen werden ab Ende Februar getestet
Ende Februar wird die Lesekompetenz aller Wiener Kinder der vierten und achten Schulstufe wieder unter die Lupe genommen. Der Lesetest wurde vom Stadtschulrat und dem Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) entwickelt und wird heuer zum zweiten Mal durchgeführt. Am 29. Februar geht es für die Zehnjährigen los. Die 14-Jährigen werden am 1. März getestet.
Im vergangenen Jahr wurden bereits enorme Lesedefizite bei den Zehn- und 14-Jährigen festgestellt. 24 Prozent der Zehnjährigen wurden in die sogenannte Risikogruppe eingestuft. Dabei handelt es sich um sehr schlechte Leser, die Fördermaßnahmen benötigen. Bei den 14-Jährigen waren es 19 Prozent.
"Wir können aus heutiger Sicht sagen, dass wir den Lesetest nun jährlich durchführen werden", sagt die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Erst wenn die Schüler deutlich besser abschneiden, soll nur noch "kursorisch" getestet werden. Ziel des Tests sei es, die Anzahl der Risikoschüler zu verkleinern.
"Crashkurse", Alphabetisierungskurse und "SOKO Lesen"
"Wir gehen davon aus, dass wir eine Reduzierung vorweisen können", so Brandsteidl. Ist das nicht der Fall, bekommen die Kinder mehr Förderung. Schüler mit gravierenden Leseproblemen müssen einen Crashkurs belegen. Im vergangenen Jahr waren davon rund 200 Schüler betroffen. Eine radikale Maßnahme: Die allerschlechtesten Leser werden dann einige Wochen aus der Klasse genommen, um sich ganz auf ihre Lesefähigkeit konzentrieren zu können. Bei einem Deutschmangel sind Alphabetisierungskurse vorgesehen. An die 25.800 Schüler haben bereits an der "Startwoche Lesen" teilgenommen, für rund 3700 Schüler gab es "Intensivkurse". Die Leseförderinitiativen, die den schlechten Lesern bevorstehen, wurden in einer Sonderkommission - der "SOKO Lesen" - erarbeitet.
Im Gegensatz zu PISA werden beim Wiener Lesetest nicht ausgewählte Gruppen, sondern alle Schüler und Schülerinnen der vierten Klasse Volksschule und vierten Klasse AHS oder Hauptschule getestet. Das Ergebnis wird den Schülern und Schülerinnen persönlich übergeben. "Die Schüler bekommen somit selbst ein Bild, wie gerecht ihre Noten sind", sagt BIFIE-Direktor Günter Haider.
Kritik von der Wiener ÖVP
Die bei der Pressekonferenz am Mittwoch verkündete Vorgehensweise der Wiener Stadtschulratspräsidentin erntete von der Bildungssprecherin der ÖVP Wien, Isabella Leeb, sofort heftige Kritik. "Die Stadt muss wesentlich früher handeln und ihre Leseinitiativen so früh als möglich in den Bildungskarrieren ansetzen", so Leeb. "Es kann nicht sein, dass die Kinder erst aus der Volksschule entlassen werden und die Stadtschulratspräsidentin den von ihr versäumten Chancen nachtrauert." (wik, derStandard.at, 11.1.2012)