Wiener Lesetest

"Crashkurs" und "SOKO" gegen Lesedefizit

11. Jänner 2012, 16:31
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    foto: epa/ keon suyk

    Ende Februar startet der Wiener Lesetest zum zweiten Mal.

Der Wiener Lesetest geht in die zweite Runde: 30.500 Schüler und Schülerinnen werden ab Ende Februar getestet

Ende Februar wird die Lesekompetenz aller Wiener Kinder der vierten und achten Schulstufe wieder unter die Lupe genommen. Der Lesetest wurde vom Stadtschulrat und dem Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) entwickelt und wird heuer zum zweiten Mal durchgeführt. Am 29. Februar geht es für die Zehnjährigen los. Die 14-Jährigen werden am 1. März getestet.

Im vergangenen Jahr wurden bereits enorme Lesedefizite bei den Zehn- und 14-Jährigen festgestellt. 24 Prozent der Zehnjährigen wurden in die sogenannte Risikogruppe eingestuft. Dabei handelt es sich um sehr schlechte Leser, die Fördermaßnahmen benötigen. Bei den 14-Jährigen waren es 19 Prozent.

"Wir können aus heutiger Sicht sagen, dass wir den Lesetest nun jährlich durchführen werden", sagt die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Erst wenn die Schüler deutlich besser abschneiden, soll nur noch "kursorisch" getestet werden. Ziel des Tests sei es, die Anzahl der Risikoschüler zu verkleinern.

"Crashkurse", Alphabetisierungskurse und "SOKO Lesen"

"Wir gehen davon aus, dass wir eine Reduzierung vorweisen können", so Brandsteidl. Ist das nicht der Fall, bekommen die Kinder mehr Förderung. Schüler mit gravierenden Leseproblemen müssen einen Crashkurs belegen. Im vergangenen Jahr waren davon rund 200 Schüler betroffen. Eine radikale Maßnahme: Die allerschlechtesten Leser werden dann einige Wochen aus der Klasse genommen, um sich ganz auf ihre Lesefähigkeit konzentrieren zu können. Bei einem Deutschmangel sind Alphabetisierungskurse vorgesehen. An die 25.800 Schüler haben bereits an der "Startwoche Lesen" teilgenommen, für rund 3700 Schüler gab es "Intensivkurse". Die Leseförderinitiativen, die den schlechten Lesern bevorstehen, wurden in einer Sonderkommission - der "SOKO Lesen" - erarbeitet.

Im Gegensatz zu PISA werden beim Wiener Lesetest nicht ausgewählte Gruppen, sondern alle Schüler und Schülerinnen der vierten Klasse Volksschule und vierten Klasse AHS oder Hauptschule getestet. Das Ergebnis wird den Schülern und Schülerinnen persönlich übergeben. "Die Schüler bekommen somit selbst ein Bild, wie gerecht ihre Noten sind", sagt BIFIE-Direktor Günter Haider.

Kritik von der Wiener ÖVP 

Die bei der Pressekonferenz am Mittwoch verkündete Vorgehensweise der Wiener Stadtschulratspräsidentin erntete von der Bildungssprecherin der ÖVP Wien, Isabella Leeb, sofort heftige Kritik. "Die Stadt muss wesentlich früher handeln und ihre Leseinitiativen so früh als möglich in den Bildungskarrieren ansetzen", so Leeb. "Es kann nicht sein, dass die Kinder erst aus der Volksschule entlassen werden und die Stadtschulratspräsidentin den von ihr versäumten Chancen nachtrauert." (wik, derStandard.at, 11.1.2012)

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15 Postings
Spucks
00
13.1.2012, 21:13

Ich verstehe ja, dass solche Lesetests gemacht werden, um den Stand der Schüler durchs Land und durch alle Schulen gut vergleichen zu können.
Was ich aber nicht verstehe: Die Kinder sitzen an ca. 9 Monaten im Jahr 5 Tage/Woche in der Schule, in der VS die meiste Zeit mit demselben Lehrer - und da merken die nicht früher, wenn ein Kind nicht gscheit lesen kann? Warum braucht man da erst solche Tests, um gravierende Defizite zu erkennen und den Schülern zu helfen?

LL MM
00
15.1.2012, 00:54

Die Lehrer wussten und wissen es eh. Nur hat es diejenigen, die in der Hierarchie weiter oben stehen, nie jemanden interessiert. Im Gegenteil, sie wollten davon nix wissen und nur dann von den Schulen was sehen und hören, wenn es ein Buffet gab, wo sie sich vollfressen konnten.

Zugegeben sehr polemisch, aber die Richtung stimmt.

Ob das hier mehr als eine Alibiaktion ist bzw. ob man dann die Falschen hauen wird, sieht man dann.

Dazu können sich aber dann nur Wiener Lehrer äußern, die darüber hoffentlich berichten.

Spucks
00
15.1.2012, 17:54

Wenn es "die weiter oben" nicht interessiert, warum machens dann diese Lesetests, die sicher ein Schweinegeld kosten, und fördern die schwachen Kinder dann?

LL MM
00
15.1.2012, 18:32

Sie schrieben: "Warum merken es die Lehrer nicht?"
Ich schrieb: "Sie merken es schon, aber es hat bis dato die oben nicht interessiert."

PISA hat da allerdings einiges geändert. Zumindest in der Öffentlichkeit wollen "die weiter oben" gut dastehen und solche Aktionen wie "SOKO" usw. bringen Aufmerksamkeit.

Was sie aber mit den Tests machen, ist weiterhin ungeklärt. Wahrscheinlich PR-mäßig ausschlachten.
Was die einzelnen Lehrer erkennen, meinen und wissen, interessiert die da oben weiterhin nicht.

Wenn sie sich in den letzten Jahren oder Jahrzehnten ein wenig mit der Situation auseinandergesetzt hätten, wären sie schon früher draufgekommen. Jetzt tun sie auf "überrascht" und setzten eben ihre Aktionen.

Spucks
00
15.1.2012, 19:40

Okay, klingt logisch und glaubhaft, v.A. der Satz "solche Aktionen wie "SOKO" usw. bringen Aufmerksamkeit"

D/E
00
13.1.2012, 17:25
Und das alles nur, weil man sich die Leseförderung nicht mehr leisten

konnte oder wollte.

ride my pimp
11
12.1.2012, 18:00
Gott sei Dank kommt man schön langsam wieder drauf, wie wichtig Lesen und Schreiben für den Erwerb sprachlicher Kompetenz sind!

Jahrelang war Lesen und Schreiben an den Schulen, Pädaks und Universitäten quasi verpönt (Abschreiben ist doch Tierquälerei - wozu gibt es einen Kopierer und Strg+C/Strg+V) und jetzt besinnt man sich wieder alter Lernmethoden.
Das Pendel hat umgedreht.
Was hilft Strg+C/Strg+V, wenn man nicht versteht, was man gerade kopiert hat, auch wenn es noch so brillant ist?

Fritz Meyer
02
12.1.2012, 16:05
Man sollte besser mal die Eltern testen.

In Haushalten, wo nie ein Buch gelesen wird, darf man nicht pauschal den Kindern die Schuld geben.

Vorstadtmama
 
00
12.1.2012, 13:10
..und was macht die

"SOKO Lesen", wenn sie die Verbrecher dingfest gemacht hat? Blöder Name...

Fritz Meyer
01
12.1.2012, 16:19
Reine Wichtigtuerei.

Denn wenn's konkret darum ginge, den entsprechenden Schulfächern mehr Gewicht zu verleihen, damit der Nachwuchs auch wieder mehr zum Lesen kommt, dann verschwinden derselbe Aktivismus scheint's spurlos.

hcl3
03
12.1.2012, 10:20
alles FAKE

10-20 minuten täglich
am besten in der schule, denn wir haben viele eltern die des lesens nicht gut mächtig sind

nur die schulen haben zumeist keine freude an so
VERALTETEN unterrichtsmethoden.

anne manner
01
11.1.2012, 20:31
Leseförderung

Die VS meiner Töchter (Wien, öffentlich) hat sich heuer den Schwerpunkt "LEsen" gesetzt. Das sah bisher so aus: Vor Weihnachten bekam jedes Kind ein Passwort für "Antolin", eine www mit Quizfragen zu bestimmten Büchern.

Das war's auch schon.

leo lander alias mont tatont
00
12.1.2012, 14:00
können sie sich keine "bessere" leisten

Dann besser mehr arbeiten und verdienen oder täglich 15min mit ihrem Kind lesen. Unsere Kinder (öffentliche Schule) lesen bestens, unser erster war letztes Jahr bei den 5% Besten.

hcl3
02
12.1.2012, 10:21

lesen sie mit ihrem kind
wenn sie warten bis die schule es tut
ist ihre kleine 12

D/E
02
12.1.2012, 15:43
Äh... nur ein Tipp...

In den meisten Familien ist das Verhältnis Erwachsene: Kinder 1:1. Da sollten 15 Minuten Lesen schon machbar sein.

Die Lehrerin muss mit einem Verhältnis 1:20 leben (davon 4 bis 5 höchst Verhaltensoriginelle).

Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen gelesen wird, lernen es meist recht schnell. Das bildungsfeindliche Klima vieler Familien auszugleichen, gewinnt in einer Halbtagsschule nicht einmal einem pädagogischen Wunderwuzzi.

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