Nachbar in Not

Ungarn bedroht Österreichs Triple-A

Interview | Stephan Wabl, 11. Jänner 2012, 13:21
  • Artikelbild
    foto: uni budapest

    Peter Kondor: Zur Finanzhilfe gibt es keine Alternative.

Orbáns Politik zwingt Ungarn an den Rand der Pleite, ohne Finanzhilfe droht laut Ökonom Peter Kondor der Absturz

Die Europäische Union drängt Ungarns Regierungschef Viktor Orbán zu Reformen. Sonst könnten EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) die notwendige Finanzhilfe für Österreichs Nachbarland einfrieren. Der ungarische Ökonom Peter Kondor ortet im Gespräch mit Stephan Wabl in Ungarn aber in erster Linie ein politisches und kein wirtschaftliches Problem. Sollte dieses nicht gelöst werden, stünde auch Österreichs AAA-Rating in Frage.

***

derStandard.at: Ungarn steht vor der Pleite. Handelt es sich dabei um eine Krise der Wirtschaft oder der Politik?

Peter Kondor: Ungarn steckt in erster Linie in einer Vertrauenskrise. Die Politik steuert seit eineinhalb Jahren auf ein autoritäres Regime zu, das verunsichert die Märkte. Die wirtschaftlichen Daten Ungarns sind nicht weit vom europäischen Durchschnitt entfernt, aber die Regierung unterminiert demokratische und marktwirtschaftliche Grundsätze. Das schreckt Investoren ab, und die Märkte haben kein Vertrauen in die Reformkraft der Politik. Ganz im Gegenteil.

derStandard.at: Würde Ungarn heute als Teil der Eurozone besser dastehen?

Kondor: Das glaube ich nicht. Zuerst muss man festhalten, dass Ungarn und Griechenland nicht vergleichbar sind. Im Unterschied zu Ungarn zahlt in Griechenland kaum jemand Steuern. Das Fiskalproblem ist in Ungarn nicht so ein dramatischer Faktor. Wir haben eine normal funktionierende osteuropäische Wirtschaft. Zudem kann Ungarn den Forint abwerten und damit seine Außenwirtschaft ankurbeln. Auf der anderen Seite steht Slowenien besser da als Ungarn, und das liegt großteils daran, dass Slowenien Teil der Eurozone ist. Prinzipiell hätte der Euro viele Vorteile für Ungarn, steckt man aber in Schwierigkeiten, ist es besser, seine eigene Währung zu haben.

derStandard.at: Rund die Hälfte der ungarischen Staatsschulden sowie viele private Kredite laufen aber in Devisen. Die Abwertung des Forint erhöht daher auch die Schulden.

Kondor: Ja, das ist richtig. Aber in der aktuellen Situation ist es besser, über die Währungsabwertung der Wirtschaft mehr Spielraum zu geben und dafür den Schuldenzuwachs hinzunehmen. Es gibt in dieser Frage keine Lösung ohne Schattenseiten.

derStandard.at: Sollte Ungarn tatsächlich pleitegehen, verliert Österreich sein AAA-Rating?

Kondor: Die Möglichkeit besteht. Es gibt auf alle Fälle Anlass zur Beunruhigung für Österreich und seine Banken. Viele Ungarn haben Hypotheken bei österreichischen Kreditinstituten. Verschlechtert sich der Wechselkurs weiter, wird eine Rückzahlung immer schwerer und die Banken würden Geld verlieren. Dann hätte auch der österreichische Staat ein Problem.

derStandard.at: Ungarn braucht einen Kredit von EU und Währungsfonds. Bei Zahlungsausfall wären vor allem die drei Hauptinvestoren - Deutschland, Italien und Österreich - betroffen. Gibt es daher überhaupt eine Alternative zur Finanzhilfe?

Kondor: Zur Finanzhilfe gibt es keine Alternative. Aber es darf kein Geld fließen, ohne von der Regierung Reformen in Richtung Wiederherstellung der Marktwirtshaft zu verlangen. Allen voran muss die Unabhängigkeit der Nationalbank gewahrt werden. Die Konditionen müssen von der EU klargestellt werden. Alle Beteiligten würden davon profitieren, Ungarn genauso wie die EU. Ungarn hat ein Führungsproblem und erst in zweiter Linie ein Wirtschaftsproblem.

derStandard.at: Welche wirtschaftlichen Reformen sind neben dem politischen Wendekurs notwendig?

Kondor: Natürlich gibt es auch in Ungarn Steuersünder. Da muss noch einiges getan werden. Die Korruption ist ein weiteres Problem, ganz wesentlich ist auch die Steigerung der Produktivität. Aber all das ist zweitrangig im Vergleich zur politischen Krise. Aber ich gehe davon aus, dass Regierungschef Viktor Orbán einlenken wird. (Stephan Wabl, derStandard.at, 11.1.2012)

PETER KONDOR (35) ist Assistenzprofessor am Institut für Volkswirtschaft der Central European University in Budapest. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Krisen auf den Finanzmärkten und Wirtschaftsschocks.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 475
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
standarT
01
12.1.2012, 09:55
"Nachbar in Not Ungarn bedroht Österreichs Triple-A"

Bitte verzichten Sie auf polemische Kommentare. Danke. DieZeit Redaktion

Der große Mann
01
12.1.2012, 09:42

Unser Bundeskanzler Faymann ist schon ganz wild darauf, den Ungarn im Rahmen der linken internationalen Solidarität mit unserem Steuergeld zu helfen!!

Freigeist
00
12.1.2012, 09:37
"Zur Finanzhilfe gibt es keine Alternative" - doch, die gibt es

keine Finanzhilfe und der Realität ins Auge sehen. die Konsequenzen der eigenen Handlungen selbst tragen und nicht auf andere abwälzen.

Steverd
00
12.1.2012, 10:02
Handlungen geschehen aber immer,

...innerhalb von Strukturen, die meist zu Gunsten der Mächtigen gestaltet sind und die sich noch dazu manchmal ohne das Wollen der Handelnden verändern oder verändert werden.

grant.faktor
74
12.1.2012, 09:28
OFFTOPIC

die standard.at - website war über eine halbe stunde
weltweit offline !!!
von ca. 08:15 - 08:50 Uhr

mit host-tracker.com etc. gecheckt ,
kaum zu glauben so eine lange downtime,
ist das niemanden aufgefallen ?

higgs - wozu?
00
12.1.2012, 12:47

35 minuten ohne propaganda?
ich habs genossen;-)

Def_izit
10
12.1.2012, 11:51
derstandard.at wars auch - it vom feinsten

koeffizient
11
12.1.2012, 10:18

Qualitätszeitung eben,
zeitweise eben nur für Redaktionsmitglieder erreichbar,
kein normaler Mensch liest um Acht online-news.

schon, aber eigentlich
05
12.1.2012, 10:10
interessant,

es dürfte beim Standard ein gröberes technisches Problem gegeben haben. Das Einzige was ich bis auf Fehlermeldungen beim Frühstück vom Standard heute erfahren habe war:
"Der angefragte Inhalt konnte nicht ausgeliefert werden.
Es handelt es sich vermutlich um einen technischen Fehler.
Versuchen Sie es bitte in ein paar Minuten erneut.
"
Naja, wenigstens kann ich mir jetzt vorstellen, wie viele interne Nicks und Posts für die Forenmeinungsbildung verwendet werden.

widiwutsch
00
12.1.2012, 10:04
Ist mir schon aufgefallen, werde aber drüber hinwegkommen.

boro boros
 
01
12.1.2012, 09:38

nein, wie furchtbar!

grant.faktor
51
12.1.2012, 09:54
tolle Antwort, das heißt also JA

und gleich ein rotes Stricherl.

Schimmelwange
00
12.1.2012, 09:06

Angeblich sitzt der Wunderwuzzi und Erste Bank Chef Treichl, schon in seinem eigenen Dreck!

speedbrain
20
12.1.2012, 09:12
@schimmelwange, ich kann ihnen leider nicht folgen.

was genau wollen sie damit sagen?
wer ist der "wunderwuzzi" - orban?
wer sitzt in wessen dreck?
wundewuzzi in treichels?
treichel in wunderwuzzis?
wunderwuzzi in wunderwutzis ?
treichl in treichls?
beide in wunderwuzzis?
beide in treichls?

Schimmelwange
00
12.1.2012, 09:46

Lesen/Verstehen/drüber nachdenken/posten - in dieser Reihenfolge! :-)

Longyearbyen
 
00
12.1.2012, 10:48

Vielleicht solltest du dann auch noch deutsch lernen.

Schimmelwange
00
12.1.2012, 17:12

Für dich Pfeife langts! :-)

J. Reichhart
06
12.1.2012, 08:05
und die bankster weigern sich bereits, einem

schuldenschnitt griechenlands zuzustimmen - also soll wieder der steurzahler blechen.

banken auflösen! neue bankregeln, keine geldschöpfung aus der luft mehr, nur mehr über kredite bei der ezb und dann neu aufstellen.

higgs - wozu?
13
12.1.2012, 09:36

sobald du geld über verzinste kredite schöpfst hast du ja erst wieder luftgeld nach einer gewissen zeit - die reform des geldsystems muß da schon tiefer greifen:
- die geldmenge muß fix an die menge der waren und dienstleistungen innerhalb eines währungsraumes gebunden werden = wertstabile währung
- das geld darf nicht verzinst sein, da die geldmenge sonst immer automatisch anwächst und auch die permanente umverteilung durch den zins erfolgt.
- geld soll ein hilfsmittel für die arbeitsteilige wirtschaft sein - ein tausch, bewertungs und wertsicherungsmittel - kein monopolistisches (fed=ezb) produkt, mit eigenem preis (zins) und eigenem markt (finanzmarkt), sondern ein mittel zum zweck.
das wär mal ein anfang.

Nestor Machno
 
00
12.1.2012, 13:28
Gibts irgendwo ein Preisausschreiben:

„Klein-Maxi baut ein neues Geldsystem nach Monopoly-Regeln“ – oder wofür sind diese Ausführungen gedacht?

Salz Burger
00
14.1.2012, 10:55

Ich glaub, da kursieren irgendwelche merkwürdigen Videos im Internet, die sich Klein-Maxi reinzieht und dann meint, so müsse die Welt funktionieren.

Ist sicher ein interessanter Zeitvertreib für diese Leute. Die Welt dreht sich ohnehin weiter.

Dagmar Rehak Wien
 
00
12.1.2012, 13:14

"- die geldmenge muß fix an die menge der waren und dienstleistungen innerhalb eines währungsraumes gebunden werden = wertstabile währung "
Hearst, wenn ich entfolge dich gleich, wenn du weiter so einen Blödsinn schreibst.
Die Höhe des Wertes der Waren und Dienstleistungen ist wankelmütiger als alles andere auf der Welt.
Ein Körberl Himbeeren ist keine Ware, solange sie am Strauch hängen, eine Fußmassage hab ich schon länger nötig, aber sie entsteht erst, wenn ich das Geld hab, jemanden dafür zu bezahlen.
Es herrscht VERKNAPPUNG. Wir könnten mehr haben und tun, wenn wir das Geld dafür hätten. Das mit der Inflation ist ein Schmäh. Wenn wir mehr haben, werden Himbeeren gepflückt und Füße massiert. Das ist keine starre Konstanze.

Ich bin ein Bilderberger
10
12.1.2012, 17:20

'Es herrscht VERKNAPPUNG. Wir könnten mehr haben und tun'

und genau das denken sich milliarden von anderen menschen vermutlich auch, die kein auto, dach über den kopf, täglich ausreichend essen haben.

und dort fängt der denkfehler an, mehr mehr mehr haben haben wollen.
jedem chinesen zb. ein auto und dann gibts kein eisen+stahl mehr, eh schon wissen. kollaps vorprogrammiert.

sie müssen sich am glauben des unendlichen wachstums (auch in 1+2 welt länder) verabschieden, sonst kann man sich vom planeten verabschieden.
wenn sie das etwas verinnerlicht haben werden sie in einem geldsystem wie es higgs meint sinn erkennen.

Dagmar Rehak Wien
 
00
13.1.2012, 09:05

Es ist also ein Denkfehler, wenn man kein Dach über dem Kopf oder nicht genug zu essen hat, mehr mehr mehr zu wollen?
Finde ich nicht, im Gegenteil. Und ich bin auch gar nicht der Meinung, dass man sich dann von diesem Planeten verabschieden muss.
Von Wachstum sind wir übrigens weit entfernt.

Ich bin ein Bilderberger
00
13.1.2012, 13:40

aus ihrem posting geht eher hervor dass sie für sich mehr haben und tun wollten.
gut wenn es so ist dass sie kein dach über dem kopf und wenig zu essen haben tut es mir leid.

aber weit etfernt von wachstum? seltsam dass in welches industrie-land sie blicken ständig von wachstum die rede ist.

sollte dieser mal zu wenigen prozentpunkten (hinter dem koma) abfallen herrscht laut politik katastrophenalarm.

und nur sehr naive optimisten (sorry) sind glaub ich der meinung dass wenn die entwicklung und der raubbau an der natur im selben ausmaß weitergeht man sich nicht mal verabschieden kann.

aber bitte machen sie nur weiter, konsumieren, kaufen, wegwerfen, wieder kaufen konsumieren wegwerfen. solche leut erhalten unser tolles system.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 475
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.