Analysten

"Ungarn ist nicht Griechenland"

Daniela Rom, 11. Jänner 2012, 12:46

Auch Zentral- und Osteuropa kann sich der Schuldenkrise in der Eurozone nicht entziehen, Ungarn muss erst einmal aufräumen

Das Prognosegeschäft ist ein schwieriges. Was in Zukunft passieren wird, lässt sich allenfalls anhand von gegebenen Daten und Wahrscheinlichkeiten hochrechnen. Was dann aber wirklich kommt, weiß man erst im Nachhinein genau. Folgerichtig lädt am Mittwoch Raiffeisen International gemeinsam mit der Investmenttochter Raiffeisen Centrobank zum Ausblick auf das Aktienjahr 2012 in Zentral- und Osteuropa (CEE) ein. Nicht ohne zuvor daran zu erinnern, dass sich 2011 zum "annus horribilis" entwickelt habe, obwohl man Anfang des Jahres doch recht froh in die Zukunft geblickt hatte.

Aber zurück zu 2012. Der Ausblick aus das laufende Jahr ist laut Peter Brezinschek, Leiter von Raiffeisen Research, weiter durch die anhaltenden Sorgen rund um die europäische Schuldenkrise getrübt. Dem könnten sich auch die CEE-Länder nicht entziehen und spiegelten so die Instabilität der Eurozone wider.

Im Zentrum stehen werde sicherlich die Frage nach der Zukunft Ungarns. Brezinschek sieht Potenzial in der "politischen Kehrtwende" des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Dieser habe sich am Wochenende von seiner "ignoranten Politik" verabschiedet und sei der EU entgegengekommen. Brezinschek verweist auch auf die Gespräche Ungarns mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), die diese Woche ihren Anfang nahmen. 

Isolation

Ungarn ist derzeit nicht nur außenpolitisch isoliert, sondern auch von einer Staatspleite bedroht. Die für das Land besorgniserregende Entwicklung ist eine Folge der aggressiven Wirtschaftspolitik der Regierung Orban. Unter anderem hatte diese - gegen den ausdrücklichen Rat von IWF und EU - die Unabhängigkeit der Notenbank durch eine Gesetzesnovelle stark eingeschränkt. 

Schon seit November bemüht sich Ungarn um einen neuen Kredit des IWF und der EU. Die beiden Institutionen wollten aber keine offiziellen Verhandlungen aufnehmen, solange die Regierung Orban nicht ihre umstrittene Politik ändert. Bis zum vergangenen Wochenende war aus Ungarn kaum Bereitschaft zu einem Richtungswechsel vernehmbar. Nun habe sich die Lage geändert, glaubt Brezinschek. Auch am Anleihenmarkt sei die Kehrtwende Orbans mit sinkenden Renditen für ungarische Staatsanleihen angekommen.

Ungarn ist nicht Griechenland

"Ungarn ist nicht mit Griechenland vergleichbar", gibt Brezinschek zu bedenken. Österreichs Nachbar im Osten sei weitaus wettbewerbsfähiger und habe auch alle Voraussetzungen, die 77-prozentige Staatsverschuldung (gemessen am BIP) in den Griff zu bekommen. Dafür werde das Land Strukturreformen brauchen und vor allem deren Umsetzung. Nicht zuletzt daran scheitere es in Griechenland, denn: "Griechenland ist Ankündigungs-Weltmeister und Ausführungs-Hausmeister."

Für den gesamten CEE-Bereich gehen die Analysten der Raiffeisen von einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von zwei Prozent im Jahr 2012 aus. Tschechien, die Slowakei, Slowenien und auch Ungarn sowie Südosteuropa würden dabei stärker unter den engen Handelsbeziehungen zur Eurozone leiden, das Wirtschaftswachstum hier nur um die 0,5 Prozent betragen. Brezinschek schränkt aber ein, dass vor allem das erste Halbjahr 2012 ein schwieriges werde. In der zweiten Jahreshälfte könne es durchaus wieder stärker bergauf gehen. Als Grund nennt er die anstehenden Entscheidungen in puncto Schuldenkrise: So würden der Eurogipfel Ende Jänner und die für Ende März angekündigten Pläne zur Fiskalunion zur Feuerprobe für die zukünftige Entwicklung werden. Gebe es weiterhin keine klaren Lösungen, könne auch 2012 zu einem schwierigen Jahr werden.

Auch für die Aktienmärkte in der Region CEE plus Österreich würden die kommenden drei Monate zur Nagelprobe werden. 2011 sei ein wenig ruhmreiches Jahr für Österreichs Börse gewesen, Wien ist mit der roten Laterne und einem ATX-Jahresminus von 35 Prozent Spitzenreiter in Mitteleuropa gewesen. Analog zur Wirtschaftslage und zu den anstehenden Entscheidungen in der Schuldenkrise erwartet man bei Raiffeisen auch an den Märkten ein angespanntes erstes Halbjahr mit Potenzial zur Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Wie es genau gekommen ist, werden wir in einem Jahr wissen. (rom, derStandard.at, 11.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 27
1 2
el topo negro
11
12.1.2012, 10:14
Herr Brezinschek scheint von der arbeit

eines hausmeisters nicht allzu viel zu halten (siehe seinen griechenland vergleich). Ich muss sagen, dass ich mit meinem hausmeister ganz zufrieden bin und seinem können respekt zolle. Der job von herrn brezinschek hingegen scheint mir einigermasssen überflüssig zu sein. schönen tag...

Samuel Himmelberg
00
12.1.2012, 11:11

nun fragen Sie Ihren Hausmeister, wie's in Ungern weitergeht. der weiss es sicher.

warp.faktor
11
12.1.2012, 06:55
Es ist schon auffällig ...

... dass fast jedes Land der EU in einer tiefen Finanzkrise steckt, besonders jene, die sich dem Dikatat von IWF, EZB und EU unterwerfen und in der Euro-Zwangsjacke stecken.

leftjustified
11
12.1.2012, 10:10

Es ist ein Vogel, es hat Federn, es legt Eier, es watschelt... Das kann nur ein Dodo sein... In etwa so sieht ihre Analyse aus.

Ungarn ist kein Euro-Staat, wieso triffts dann gerade diesen? Oder wieso war auch Island ohne EU und Euro vor der Pleite? Oder wieso kämpfen nun auch die Entwicklungsländer mit der Krise? Wieso war der Krisen Auslöser das nicht EU Land USA? Wieso gehts Österreich, Deutschland, Finnland und NL noch Recht gut, trotz EU und Euro? Wieso ist Japan bereits seit über 10 Jahren in einer Dauerkrise? Wieso war Argentinien 2002 Bankrott? Ist da auch die EU+Euro Schuld?

Samuel Himmelberg
00
12.1.2012, 11:12

zu viele Fragen auf einmal.

globetrottel
01
12.1.2012, 07:10

Ursache und Wirkung velwechsert ?

blablabla blablabla
01
11.1.2012, 22:52
lauter Amateure,

Nicht ohne zuvor daran zu erinnern, dass sich 2011 zum "annus horribilis" entwickelt habe, obwohl man Anfang des Jahres doch recht froh in die Zukunft geblickt hatte.

in diesem Umfeld solche Analysen grenzen an Fahrlässigkeit.

Ich werde auch Risikoanalyst.

Carlos Alberto Valderrama Palacio
00
12.1.2012, 22:41
warum risikoanalyst?

was hat der damit zu tun?

Samuel Himmelberg
00
12.1.2012, 11:13

ist gut. Frage nur, wer Sie frägt?

Kara Mustafa
 
03
11.1.2012, 19:18
"Wien ist mit der roten Laterne und einem ATX-Jahresminus von 35 Prozent Spitzenreiter in Mitteleuropa"

Ja, was jetzt? Spitzenreiter oder Rote Laterne?

Hat sich da ein Metaphernpferd vergaloppiert?

M. P.4
 
01
11.1.2012, 17:50
eine tolle Analyse der CEE-Länder,

in der Polen, das immerhin so groß ist wie Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien und das Baltikum zusammen und das selbst in der Krise kräftig gewachsen ist (2011 4,5%) und auch 2012 2-3% wachsen soll, über ein ausgegliechenes Budget verfügt etc. Klar, kein Land wird in den kommenden Jahren von der Krise verschont bleiben und auch dem iberischen, keltischen und sonstigem Tiger hatte man seinerzeit ewiges Wachstum vorausgesagt. Aber man sollte schon bei Tatsachen bleiben und nicht alle CEE Länder, wie früher den gesamten "Ostblock", in einen Topf werfen.

Cavaliere Austriaco
20
11.1.2012, 17:30
Das Waldviertel ist nicht Unterkärnten!

Takeshi Kovacs
10
11.1.2012, 16:54
"Ungarn ist nicht Griechenland"

grenzgenial!!

proto
10
11.1.2012, 20:29
Griechland auch nicht EU-Durchschnitt

"Der Anteil der Behinderten ist doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. "

das ist fix
11
11.1.2012, 16:24
Markus1975
26
11.1.2012, 13:50
Dem liebe Brezinschek und alle anderen

die uns einreden wollen, dass das eine Pleite Land nicht mit dem anderen vergleichbar ist möchte ich folgendes mitteilen:
Man hat auch immer gesagt: In Irland ist es nicht so schlimm, weil mit GRE nicht vergleichbar, in POR das gleich, In ITA das gleich, in ESP das gleiche,...
GRE ist Umsetzungs Hausmeister: Warum sollte das in HUN anders sein ? Ist doch in AUT nichts anderes ...
Und mir ist es im Prinzip egal, ob die Pleiten aus den gleichen Gründen enstehen (wenn das der Fall wäre), zaheln werde auch ich es müssen.

Dani Düsentrieb
 
32
11.1.2012, 15:17
zusammengesetzte Hauptwörter

http://www.deppenleerzeichen.info/

Carlos Alberto Valderrama Palacio
12
11.1.2012, 14:54
stimmt, aber...

...was soll er denn sonst sagen? GR=HU? na da würd sich die pr-abteilung bei der raika aber freuen, obwohl eh jeder weiss, dass es sogar schlimmer als GR=HU ist.

Joachim Jemsengeyer
24
11.1.2012, 12:59
Ein korrekt verfasster Artikel in allen Details

Das tut gut, mal sowas in Standard-online zu lesen. (Zur Abwechslung ;-)

warp.faktor
10
12.1.2012, 06:59
Welche Fakten können Sie dem Artikel entnehmen?

Ich erkenne nur die Wünsche, Vermutungen und Rechtfertigungen eines erfolglosen Analysten.

Carlos Alberto Valderrama Palacio
09
11.1.2012, 14:57
ja wirklich ein toller artikel

total objektiv und am besten ist überhaupt das statement:

"Was in Zukunft passieren wird, lässt sich allenfalls anhand von gegebenen Daten und Wahrscheinlichkeiten hochrechnen. Was dann aber wirklich kommt, weiß man erst im Nachhinein genau."

das ist eine bestätigung für die glaubwürdigkeit des gesamten artikels und überhaupt der notwendigkeit von analysen wie diese.

wirklich ein sensationeller artikel.

Mostbluzza
13
11.1.2012, 13:06
gut gemeint

aber ich würde keine raiffeisen zur lage in ungarn befragen.

oder fragen sie auch den bestatter ihres vertrauens um ihren gesundheitszustand?

Samuel Himmelberg
00
12.1.2012, 11:10

Am besten Sie fragen den Hausmeister, der weiss es.

Def_izit
01
11.1.2012, 13:25
Giebelkreuzler halten (Börsen)Kurs mit "Fachgesprächen"

wieviel die noch in den Gus-Staaten vergraben haben wär interessant

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