Ausbau beschränkt sich vorerst auf das Burgenland und Niederösterreich
Wien - Jahrelang sind in Österreich keine neuen Windräder
errichtet worden, zu unsicher waren den Betreibern die gesetzlichen
Rahmenbedingungen. Die Novellierung des Ökostromgesetzes im Sommer
2011 bringt nun einen Investitionsschub. Alleine im Jahr 2012 wird
die Windkraftleistung um ein Drittel gesteigert. 620 Mio. Euro werden
in neue Anlagen investiert. "In Summe sind wir wirklich sehr
zufrieden mit dem Gesetz", resümierte die Juristin der IG Windkraft,
Ursula Nährer, am Mittwoch vor Journalisten.
In Kraft ist das neue Ökostromgesetz noch nicht, da noch das "Go"
der EU-Kommission fehlt. Die Windkraftlobby ist aber zuversichtlich,
dass die Novelle mit Juli 2012 in Kraft treten kann. Bereits seit
vergangenem Sommer in Kraft ist hingegen die Bestimmung zum Abbau der
Warteliste schon beantragter Projekte. Einmalig wurden dafür 80 Mio.
Euro für Windkraft und 28 Mio. Euro für Photovoltaik zur Verfügung
gestellt.
Mit dem Ergebnis, dass 2011 Verträge für mehr als 800 Megawatt
Windkraftleistung vergeben wurden. Diese Anlagen werden in den
kommenden Jahren gebaut. Im Vorjahr wurden laut IG Windkraft um 120
Mio. Euro 31 Anlagen mit 73 MW errichtet. Für heuer rechnet
IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl mit 140 neuen Anlagen mit
einer Leistung von 376 MW, womit die insgesamt installierte
Windkraftleistung auf 1.459 MW ansteigen würde.
Die neuen Windräder werden alle im Burgenland (245 MW) und in
Niederösterreich (131 MW) stehen. "Die anderen Bundesländer müssen
erst in die Gänge kommen", so Moidl. In der Steiermark, in
Oberösterreich, Salzburg und Tirol würden zwar Projekte diskutiert,
man sei aber noch nicht so weit, dass es heuer noch zur Errichtung
kommt. Wegen behördlicher Hürden bzw. mangelnden Konsenses sei etwa
in Oberösterreich seit 2005 nichts gebaut worden.
Dementsprechend unterschiedlich ist auch der Anteil der
Windenergie am Stromendverbrauch. Im Burgenland wird dieser Anteil
bis Ende 2012 von 47 auf 81,5 Prozent steigen, in Niederösterreich
von 11,5 auf 14,1 Prozent. Österreichweit wird die Windkraft Ende des
Jahres aber erst 4,9 (2011: 3,6) Prozent des elektrischen
Endenergieverbrauchs decken können. Derzeit produzieren Österreichs
Windräder rund 2,2 Terawattstunden Strom, Ende 2012 sollen es knapp 3
Mrd. TWh werden. Damit können über 850.000 Haushalte versorgt werden.
Auch außerhalb der Landesgrenzen wird kräftig gebaut, vor allem in
Asien. 2011 wurden weltweit rund 25.000 MW Windkraftleistung
errichtet, womit Windräder mit einer Leistung von 215.000 MW in
Betrieb sind, davon 92.000 MW in Europa.
Noch muss die Windenergie aber subventioniert werden. In
Österreich flossen im Jahr 2010 rund 72 Mio. Euro, insgesamt betrug
die Ökostromförderung 340 Mio. Euro. Ein durchschnittlicher Haushalt
musste voriges Jahr 4,9 Euro für die Windkraftförderung zahlen. Wann
es keine Unterstützung mehr braucht, also die sogenannte Netzparität
erreicht wird, hängt laut Moidl maßgeblich von der Entwicklung des
Strompreises ab. Den sinkenden Erzeugungskosten - seit 2008 haben
sich Windturbinen internationalen Schätzungen zufolge um etwa ein
Fünftel verbilligt - stünden steigende Erschließungskosten gegenüber.
Hierzulande beträgt der Einspeisetarif für Strom aus Windenergie 9,5
Cent/kWh. Zum Vergleich: An der Leipziger Strombörse EEX wird eine
Kilowattstunde derzeit mit 4,8 bis 5,5 Cent gehandelt. (APA)