Die Umbauarbeiten bei seiner Buchhandelssparte Thalia drohen dem Handelskonzern Douglas das Geschäftsjahr 2011/12 zu verhageln
Düsseldorf - Dem Handelskonzern Douglas macht die wachsende Konkurrenz der Online-Anbieter
schwer zu schaffen. Der bequeme Einkauf per Mausklick raubt dem stationären
Handel zunehmend Kunden, was Douglas derzeit am schmerzlichsten bei seiner
Buchtochter Thalia spürt. Denn gerade Bücher oder DVDs werden online besonders
gern geordert, oder die Kunden laden sich gleich über ihren eReader aus dem Netz
die gewünschte Lektüre herunter. "Das ist eine Entwicklung, die die gesamte
Branche betrifft, alle Händler müssen da umdenken", sagte Douglas-Chef Henning
Kreke am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Düsseldorf.
Kreke kündigte einen Umbau von Thalia an und schloss auch Personalkonsequenzen
nicht aus.
"Wir müssen weg von den überdimensionierten Buchhandlungen", räumte Kreke
ein. "Der Verkauf des gedruckten Buchs in stationären Läden wird weiter
rückläufig sein", prognostizierte er. Und das hat Folgen - Verkaufsflächen von
bis zu 600 Quadratmetern und damit deutlicher weniger als bisher seien für
Buchhandlungen ausreichend. Thalia will nun mit den Vermietern verhandeln,
Filialen der Kette könnten etwa Untermieter aufnehmen. Die Kette betreibt knapp
300 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit knapp 5.300
Mitarbeitern. Bei dem anstehenden Umbau könne er "Personalkonsequenzen" nicht
ausschließen, sagte Kreke auf die Frage nach Stellenstreichungen. Zudem soll das
Online-Angebot wie im Gesamtkonzern weiter ausgebaut werden. Rund 14 Prozent des
Jahresumsatzes von 935 Mio. Euro fuhr Thalia im boomenden Internet-Handel ein.
820 Mitarbeiter in Österreich
In Österreich hält Thalia bei 36 Niederlassungen und beschäftigt rund 820
Mitarbeiter. Hierzulande stieg der Umsatz im Ende September abgelaufenen
Geschäftsjahr 2010/2011 um 5,6 Prozent auf 148,5 Mio. Euro. Wie sich der
angekündigte Umbau in Österreich auswirkt, war vorerst noch nicht zu eruieren.
Thalia-Österreich-Chef Josef Pretzl hat erst kürzlich betont, an den Standorten
nicht rütteln zu wollen, auch wenn der stationäre Handel seine Position als
Hauptabsatzkanal für Bücher verlieren dürfte. "Zwischen 40 und 50 Prozent der
Umsätze werden ins Internet wandern", sagte er.
Im vergangenen Jahr ging der Umsatz der in Summe knapp 300
Thalia-Buchhandlungen auf vergleichbarer Fläche um fast 4 Prozent zurück, das
Ergebnis brach von 20 auf 5 Mio. Euro ein. Zwar versucht Douglas bereits mit
Hilfe seines Online-Buchhändlers buch.de nicht den Anschluss an Platzhirsche wie
Amazon zu verlieren, allerdings bringt das Geschäft im Internet geringere Margen
ein und kann den Umsatzschwund im stationären Handel nicht kompensieren. Douglas
geht auch für das laufende Jahr von einem Ergebnisrückgang bei Thalia aus, der
sich auch auf den Gesamtkonzern niederschlagen wird. Auch puncto
Dividendenpolitik bleibt der Konzern vorsichtig: Für das abgelaufene
Geschäftsjahr sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 1,10 Euro je
Aktie erhalten.
Aktie auf Talfahrt
Trotz einer Umsatzsteigerung im wichtigen Weihnachtsgeschäft rechnet Douglas
für das neue Geschäftsjahr nur mit einem leichten Umsatzplus auf rund 3,4 Mrd.
Euro, kündigte Kreke an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(Ebitda) solle zwischen 200 und 250 Mio. Euro liegen - deutlich weniger als im
abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11, in dem noch rund 293 Mio. Euro in den
Büchern standen. Die Douglas-Aktien schickte Kreke mit dem Ausblick auf
Talfahrt, sie verloren knapp 7 Prozent.
Im ersten Quartal 2011/12 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft strömten die
Kunden vor allem in Deutschland in die Douglas-Parfümerien oder die
Christ-Juweliergeschäfte des Konzerns. Insgesamt verbuchte Douglas ein
Umsatzplus von 1,4 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. In Deutschland stiegen die Erlöse
um 4,1 Prozent. Im Ausland verzeichnete der Konzern indes ein Minus. Damit
setzte sich ein Trend aus den vergangenen Quartalen fort: Vor allem in den von
der Euro-Schuldenkrise gebeutelten Ländern wie Spanien oder Portugal, deren
Regierungen mit drastischen Sparprogrammen auf die Krise reagieren, lassen die
Douglas-Parfürmerien Federn. Hohe Arbeitslosigkeit tut ein übriges: "Zunächst
muss das Essen auf den Tisch, erst danach geht es ums Aussehen", umschrieb Kreke
das Verhalten der Verbraucher.
Das Online-Angebot soll nicht nur bei Thalia, sondern auch bei den übrigen
Sparten ausgebaut werden. Von den 120 Mio. Euro geplanten Investitionen in
diesem Jahr soll ein Teil in den Auf- und Ausbau von Online-Shops der
Douglas-Parfümerien, der Christ-Juweliergeschäfte, der AppelratCüpper-Modehäuser
und der Hussel-Süßwarenläden fließen. Der Rest ist für Filialeröffnungen oder
Modernisierungen eingeplant. Den Internetauftritt auf Trab bringen soll ein
eigener E-Commerce-Vorstand, nach dem Douglas derzeit noch sucht. (APA)