Probleme für Douglas

Thalia mit Schlag-Seite

11. Jänner 2012, 16:11
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    foto: apa/harald schneider

    Thalia bereitet Sorgen.

Die Umbauarbeiten bei seiner Buchhandelssparte Thalia drohen dem Handelskonzern Douglas das Geschäftsjahr 2011/12 zu verhageln

Düsseldorf - Dem Handelskonzern Douglas macht die wachsende Konkurrenz der Online-Anbieter schwer zu schaffen. Der bequeme Einkauf per Mausklick raubt dem stationären Handel zunehmend Kunden, was Douglas derzeit am schmerzlichsten bei seiner Buchtochter Thalia spürt. Denn gerade Bücher oder DVDs werden online besonders gern geordert, oder die Kunden laden sich gleich über ihren eReader aus dem Netz die gewünschte Lektüre herunter. "Das ist eine Entwicklung, die die gesamte Branche betrifft, alle Händler müssen da umdenken", sagte Douglas-Chef Henning Kreke am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Düsseldorf. Kreke kündigte einen Umbau von Thalia an und schloss auch Personalkonsequenzen nicht aus.

"Wir müssen weg von den überdimensionierten Buchhandlungen", räumte Kreke ein. "Der Verkauf des gedruckten Buchs in stationären Läden wird weiter rückläufig sein", prognostizierte er. Und das hat Folgen - Verkaufsflächen von bis zu 600 Quadratmetern und damit deutlicher weniger als bisher seien für Buchhandlungen ausreichend. Thalia will nun mit den Vermietern verhandeln, Filialen der Kette könnten etwa Untermieter aufnehmen. Die Kette betreibt knapp 300 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit knapp 5.300 Mitarbeitern. Bei dem anstehenden Umbau könne er "Personalkonsequenzen" nicht ausschließen, sagte Kreke auf die Frage nach Stellenstreichungen. Zudem soll das Online-Angebot wie im Gesamtkonzern weiter ausgebaut werden. Rund 14 Prozent des Jahresumsatzes von 935 Mio. Euro fuhr Thalia im boomenden Internet-Handel ein.

820 Mitarbeiter in Österreich

In Österreich hält Thalia bei 36 Niederlassungen und beschäftigt rund 820 Mitarbeiter. Hierzulande stieg der Umsatz im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 um 5,6 Prozent auf 148,5 Mio. Euro. Wie sich der angekündigte Umbau in Österreich auswirkt, war vorerst noch nicht zu eruieren. Thalia-Österreich-Chef Josef Pretzl hat erst kürzlich betont, an den Standorten nicht rütteln zu wollen, auch wenn der stationäre Handel seine Position als Hauptabsatzkanal für Bücher verlieren dürfte. "Zwischen 40 und 50 Prozent der Umsätze werden ins Internet wandern", sagte er.

Im vergangenen Jahr ging der Umsatz der in Summe knapp 300 Thalia-Buchhandlungen auf vergleichbarer Fläche um fast 4 Prozent zurück, das Ergebnis brach von 20 auf 5 Mio. Euro ein. Zwar versucht Douglas bereits mit Hilfe seines Online-Buchhändlers buch.de nicht den Anschluss an Platzhirsche wie Amazon zu verlieren, allerdings bringt das Geschäft im Internet geringere Margen ein und kann den Umsatzschwund im stationären Handel nicht kompensieren. Douglas geht auch für das laufende Jahr von einem Ergebnisrückgang bei Thalia aus, der sich auch auf den Gesamtkonzern niederschlagen wird. Auch puncto Dividendenpolitik bleibt der Konzern vorsichtig: Für das abgelaufene Geschäftsjahr sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 1,10 Euro je Aktie erhalten.

Aktie auf Talfahrt

Trotz einer Umsatzsteigerung im wichtigen Weihnachtsgeschäft rechnet Douglas für das neue Geschäftsjahr nur mit einem leichten Umsatzplus auf rund 3,4 Mrd. Euro, kündigte Kreke an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) solle zwischen 200 und 250 Mio. Euro liegen - deutlich weniger als im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11, in dem noch rund 293 Mio. Euro in den Büchern standen. Die Douglas-Aktien schickte Kreke mit dem Ausblick auf Talfahrt, sie verloren knapp 7 Prozent.

Im ersten Quartal 2011/12 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft strömten die Kunden vor allem in Deutschland in die Douglas-Parfümerien oder die Christ-Juweliergeschäfte des Konzerns. Insgesamt verbuchte Douglas ein Umsatzplus von 1,4 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. In Deutschland stiegen die Erlöse um 4,1 Prozent. Im Ausland verzeichnete der Konzern indes ein Minus. Damit setzte sich ein Trend aus den vergangenen Quartalen fort: Vor allem in den von der Euro-Schuldenkrise gebeutelten Ländern wie Spanien oder Portugal, deren Regierungen mit drastischen Sparprogrammen auf die Krise reagieren, lassen die Douglas-Parfürmerien Federn. Hohe Arbeitslosigkeit tut ein übriges: "Zunächst muss das Essen auf den Tisch, erst danach geht es ums Aussehen", umschrieb Kreke das Verhalten der Verbraucher.

Das Online-Angebot soll nicht nur bei Thalia, sondern auch bei den übrigen Sparten ausgebaut werden. Von den 120 Mio. Euro geplanten Investitionen in diesem Jahr soll ein Teil in den Auf- und Ausbau von Online-Shops der Douglas-Parfümerien, der Christ-Juweliergeschäfte, der AppelratCüpper-Modehäuser und der Hussel-Süßwarenläden fließen. Der Rest ist für Filialeröffnungen oder Modernisierungen eingeplant. Den Internetauftritt auf Trab bringen soll ein eigener E-Commerce-Vorstand, nach dem Douglas derzeit noch sucht. (APA)

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15 Postings
MoltoBene
03
11.1.2012, 19:27
wir schaffen uns selbst ab

in dem wir alle (auch ich) immer mehr im internet unsere Geschäfte selbst erledigen (Reise buchen, shoppen, hotel auto mieten, etc.) brauchst immer weniger Personal für persönliches Service. Damit ist gerade im Handel der Druck auf die Mitarbeiter immer stärker und es werden immer mehr abgebaut.

Am Ende haben wir dann alle unsere Arbeitsplätze abgeschaftt, ausgenommen Paketsortierer natürlich.

e h
00
13.1.2012, 23:29

Die Antwort kann aber keine Zurück in die "Steinzeit" sein. Was wir brauchen, ist eine gerechte Umverteilungspolitik, damit alle von den enormen Produktivitätsfortschritten profitieren, besonders wichtig wäre eine Arbeitszeitverkürzung für die ArbeitnehmerInnen.

Weltfremd ?
00
13.1.2012, 21:40
Der Kommentar hat zweifellos

Berechtigung, wenn er nicht die handelnden Personen, sondern deren bezahlte Arbeit als abgeschafft darstellen wollte, jedoch trifft das nicht nur auf den Buchhandel zu sondern auf viele andere Wirtschaftszweige und hat bereits vor Jahrzehnten begonnen.

HVA
00
11.1.2012, 18:13
was mit Schlag-Seite gemeint ist ...

... oder wie es hinter den Kulissen ausschaut!

Zuerst lesen wir:
Denn gerade Bücher oder DVDs werden online besonders gern geordert, oder die Kunden laden sich gleich über ihren eReader aus dem Netz die gewünschte Lektüre herunter.

gefolgt von:
Zudem soll das Online-Angebot wie im Gesamtkonzern weiter ausgebaut werden. Rund 14 Prozent des Jahresumsatzes von 935 Mio. Euro fuhr Thalia im boomenden Internet-Handel ein.

aber dann, oh weh:
Zwar versucht Douglas bereits mit Hilfe seines Online-Buchhändlers buch.de nicht den Anschluss an Platzhirsche wie Amazon zu verlieren, allerdings bringt das Geschäft im Internet geringere Margen ein und kann den Umsatzschwund im stationären Handel nicht kompensieren.

Aktie auf Talfahrt - so schauts aus!!

thatslife
01
11.1.2012, 18:05
häää? ist ja genau der verkehrte weg

kleine buchhandlungen gehen ja nur wenn man sich auf etwas spezialisiert, etwa englische bzw. generell fremdsprachige buchhandlung, kinderbücher, reiseliteratur, oder ähnliches.
aber als universalbuchhandlung gehts ja kaum. ich will ja auswahl haben, ansonsten spar ich mir gleich den weg ins geschäft und bestelle direkt online, wenn meine chance sowieso gleich null ist das gewünschte buch, oder ein interessantes buch, zu finden.

Salz Burger
00
17.1.2012, 16:19

So viel Auswahl, wie das Internet bietet, kann kein Geschäft haben. Das Geschäft muss, wenn es konkurrenzfähig sein will, schon noch was bieten. Beispielsweise ein Erlebnis.

Heinz Pepi
01
11.1.2012, 17:56

Und ich dachte, dass gerade die " überdimensionierten Buchhandlungen" der USP von Thalia sind.
Aber ich bin ja kein Manager - die werden sich schon was dabei denken.

theEdge
 
06
11.1.2012, 14:58

Meine Güte, nur ein kleines Umsatzplus! Und dazu die Überschrift "droht das Geschäftsjahr zu verhageln". Katastrophe!

Aber hallo, da investiert einmal jemand etwas in die Zukunft seines Unternehmens und lässt sich das was kosten, und in der Wirtschaftssprache bedeutet das gleich eine mittlere Katastrophe.

El Chó
111
11.1.2012, 14:32

Thalia ist eh die Mafia unter den Buchhändlern. Eine Bekannte von mir ist in dieser Branche- da bekommt man sachen mit, die wirklich unschön sind. So wie etwa die übliche Praxis von Thalia, Verlage zu erpressen, dass sie Thalie mit bestimmten Titeln entweder exklusiv beliefern oder ihr gesamtes Sortiment bei Thalia rausfliegt. Nachdem sie so groß sind, kann sich das kein Verlag leisten. Eine schlechte Nachricht für Thalia ist eine gute Nachricht für den Buchhandel.

R., der Hundefreund
22
11.1.2012, 19:15
Stille Post

Natürlich nützt Thalia seine Größe aus, hinsichtlich Konditionen und WKZ´s, etc. Caritas ist nicht deren Revier. Aber eine Exklusivbelieferung gibt es nicht. Sprechen´s einmal mit den Vertriebsleitern von Zsolnay, Residenz, Styria (bewusst nur österreichische Verlage). Natürlich knirschen die bei den Jahresgesprächen, aber: die Wichtigkeit Thalias für den Markt ist unbestritten. Des weiteren werken bei Thalia rd. 800 Angestellte, der Großteil davon Buchhändler. Die haben das sicher nicht gerne, mit der Mafia in einen Topf geschmissen zu werden. Also bitte, keine stille Post mehr, sondern Recherche. Schon Karl Kraus hat darauf bestanden.....

nik.2008
01
11.1.2012, 18:04

.. Na ja.. - allerdings ist die Buchpreisbindung die wahre Katastrophe. Milchpreis, Brotpreis alles wurde aufgehoben, nur die mächtigen Verlage halten an der Buchpreisbindung fest. Sicher war es schön, als es an jeder Ecke noch einen Greißler, eine Milchfrau gab - all das ist aber heute nicht mehr zeitgemäß. Daher finde ich es auch nicht sinnvoll künstlich ein Gewerbe mit der Buchpreisbindung aufrecht zu erhalten. Angebot & Nachfrage soll wie überall den Preis regeln. Auch wenn ich dafür viele rote Stricherln bekomm..

R., der Hundefreund
11
11.1.2012, 19:06
Stricherl kriegen´s keines, weil ahnungslos

Was glauben Sie wie viele Bücher nie erscheinen würden, bei einer "freien Markt"-Regelung? Da wird´s keinen Bernhard, Handke, Jelinek mehr geben. Der Wettbewerb, den Sie so sehr vermissen, findet bei der Preiskalkulation der Verlage statt. Bei einem Kochbuch gleichen Inhalts, werden´s wahrscheinlich zum Günstigeren greifen. Wissen Sie eigentlich, dass es in 19 von 27 EU-Ländern eine Buchpreisbindung gibt? Simplifiziert hat das einen Grund: Vielfalt statt Einfalt für den Konsumenten. In Kikeritzpatschen kostet das Buch genau so viel, oder wenig (der Durchschnittsbuchpreis verharrt auf dem Level von 1994!), wie beim Frick am Graben. Haben´s übrigens die Entwicklung der Brotpreise verfolgt. Tun´s das, dann posten´s nimmer ahnungslos....

nik.2008
21
11.1.2012, 19:36

.. sehe ich nicht so. ich bin ein verfechter des freien markes - im buchhandel ist dieser preisreguliert. bernhard, jelinek würds auch dann noch geben, möglicherweise etwas teurer. buchandlungen die sich rechnen werden weiter offen bleiben, andere werden schließen. man sah es ja bei der musik - kopierschutz hin oder her - sobald ein werk im internet verfügbar ist, wird es auch kopiert. so wird es bei den büchern auch sein. umso höher der preis umso größer der reiz zu kopieren. außerdem warum soll ein buch im onlineshop genauso teuer wie in der buchhandlung mit beratung sein - wo dort die kostenstruktur eine andere ist. alles anachronistisch - aber jede zunft hängt an seine privilegien.

Waldorf and Statler
 
02
11.1.2012, 16:11

Die Größe wirkt sich allerdings nicht auf die Gestaltung der Website aus. Dort ein Buch zu finden, hat schon etwas von Rätselraten.

MiNDmaZing
12
11.1.2012, 14:07

Dazu fällt mir wieder dieser Witz ein

KundenWC-Schild worauf steht "für Kunden, Besucher benutzen bitte das WC von Amazon" :))

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