Erst reden, dann bauen

Maik Novotny, 11. Jänner 2012, 17:32
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    foto: wohnen mit alles

    Für den Verein Wohnprojekt Wien bauen einszueins 40 individuelle Wohnungen am Nordbahnhof.

Raus aus dem Elfenbeinturm: Katharina Bayer und Markus Zilker vom Büro einszueins entwickeln Häuser aus der Kommunikation

Wien - Nein, mit einer "gerechten Punkteteilung" im Fußball habe der Name nichts zu tun, sagt Katharina Bayer lachend. Die Frage werde zwar oft gestellt, aber einszueins steht bei den Architekten für den Dialog auf Augenhöhe zwischen ihr und Partner Markus Zilker (beide Jahrgang 1975) und zwischen den beiden und ihren Auftraggebern. "Und wir hatten von Anfang an das Ziel, unsere Projekte auch wirklich 1:1 zu bauen."

Die Bauten entstehen bei einszueins nicht im Elfenbeinturm, sondern aus der Lust an der Kommunikation. Da kann es schon einmal sein, dass ein Kunde in einem umfangreichen Fragebogen um Auskünfte über seine Lebensziele und über die Atmosphäre, die er sich in seinem Haus wünscht, gebeten wird.

Bewohner planen mit

Mit dem Bauen im Maßstab 1:1 hat das 2006 gegründete Büro bald angefangen: Einfamilienhäuser, zwei filigrane, aufgestelzte Badehäuser an der Donau, bald auch geförderter Wohnbau. Die neueste und größte Aufgabe entsteht demnächst am Wiener Nordbahnhof: Unter dem Namen "Wohnen mit uns!" tat man sich mit dem Verein Wohnprojekt Wien und dem gemeinnützigen Bauträger Schwarzatal zusammen. Der Verein wünschte sich Wohnen auf eigenem, gemeinsamem Besitz.

Nachdem 2010 der Bauträgerwettbewerb gewonnen wurde, ging es an die Kommunikation mit den zukünftigen Bewohnern der 40 Wohnungen. "Wir haben uns mit jedem der Bewohner einzeln zusammengesetzt. Jeder konnte seine Wohnung mitplanen. Wir haben die Statik so flexibel gehalten, dass auch Fenster und Wände den Wünschen angepasst werden konnten", erklärt Katharina Bayer.

Allerlei Draufgaben

Als Bonus gibt es Carsharing, Gemeinschaftsküche und ein Dachgeschoß mit Garten, Sauna, Bibliothek und Aussicht für alle. Die Wohnungen waren im Nu vergeben, 2013 können die 55 Erwachsenen und 20 Kinder denn auch wirklich einziehen.

Ist der Aufwand an zu leistender Kommunikation nicht zeitraubend und anstrengend? "Nein," sagt Katharina Bayer, "wir haben für uns entschieden, dass wir keine Weltstars werden müssen. Wir definieren uns über Beziehungen zu anderen und über unsere eigene Zufriedenheit, die sich daraus ergibt." (Maik Novotny, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2012)

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