Samsung Smart TV: Fernseher mit Wort und Gesten steuern

Samsung bringt seinen Smart-TV-Geräten bei, Couchpotatoes aufs Wort zu gehorchen und jeder Handbewegung zu folgen

Fernsehen bleibt im digitalisierten Haushalt eine der letzten Inseln der Unterhaltungselektronik: Zwar gingen auch TV-Geräte in den vergangenen Jahren online und lernten neue Tricks dank Apps. Aber so richtig in Schwung gekommen ist Smart TV, wie der koreanische TV-Weltmarktführer Samsung seine Online-Fernseher nennt, nicht: Seit die ersten Geräte 2008 auf den Markt kamen, wurden insgesamt zwölf Millionen Smart TVs und 20 Millionen Apps dafür verkauft. Das entspricht etwa dem Verkaufsvolumen aller Samsung-Fernseher in zwei Monaten: Allein im November 2011 wurden 5,7 Mio. Stück verkauft, erklärte Samsung-Präsident Boo Keun-Yoon bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas.

Keine Barrieren zwischen TV, Handy und Tablets

Aber die Koreaner sind wild entschlossen, die Barrieren zwischen TV und Handys, Tablets und Digitalkameras niederzureißen. Was immer auf einem Gerät gekauft und konsumiert werden kann, soll auch auf jedem anderen der Kette verfügbar sein, verspricht die Weiterentwicklung von Smart TV, das Samsung heuer auf seine TV-Geräte bringen will. Filme, über Samsungs Media Hub am Handy gekauft, können auch am Fernseher gesehen werden; Fotos, von drahtlosen Kameras auf den PC geladen, können am großen Schirm im Wohnzimmer betrachtet werden. "Für Familien spielt der Fernseher immer noch eine zentrale Rolle", sagt Keun-Yoon. Apps für Familien und Kinder spielen darum auch eine besondere Rolle im Angebot.

Sprachkommandos und Gesten

Dazu will Samsung die TV-Bedienung einfacher machen und von komplizierten Fernbedienungen lösen: durch die Fähigkeit, gesprochene Kommandos und Handbewegungen seiner Benutzer zu verstehen sowie durch Gesichtserkennung einzelne Benutzer ihren individuellen Vorlieben und Apps zuordnen zu können. "Smart Interaction" nennt Samsung diese Technik, die wie eine Kombination aus Apples Sprachassistent Siri, Microsofts Bewegungssensor Kinect sowie Googles Gesichtserkennung für das Galaxy Nexus wirkt. "Als Weltmarktführer müssen wir weitergehen bei der Entwicklung von Smart TV", unterstreicht Keun-Yoon die Rolle, die Samsung spielen will - eine Ansage sowohl an Apple, das möglicherweise heuer gleichfalls in dieses Segment des TV-Markts einsteigt, als auch an Google, das seine bisher mäßig erfolgreichen TV-Anstrengungen verstärken will.

Super OLED

Flaggschiff für Samsungs Smart TV soll 2012 wie berichtet ein 55-Zoll-Gerät mit "Super OLED-Display" sein, eine Bildschirmtechnik mit besonders brillanter, farbkräftiger Darstellung, die auch mit sehr raschen Bewegungen gut zurechtkommt. Super OLED war bisher auf Geräte mit kleineren Bildschirmen wie Handys und Tablets begrenzt. Trotz seiner Größe wird das TV-Gerät mit 7,6 Millimeter dünner als ein Handy und mit zwölf Kilo leichter als vergleichbare LCD-TV sein. Ein Dual-Core-Prozessor, wie er auch in Samsungs Galaxy-Handys und Tablets verwendet wird, sorgt für die für Apps und Online-Inhalte nötige Rechenleistung. Eine integrierte Kamera und ein eingebautes Mikrofon dienen der Erkennung und bieten gleichzeitig die Möglichkeit, Videokonferenzen abzuhalten.

Kameras mit WLAN

Vier neue Kameras und ein Camcorder schließen sich gleichfalls dank Wi-Fi (WLAN) mithilfe dieser "All Share Play" genannten Vernetzung mit anderen Geräten kurz. Das ermöglicht die drahtlose Übertragung von Fotos auf andere Geräte sowie die direkte Versendung von Fotos von der Kamera per E-Mail oder das Posten auf Webdiensten wie Facebook. Auch weitere Geräte im Haushalt sollen vernetzt werden: Nachdem Samsung im Vorjahr einen Kühlschrank mit einer Art integriertem Tablet auf den Markt brachte, soll heuer eine vernetzte Waschmaschine folgen, deren Funktionen über Smartphones, Tablets oder Smart TV gesteuert werden können und die Auskunft über ihren Status gibt. (Helmut Spudich aus Las Vegas, DER STANDARD Printausgabe, 11. Jänner 2012)

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