Hohes Suchtpotenzial bei Online-Rollenspielen

Mehr als zwei Prozent der Jugendlichen sind laut Uni-Studie Internet-Junkies - Burschen sind weitaus anfälliger für eine Abhängigkeit

Salzburg - Was viele Eltern insgeheim immer schon gewusst haben wollen, ist nun wissenschaftlich erforscht und bewiesen worden: Dem Netzkonsum wohnt ein enormes Suchtpotenzial inne. Laut einer von der Psychiatrischen Abteilung der Salzburger Landeskliniken gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Uni Salzburg durchgeführten Studie sind 2,5 Prozent der Schüler und Schülerinnen Internet-Junkies. Weitere 1,6 Prozent gelten als gefährdet.

Die Sucht wird nicht über die Zeit vor dem PC-Schirm definiert, sondern über die Art der Nutzung. Süchtig sind Menschen, die das Netz zwanghaft konsumieren und keine Kontrolle mehr über ihr Verhalten haben - Entzugserscheinungen wie starkes Schwitzen übrigens inklusive.

Buben sind anfälliger

Burschen sind weitaus anfälliger für eine Abhängigkeit von Internet und PC als Mädchen. Rund jeder vierte junge Mann gilt als süchtig, bei den Mädchen beträgt die Rate etwas über ein Prozent. Männliche Jugendliche verbringen im Schnitt täglich rund vier Stunden vor dem Bildschirm.

Die Internetsucht sei eine "nicht stoffliche" Sucht, ähnlich der Spielsucht, erläutert Studienautor Friedrich Wurst. Der Psychiater und Suchtforscher hält insbesondere Rollenspiele in Netz wie beispielsweise World of Warcraft für besonders gefährlich.

Das Problem sei, dass solche Spiele die ständige Präsenz der Mitspieler erfordern, sonst gehe das Spiel "an einem vorbei". Jeder fünfte Jugendliche, der in diese Netzwelt eintauche, bekomme durch seine starke Präsenz im virtuellen Raum in der Realität Probleme - beispielsweise schlechtere Schulnoten.

Die mit 434 Fragebögen für Schüler und Schülerinnen der 5., 9. und 10. Schulstufe (Durchschnittsalter 15 Jahre) Mitte 2010 durchgeführte Erhebung ist freilich nur eine - nicht zuletzt technologisch bedingte - Momentaufnahme. Die Internetnutzung via Smartphone ist noch nicht enthalten. Heute sähen die Ergebnisse anders aus, sagt Koautour Anton Kühberger von der Uni Salzburg. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printaugabe, 11.1.2012)

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