Rettung in der Sackgasse

Die Rettungsgasse ist ein Flop. Weder die teuren Werbespots noch die Appelle an die Solidarität von Österreichs Kraftfahrern zeigen Wirkung

Es war zu erwarten. Gesetzlich verordnete Werbung um drei Millionen Euro konnte es ebenso wenig verhindern wie die Appelle unserer Politiker an die Solidarität der p. t. AutobahnfahrerInnen mit potenziellen Unfallopfern: Die Rettungsgasse ist ein Flop.

Aber anstatt Ursachenforschung in Sachen Missachtung zu betreiben, begann man beim staatlichen Autobahnbauer am Tag drei, sich das Debakel schönzureden: Die Rettungsgasse werde bestimmt irgendwann funktionieren, wenn, ja wenn die Autofahrer die Lernphase einmal abgeschlossen hätten.

Auf die Idee, dass die sündteure Kampagne mit ihren 200 Radio- und 650 TV-Spots schwachsinnig und daher wirkungslos sein könnte, kam offenbar niemand. Dabei ist der virtuelle Dialog im jüngsten Radiospot, den der Astralleib eines Unfallopfers mit seinem gerade noch rechtzeitig in einen Rettungswagen gehievten "echten" Körper führt, an Abartigkeit und Esoterik nicht zu überbieten. Fehlt nur der Geistliche mit der letzten Ölung ...

Dabei ist es ganz einfach: Hier wird Ursache mit Wirkung verwechselt. Solange Österreichs Kraftfahrer nicht behirnen, dass das Reißverschlusssystem der Potenz rasender Kraftlackel keinen Abbruch tut, sind hausbackene Commercials vergebene Liebesmüh.

Daran wird sich sobald nichts ändern. Es sei denn, die Regierung entschließt sich, nicht nur bei schutzlosen Asylwerbern auf Law and Order zu setzen, sondern endlich auch bei jenen, denen Pannenstreifen komfortable Überholspuren sind oder die das Rechtsfahrgebot beharrlich ignorieren. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/5./6.1.2012)

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