Salzburg liegt in Deutschland

9. Juni 2003, 21:49
3 Postings

Tarif-Finessen machen Reisen mit der Bahn zum Glücksspiel

Wien/München - Bei der Deutschen Bahn AG (DB) gibt man sich zerknirscht. "Der Vorfall ist so abgelaufen, das Zugpersonal hat einen Fehler gemacht", kommentiert Bianca Walter, Pressesprecherin der Deutschen Bahn in München, den Fall jenes Österreichers, der in Deutschland trotz gültiger Fahrkarte aus dem Zug geholt worden ist (DER STANDARD berichtete).

"Wir werden darauf achten, speziell im grenzüberschreitenden Verkehr Schulungen durchzuführen", kündigt Walter an. Mittlerweile gibt es aber weitere tarifliche Merkwürdigkeiten zu berichten.

Richtige Info Zufall

Ein STANDARD-Leser vermeldet beispielsweise folgendes Erlebnis: Er kaufte auf der ÖBB-Homepage ein Hin-und-retour-Ticket Wien-München via Salzburg. Bei der Hinfahrt verlangte die deutsche Schaffnerin einen Eurocity-Zuschlag. Vor der Rückfahrt holte der Fahrgast in München Erkundigungen ein, eine Dame am Hauptbahnhof beschied, dass er einen Zuschlag zahlen müsste. Und verkaufte ihm ein Ticket für die Strecke München-Lindau, was er allerdings zu spät bemerkte. Der Zuschlag war aber ohnehin unnötig, wie ihm das deutsche Zugpersonal auf der Rückreise mitteilte: Die in Österreich gekaufte Fahrkarte enthielt bereits alle Extraspesen.

Diese All-inclusive-Tickets für Fernreisen sind aber auch nicht ohne Finesse, wie der Verein Fahrgast meldet. Denn wer sich ein Billett Wien- München kauft, zahlt unter Umständen neuerdings mehr als beim Erwerb zweier Karten, Wien-Salzburg und Salzburg-München mit Eurocity-Zuschlag.

Der Grund laut ÖBB-Pressestelle: Im internationalen Verkehr gibt es aufgrund einer Vereinbarung keinen eigenen Eurocity-Zuschlag mehr, dafür wird eine andere Preistabelle verwendet. Und das bedeutet, je nach Ziel, billigere oder teurere Karten als bei der Aufsplittung in Teilstrecken.

Salzburg Sonderfall

Salzburg ist bahntechnisch gesehen überhaupt hochinteressant. Laut DB-Pressesprecherin Walter gilt die Stadt an der Salzach nämlich als deutscher Bahnhof. Für eine Fahrt von München in die Mozartstadt könne ein Österreicher daher seinen 25-Prozent-Bonus durch die Vorteilscard nicht lukrieren. Die ÖBB widersprechen. Sollte Derartiges passieren, bittet man um Meldung.

Stichwort Vorteilscard: Bedient man am Wiener Westbahnhof einen Fahrkartenautomaten, um sich ein Ticket nach Purkersdorf-Sanatorium zu besorgen, kann man Zeuge einer faszinierenden Tarifanomalie werden. Denn während das Normalticket 1,50 Euro kostet, bezahlt man mit der Vorteilscard 1,60 Euro.

Purkersdorf Grenzfall

Die Erklärung: Purkersdorf-Sanatorium ist die Grenze der Kernzone Wien im öffentlichen Verkehr. Der Normalpreis entspricht daher einem normalen Öffi-Ticket, während die Vorteilscard den halben ÖBB-Tarif für die Strecke bringt. Eine Änderung der Software, um Fahrgäste auf diesen Umstand aufmerksam zu machen ist übrigens nicht geplant. "Technisch schwer umsetzbar", heißt es bei der Pressestelle. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2003)

Share if you care.