Riccardo Illy, Kaffeeröster-Spross und Friauls neuer Regionalratspräsident

9. Juni 2003, 19:10
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Keine Melange: Kaffee ist Kaffee, Politik ist Politik

Die beiden Wahltage verbrachte Riccardo Illy auf seinem Boot. Weit draußen in der Adria ruhte er sich von den Strapazen des Wahlkampfes aus. Nur seine Frau, die Journalistin und Gastrokritikerin Rosanna Bettini, antwortete auf Anrufe - und auch das nur, um auszurichten, dass ihren Mann keine Hochrechnungen interessieren. Dienstagfrüh sei er wieder zurück in Triest und stehe Rede und Antwort.

In Illys Haus bei Opicina, von wo aus man den gesamten Golf von Triest überblicken kann, steht kalter Sekt bereit, um den "historischen Wahlsieg" zu feiern. Friaul galt als ewige Bastion der Konservativen, hier herrschte die Democrazia Cristiana jahrzehntelang uneingeschränkt, dann übernahmen Berlusconis und Bossis Parteigänger das Erbe. Für das Ulivo-Bündnis, dessen Mitbegründer der studierte Politologe ist, war klar: Nur einem weltoffenen Unternehmer wie Riccardo Illy könnte es gelingen, in das konservative Bollwerk einzudringen.

Illy, Vizepräsident im Unternehmen der gleichnamigen Triestiner Kaffeedynastie, hält Firma und politische Arbeit strikt wie kaum ein anderer auseinander: Kaffee ist Kaffee und Politik ist Politik. Der 47-Jährige ist Vater einer 20-jährigen Tochter, begeisterter Sportler und repräsentiert den neuen Stil im Politikmachen: Strikt ohne Krawatte, aber keinesfalls inhaltlich "hemdsärmelig", gibt der zweimalige Bürgermeister von Triest den volksnahen Politiker ohne in populistische "Eventpolitik" zu verfallen. Er fährt mit dem Rad zur Arbeit, ist wegen seiner noblen, zurückhaltenden Umgänglichkeit äußerst beliebt. Oft wirkt er schon fast schüchtern - ist es aber beileibe nicht, wenn er eine politische Arbeit anpackt.

Die rechten Gegenkandidaten warfen Illy deshalb auch vor, er missachte die Parteien, er sei ein "Macher", der alles allein entscheide, der seine Personalentscheidungen nicht nach parteipolitischen Regeln treffe. Dem hat Illy nicht widersprochen. Als ihn Wirtschaftsminister Giulio Tremonti - eigens mehrfach im Wahlkampf nach Friaul gereist - als "Kommunisten" beschimpfte, antwortete er: "Ich bin Unternehmer."

Riccardo Illy ist ein Vertreter einer unkonventionellen Linken, der auch manche Genossen ins Schwitzen bringt, gerade auch, was seine "Außenpolitik" angeht. Illy wandte sich immer gegen "Verteufelungsversuche" Jörg Haiders, er schätze den Kärntner Landeshauptmann, Haider sei ein fähiger Verwalter, mit dem er hervorragend zusammenarbeiten könne.

Das zentrale Thema in Illys Wahlkampf war der EU-Beitritt Sloweniens, mit dem Friaul ins Zentrum rückt. Während die Rechte auf nationalistische Revanche sinnt, kann für Illy und seinen Mitstreiter, den Germanisten Claudio Magris, jetzt ein Mythos lebendig werden: "Mitteleuropa". (Andreas Feichter/DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2003)

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    foto: montenero/ansa
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