Im Namen der Demokratie

9. Juni 2003, 21:56
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"Die Frau" von Edward Bond in den Linzer Kammerspielen

Aufgrund des Irakkriegs setzte der Linzer Schauspielchef Gerhard Willert anstelle von Peter Handkes "Über die Dörfer" Die Frau von Edward Bond an. Der mit moralischem Impetus vorgetragene Aufschrei gegen den Machtwahn der Männer und die daraus folgende grausame Logik der Gewalt ist kraftvoll und in der Übersetzung von Alisa und Martin Walser auch sehr poetisch.

Der erste Teil handelt vom Versuch der Athener, eine Glück verheißende Statue herauszuverhandeln. Dies misslingt, weil sich Ismene (Athen) und Hekuba (Troja) gegen den Wahnsinn der Männer und des Krieges verschwistern. Im Namen der Demokratie metzeln die Griechen daraufhin Troja nieder. Der zweite Teil spielt zwölf Jahre später auf einer kleinen Insel, die auf der endlosen Suche der Griechen nach der Statue zum Fanal für Heros wird.

Willert erzählt die Geschichte auf der eindrucksvollen Bühne von Volker Pfüller ohne Pathos, ohne Verweise auf den aktuellen Anlass. Mit der ihm eigenen virtuosen Sprach- und Zeichenbehandlung kreiert er eine szenische Kette, die sich wie ein Henkerstrick um den Hals der scheinheiligen "Hure Demokratie" und ihres letztlich schwachen Führers legt. Der moralische Sieg der Frauen (bemerkenswert: Verena Koch und Isabella Szendzielorz) und der Krüppel lässt am Ende sanft und völlig unspektakulär keinen Zweifel auch an der Kraft des Theaters. (kann/DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2003)

Linzer Kammerspiele, 0800/21 80 00. 19.30>
  • Verbrüderung von Schwestern: Verena Koch als Hekuba (re.) und Isabella Szendzielorz als Ismene.
    foto: kammerspiele/brachwitz

    Verbrüderung von Schwestern: Verena Koch als Hekuba (re.) und Isabella Szendzielorz als Ismene.

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