"Hairspray" räumt ab

11. Juni 2003, 11:11
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Rock-Musical gewinnt acht Tony-Awards

New York - Das Rock-Musical "Hairspray" ist der große Gewinner der 57. Verleihung der Tony Awards in New York. Die am Broadway laufende Bühnenversion des Erfolgsfilms von John Waters räumte am Sonntagabend in der Radio City Music Hall in gleich acht Kategorien den begehrtesten Theaterpreis der USA ab. Besonders erfolgreich waren auch die Produktionen "Long Day's Journey Into Night" und "Take Me Out".

Ausgezeichnet wurde "Hairspray" unter anderem in den wichtigen Musical-Kategorien bestes Musical, beste Hauptdarsteller und beste Regie. Eines der spannendsten Rennen des Abends lieferte sich "Hairspray"-Darsteller Harvey Fierstein mit dem ebenfalls als Favoriten eingestuften Antonio Banderas aus der an Fellinis "8 1/2" angelehnten musikalischen Komödie "Nine". Fierstein setzte sich als bester Hauptdarsteller am Ende ebenso durch wie seine Bühnen-Kollegin Marissa Jaret Winokur, die im Wettbewerb mit Broadway-Liebling Bernadette Peters ("Gypsy") den Preis für die beste Hauptdarstellerin holte.

Die Vorstellungen des Musicals, in dem es um Rassismus und soziale Konflikte im Baltimore des Jahres 1962 geht, sind seit der Premiere im August vergangenen Jahres stets ausverkauft. Im Mittelpunkt des Stücks stehen Teenager, die von einer Karriere als Tänzer träumen und heimlich an einem Talentwettbewerb teilnehmen. Den Namen verdankt das Stück dem Spray, das Jugendliche damals literweise nahmen, um sich die Haare zu stylen. "Ich denke, jeder sieht gerne zu, wie das dicke Mädchen sich den heißesten Jungen angelt und gewinnt", sagte Filmemacher Waters.

Die erstmals in ihrer illustren Karriere nominierte Vanessa Redgrave (66) und ihr Kollege Brian Dennehy aus O'Neills Familiendrama "Long Day's Journey Into Night" bekamen jeweils eine Auszeichnung für die schauspielerische Leistung. Dennehy setzte sich gegen den 78-jährigen Hollywood-Star Paul Newman durch. Der Oscar-Preisträger war für das Stück "Our Town" nach 38 Jahren wieder auf eine New Yorker Bühne zurückgekehrt. Außerdem wurde die Produktion mit einem Tony für die beste Neuauflage eines Stückes ausgezeichnet.

Ebenfalls mit drei Tonys wurde das Stück "Take Me Out" bedacht. Es wirft einen Blick in die Umkleidekabine einer Baseball-Mannschaft, nachdem der Starspieler des Teams seine Homosexualität enthüllt hat. Überhaupt konnte die von "X-Men"-Star Hugh Jackman moderierte Tony Verleihung auch als Referenz an die Leistung homosexueller Theaterleute gesehen werden. So gilt "Hairspray"-Star Fierstein als eine Ikone der Schwulenbewegung in den USA.

Widrigkeiten

Der Broadway schloss mit der 57. Tony-Show in der traditionsreichen Radio City Music Hall eine Theatersaison ab, die trotz Widrigkeiten wie dem Rückgang der Touristenzahlen, wiederholten Warnungen vor neuen Terroranschlägen und einem Musikerstreik die kommerziell erfolgreichste seit vielen Jahre war. Die Gesamteinnahmen aller Bühnen stiegen nach Angaben der League of American Theaters and Producers im Vergleich zur letzten Saison um 12 Prozent auf fast 721 Millionen Dollar (616 Millionen Euro), während die Zuschauerzahl insgesamt um rund eine halbe Million auf 11,4 Millionen zunahm.

Als Zeichen für die "Vitalität des Broadway" wurde auch gewertet, dass die durchschnittliche Laufzeit von Stücken an den New Yorker Mainstream-Bühnen um 7,7 Prozent zunahm. Kritiker bemängelten allerdings, dass vor allem aus Kostengründen weniger wirklich neue Stücke und mehr Neuauflagen altbewährter Stoffe produziert worden seien. Unter den insgesamt 35 Broadway-Stücken der zu Ende gegangenen Saison waren nur sechs vollkommen neue Produktionen - seit Jahren die geringste Zahl. (APA/Reuters/dpa)

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    Harvey Fierstein in einer Szene von "Hairspray"

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