Abbas lehnt Treffen mit Berlusconi ab

9. Juni 2003, 13:50
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Italienischer Premier boykottiert Arafat

Ramallah - Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas (Abu Mazen) hat ein Treffen mit dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi auf dessen Nahost-Reise abgelehnt. Als Grund gab das Büro von Abbas am Montag in Ramallah die Weigerung Berlusconis an, auch mit Präsident Yasser Arafat zusammenzutreffen. Italien, das am 1. Juli für die nächsten sechs Monate den Ratsvorsitz übernimmt, ist das erste Land der EU, dessen Spitzenvertreter ein Treffen mit Arafat ablehnt. Berlusconi wollte am Montag in Jerusalem mit seinem israelischen Kollegen Ariel Sharon zusammentreffen.

Abbas hatte in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC erklärt, es könne auf palästinensischer Seite nicht hingenommen werden, dass Arafat von den USA systematisch isoliert werde. Arafat sei für die palästinensische Bevölkerung nach wie vor ein Symbol, er sei ihr gewählter Präsident. "Ihn so zu behandeln, ist nicht zulässig", sagte der Premier. Die Schaffung des Amts eines palästinensischen Ministerpräsidenten war von den USA erzwungen worden, weil die israelische Führung Arafat nicht mehr als Verhandlungspartner akzeptiert.

Arafat legitimer Repräsentant

Bei dem amerikanisch-arabischen Gipfel in Sharm el Sheikh in der vergangenen Woche hatten der ägyptische Präsident Hosni Mubarak und die anderen anwesenden arabischen Staatsoberhäupter gegenüber Präsident George W. Bush betont, dass Arafat nach wie vor der legitime Repräsentant des palästinensischen Volkes sei. Abbas hatte unmittelbar danach Arafat Bericht erstattet.

Nach dem französischen Außenminister Dominique de Villepin hatte es auch der neuseeländische Außenminister Phil Goff abgelehnt, sich von Israel eine Begegnung mit Arafat "verbieten" zu lasse. Er zog es vor, auf eine Zusammenkunft mit dem israelischen Premier Sharon zu verzichten. Zu dem israelischen Beschluss, dass ausländische Besucher, die Arafat treffen, künftig nicht mehr von Sharon empfangen werden, erklärte das neuseeländische Außenministerium wörtlich: "Das ist eine Entscheidung, die Premierminister Sharon für sich selbst treffen kann. Aber wir entscheiden, wen wir treffen".(APA/AP)

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