"Er ist der Beste"

9. Juni 2003, 11:38
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Knoll sieht keine Alternative zu Gusenbauer

Eisenstadt - Die neue Leiterin der SP-Zukunftswerkstätte, Gertraud Knoll, sieht keine Alternative zu Alfred Gusenbauer als SPÖ-Vorsitzenden. "Nicht weil er der Einzige ist, er ist einfach der Beste", sagte Knoll im APA-Interview. Eine "Gusenbauer-Debatte" in der SPÖ finde nicht statt. Dass es aber in der SPÖ die "unterschiedlichsten Nuancen" gebe, sei das Markenzeichen dieser Partei, die nicht nur "auf Linie" fahre. In einer Zeit, in der es um die Pensionsreform gehe, sei es alles andere als hilfreich, an der Person des Vorsitzenden Kritik zu üben, meinte die ehemalige evangelische Superintendentin des Burgenlandes.

Gusenbauer werde seit Jahren vorgeworfen, er sei nicht besonders medientauglich. "Das muss man einmal aushalten", sagte Knoll dazu. Die innerparteiliche Kommunikation in der SPÖ verlaufe zufrieden stellend, sagte Knoll. Eine Oppositionspartei müsse alle Kräfte bündeln, um das Thema Pensionsreform zu bewältigen und könne sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Sie selbst habe sich immer willkommen gefühlt in der Partei. Man habe ihr vermittelt, "wir sind froh, dass du da bist".

Gegen Rot-Blau

Die Möglichkeit einer SPÖ-FPÖ-Koalition schloss Knoll neuerlich aus. Früher habe es geheißen "nur ohne Haider", heute wisse man, "es gibt nur eine FPÖ mit Haider". Ob der Kärntner Landeshauptmann Parteivorsitzender sei oder nicht, spiele dabei keine Rolle. Demokratiepolitisch sei es notwendig mit allen zu reden. Dass man FPÖ-Abgeordnete, brauche um die Pensionsvorlage der Regierung zu kippen, sei etwa unbestritten. Jedoch: "Wenn man in 25 Themen völlig konträr ist und sich in einem annähert, heißt das noch lange nicht, dass eine tragfähige Koalition möglich ist."

Um die Arbeit der Zukunftswerkstätte öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, werde sie sich mit SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal beraten. Auf die Frage, warum Broukal ihrer Meinung nach nicht Kommunikationschef der SPÖ geworden ist, erklärte Knoll, Broukal brauche keine eigene Position, er sei Kommunikator. Im übrigen glaube sie, dass Broukal zufrieden sei mit dem was er jetzt tue.

"Sehr kompliziert"

Schon der von ihr verehrte Gründer der SPÖ-Zukunftswerkstätte, Alt-Bundeskanzler Fred Sinowatz, habe erkannt, dass Zukunftsprobleme "sehr kompliziert" seien. In ihrer neuen Funktion, die sie seit 1. Juni inne hat, wolle sie zukunftsorientierte Problemlösungen in den Bereichen Politik, Kultur, Wirtschaft und soziale Sicherheit erarbeiten. Dazu werde sie einmal Kontakte knüpfen zu NGOs und Kooperationen in der Partei suchen, etwa mit dem Renner-Institut.

In ihrer neuen Funktion wolle sie in enger Zusammenarbeit mit dem Parlamentsklub die SPÖ-Politik von morgen formulieren. Die Zukunftswerkstätte verstehe sie außerdem auch als Nachwuchsschmiede. Bei Expertendiskussionen, bei denen sie auf die Frauenquote achten werde, werde sie auch Betroffene hinzuziehen. Im Fall der Pensionsreform bedeute dies Vertreter von Pensionistenorganisationen oder Schulsprecher als Vertreter der Jugend. (APA)

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