Ägypten will Nofretete-Büste zurück

11. Juni 2003, 10:34
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Altertümerverwaltung startet diplomatische Kampagne zur Rückgabe - Zank zwischen Zahi Hawwas und Dietrich Wildung

Kairo/Berlin - Die ägyptische Altertümerverwaltung hat in den Medien und auf diplomatischem Wege eine Kampagne für die Rückgabe der berühmten Nofretete-Büste aus dem Ägyptischen Museum in Berlin gestartet. Zum Anlass nahm der Chef der Altertümerverwaltung, Zahi Hawwas, eine Kunstaktion, bei der die Büste am 26. Mai im Berliner Museum für kurze Zeit auf eine von ungarischen Künstlern gestaltete Bronzestatue gestellt worden war.

Über den Direktor des Museums, Dietrich Wildung, sagte Hawwas am Sonntag in Kairo: "Jemand muss dem Treiben dieses Mannes Einhalt gebieten." Kulturminister Faruk Husni sagte, er habe bereits Kontakt zu seinem Kollegen Außenminister Ahmed Maher aufgenommen, um von den Deutschen die bemalte Kalksteinbüste der Gattin Echnatons zurückzufordern. "Sie ist in Berlin nicht in sicheren Händen", fügte er mit Hinweis auf die Kunstaktion hinzu.

Nofretete nackt in Berlin

Stein des Anstoßes für die Ägypter ist aber nicht nur die Tatsache, dass die knapp 50 Zentimeter hohe Büste aus ihrer Vitrine geholt worden war. Ebenso schlimm findet die regierungsnahe ägyptische Tageszeitung "Akhbar al Yom", dass die Bronzestatue aus Ungarn eine Nackte zeigt. "Königin Nofretete nackt im Museum von Berlin!", lautete eine Schlagzeile vom Samstag.

Der gerügte Museumsdirektor selbst ist entsetzt über die Kampagne, hinter der er einen Racheakt von Hawwas vermutet. Hawwas hatte sich im vergangenen Jahr bitter über Wildung beklagt, nachdem dieser seine Forschungen nach geheimen Gängen in der großen Pyramide von Gizeh scharf kritisiert hatte.

"Anspruchsvolles Kunstprojekt"

Laut Wildung handelt es sich bei der zusammen mit der Kunsthalle Budapest organisierten Kunstaktion um Ungarns Beitrag zur Kunst-Biennale in Venedig, die am kommenden Sonntag beginnt. In einem Raum werde die kopflose Bronzestatue gezeigt, im Nebenraum eine Dokumentation der Aktion in Berlin. "Sinn ist der Dialog zwischen altägyptischer und zeitgenössischer Kunst", erklärte Wildung am Sonntag der dpa in Kairo: "Dies ist ein anspruchsvolles Kunstprojekt und nicht irgendein Klamauk."

Dass die Ägypter an der Nacktheit der Statue Anstoß nehmen, findet Wildung grotesk. "Dieser Vorwurf ist absurd, denn aus der gleichen Grabung von 1912, aus der auch die Nofretete-Büste stammt, gibt es eine kleine Kalksteinfigur der Nofretete, die nur mit ein hauchdünnes, fast unsichtbares Kleid trägt und quasi nackt aussieht."

Die ägyptische Altertümerverwaltung hat seit dem Amtsantritt von Hawwas einige Anstrengungen unternommen, um Ausstellungsgegenstände aus der Pharaonenzeit aus verschiedenen internationalen Sammlungen zurück zu erhalten. Die etwa 1355 v. Christus von Thutmosis geschaffene Nofretete-Büste aus Tell el Amarna war 1912 von deutschen Archäologen unter der Leitung von Ludwig Borchart ausgegraben und auf zweifelhafte Weise nach Berlin ausgeführt worden. (APA/dpa)

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    Die Büste der Königin Nofretete ist ein Streitobjekt zwischen Ägypten und Deutschland, seit sie nach der Ausfuhr kurz nach ihrer Entdeckung in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

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