Zwölf Verdächtige wegen Putschversuchs in Mauretanien verhaftet

10. Juni 2003, 16:42
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Nouakchott kehrt allmählich zur Normalität zurück - Erster gewaltsamer Umsturzversuch seit Jahrzehnten

Nouakchott - Nach dem Scheitern eines Putschversuches in Mauretanien sind nach Angaben aus Militärkreisen zwölf Verdächtige verhaftet worden. Es handle sich um Offiziere, teilte ein Mitglied der mauretanischen Streitkräfte am Dienstag mit. Präsident Maaouya Sid Ahmed Ould Taya hatte die Aufständischen am Montagabend für besiegt erklärt und den ihm loyalen Truppen seinen Dank ausgesprochen. Am Dienstag kehrte das öffentliche Leben in der Hauptstadt Nouakchott allmählich zur Normalität zurück.

Banken und Geschäfte wieder geöffnet

Nach zweitägigen schweren Kämpfen öffneten Banken und Geschäfte wieder, auf den Straßen waren Busse und Taxis unterwegs. Das US-Außenministerium warnte allerdings, die Lage in Nouakchott sei noch immer unsicher. Es empfahl, Reisen nach Mauretanien zu überdenken. Die dortige US-Botschaft werde je nach Entwicklung von Zeit zu Zeit schließen, teilte das Ministerium mit.

Spuren der Gefechte in der Stadt

Der internationale Flughafen in Nouakchott blieb auch am Dienstag geschlossen. Augenzeugen berichteten, auf dem Landeplatz seien Panzer und Abschussrampen für Raketen zu sehen. Auch in der Innenstadt standen verlassene Panzer, darunter zwei ausgebrannte vor dem Sitz des staatlichen Rundfunks und vor dem Präsidentenpalast. Diese beiden Gebäude waren besonders heftig umkämpft, zeitweilig gelang es den Rebellen offenbar sogar, in den Präsidentenpalast einzudringen. Mindestens drei Soldaten sollen bei den Gefechten ums Leben gekommen sein.

Annan verurteilt Putschversuch

UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte am Montag den Putschversuch. Für Mauretanien war es der erste seit 1984, als Präsident Ould Taya selbst durch einen Umsturz an die Macht kam, der allerdings unblutig verlief. "Es war das erste Mal, dass wir einen Krieg erlebt haben", sagte Einwohner Nouakchotts. Ould Taya wurde 1992 und 1997 bei Wahlen im Amt bestätigt, die von den meisten Beobachtern als nicht fair kritisiert wurden.

Al Jazeera: Zusammenhang mit verschärftem Vorgehen gegen islamische Extremisten

Der arabische Fernsehsender Al Jazeera brachte den Putschversuch am Wochenende mit dem verschärften Vorgehen der Regierung gegen islamische Extremisten in Zusammenhang. Im Mai waren Dutzende Islamistenführer verhaftet worden, weil die Regierung ihnen vorwarf, junge Männer für den Heiligen Krieg zu rekrutieren.

Die mauretanische Regierung gilt als prowestlich. Neben Jordanien und Ägypten ist der westafrikanische Wüstenstaat das einzige arabische Land, das diplomatische Beziehungen zu Israel unterhält. Mauretanien hat 2,5 Millionen Einwohner und zählt zu den 30 ärmsten Ländern der Welt.(APA/AP)

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