Präsident Santos: Schritte zum Frieden statt Rhetorik - Farc-Chef will "hypothetischen Verhandlungstisch"
Bogotá - Die kolumbianische
Regierung hat Verhandlungen mit der Rebellengruppe Farc
abgelehnt. Zuerst müssten die Aufständischen ihren
Friedenswillen durch Taten demonstrieren, erklärte Präsident
Juan Manuel Santos am Dienstag über den Kurznachrichtendienst
Twitter. "Wir wollen keine Rhetorik mehr."
Der neue Farc-Chef hatte sich zuvor zu Friedensgesprächen
mit der Regierung bereiterklärt. "Wir wären an einem
hypothetischen Verhandlungstisch interessiert", schrieb Timoleon
Jimenez, auch bekannt als Timochenko, in einem am späten
Montagabend im Internet veröffentlichten Brief an
Santos. In seinem weitschweifigen Schreiben mit Verweisen auf
die Bibel, griechische Mythen und den US-Schriftsteller Jack
London erläuterte der Rebellenanführer aber nicht, was er mit
"hypothetisch" meint.
Außerdem werde in dem Brief mit dem Titel "Keine Lügen,
Santos, keine Lügen" eher eine konfrontative als versöhnliche
Note angeschlagen, befand Goldman-Sachs-Analyst Alberto Ramos.
So kritisiert Timochenko die Rohstoffpolitik des viertgrößten
Erdölproduzenten Lateinamerikas, von der nur ausländische
Investoren und nicht die Kolumbianer selbst profitierten.
Timochenko führt die Farc-Rebellen seit Ende letzten Jahres
an. Sicherheitskräfte hatten zuvor seinen Vorgänger getötet und
damit der Farc einen weiteren schweren Schlag verpasst. Die
Gruppe, die sich vor allem über den Verkauf von Kokain und
Entführungen finanziert, ist durch eine seit 2002 andauernde
Militäroffensive zunehmend in die Defensive geraten. Zugleich
hat die Regierung erklärt, die Tür für Frieden stehe offen.
Verhandlungen kämen jedoch nur in Betracht, wenn die Rebellen
ihre Waffen abgäben, alle Geiseln freiließen und auf Angriffe
verzichteten. (Reuters)