Heuer fordern Kritiker eine Absage des Balls rechter Burschenschafter - Am selben Tag vor 67 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit - Offenbar wollen Verantwortliche 2013 den Ausschluss des Balls aus der Hofburg zurücknehmen
Wien - Der Ball des Wiener Korporationsringes - kurz WKR-Ball genannt - wirft auch heuer seine Schatten voraus. Erstens wegen des Termins dieses walzerseligen Beitrags rechter österreichischer Burschenschafter mit gleichgesinnten Besuchern zum Wiener Fasching: Am 27. Jänner jährt sich zum 67. Mal die Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee.
Zweitens, weil die Entscheidung der Hofburg-Pächter, den WKR-Ball heuer zum letzten Mal im imperialen Hofburgtrakt stattfinden zu lassen, dem Vernehmen nach keineswegs in Stein gemeißelt sein könnte. Mancher Gesellschafter der Kongresszentrum Hofburg BetriebsgesmbH, die sich im Dezember entschieden hatte, für 2013 keinen neuen Vertrag mit den Ballorganisatoren mehr abzuschließen, sei diesbezüglich am Wanken, teilte ein Insider dem Standard mit. Grund dafür: Druck der FPÖ.
Rückfragen bei einzelnen Gesellschaftern - Hotelbetriebsfirmen, einer Privatperson und den Casinos Austria - blieben diesbezüglich jedoch ergebnislos: kein Kommentar. Hofburg-BetriebsgesmbH-Geschäftsführerin Renate Danler wiederum hat von Vertragskündigungs-Rücknahmetendenzen nichts gehört: "Es bleibt, wie im Dezember beschlossen: Kein WKR-Ball 2013 in der Hofburg."
"Dass es politischen Druck der FPÖ auf Gesellschafter gibt, steht außer Zweifel", sagt hingegen Grünen-Nationalratsabgeordneter Karl Öllinger. So habe der dritte Nationalratspräsident Martin Graf in den vergangenen zwei Wochen zwei parlamentarische Anfragen bezüglich der Casinos Austria gestartet, eine davon, wegen der Lotterielizenzenvergabe, mit 387 Fragen.
Gegen "Österreichs Interesse"
Auf Absage oder Verschiebung des heurigen WKR-Balls drängt indes die NGO SOS Mitmensch. Am 27. Jänner werde international der Auschwitz-Opfer gedacht - bis zu 1,5 Millionen Menschen, mehrheitlich Juden: "Es kann nicht im Interesse Österreichs sein, wenn rechte Hetzer am Holocaust-Gedenktag in der Hofburg feiern", gibt Sprecher Alexander Pollak zu bedenken.
Auch bei der Israelitischen Kultusgemeinde ist man empört, denn mancher geladene WKR-Ball-Gast vergangener Jahre relativiert die Schoah: etwa Bruno Gollnisch, Vizechef des französischen Front National, 2007 in Frankreich wegen Holocaust-Leugnung verurteilt.
Die WKR-Ball-Organisatoren weisen diese Kritik zurück. Der Veranstalter sei "als Verein strikt unpolitisch", steht in einer als Antwort auf eine Standard-Anfrage zugesandten Presseerklärung.(Irene Brickner, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)