Causa Stradivari

Experte geigt in Bremen auf

10. Jänner 2012, 18:24

Wien - Die Causa Stradivari um Geigenhändler Dietmar Machold erfordert ein erklecklich Maß an Reisetätigkeit. Zeugen werden eingeflogen, nun schwärmen Sachverständige aus, um den Wert von Instrumenten zu bestimmen. Die Justiz ermittelt wegen Verdachts auf Untreue, Betrug und Krida, Machold handelte (auf Pump) mit wertvollen Geigen. Schaden aus der Insolvenz: rund 156 Mio. Euro.

Macholds Anwalt, Stephan Zinterhof, hat die Kooperation seines Mandanten (für diesen gilt die Unschuldsvermutung) angekündigt; bisher hat er nichts zum Verbleib der Instrumente gesagt.

Nichtsdestotrotz wurden bei einer Hausdurchsuchung der Geigenbau Machold GmbH in Bremen rund 50 Instrumente sichergestellt. Ihren Wert wird nun, im Auftrag von Macholds Wr. Neustädter Masseverwalter Jörg Beirer, Geigenbauer Jacob Saunders prüfen. Er, in den 80ern selbst Mitarbeiter Macholds, reist dieser Tage nach Deutschland.

Auch die Frage, wem die Geigen gehören (Machold selbst oder seinen Gesellschaften) und wer sie daher verwerten kann, ist noch offen. Geigen, die in Macholds persönlichem Eigentum stehen, wurden laut Masseverwalter Beirer "nicht gefunden". Und, so sagte er den Gläubigern im September: "Der Masseverwalter beabsichtigt, aktiv keine weiteren Schritte zur Untersuchung anzustellen, wem welche Geigen gehören." Zudem habe Machold persönlich "keinen Handel mit Geigen betrieben", so Beirer, sich auf einen Umkehrschluss von Macholds Steuerberater berufend: "Dies hätte sonst in seinen Steuererklärungen einen Niederschlag finden müssen."

Aus Unterlagen zu Macholds Privatgirokonto bei der Volksbank NÖ-Süd, die seit Juli im Gerichtsakt liegen, könnte man anderes schließen. Da finden sich jede Menge Geldflüsse für Instrumenten-Deals, allein die Verkäufe spielten von 2006 bis 2010 rund 5,1 Mio. Euro ein. Diese Dokumente kannte der Masseverwalter aber nicht. Laut Protokoll der Gläubigerausschusssitzung von September ist er mit seinem "Antrag auf Übersendung des Strafakts an das Landesgericht Wr. Neustadt" abgeblitzt und wird erst "nach der Vernehmung" Macholds "in den Strafakt Einsicht nehmen". Diese soll bald stattfinden. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2012)

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