Wien - Die Causa Stradivari um Geigenhändler Dietmar Machold erfordert ein
erklecklich Maß an Reisetätigkeit. Zeugen werden eingeflogen, nun schwärmen
Sachverständige aus, um den Wert von Instrumenten zu bestimmen. Die Justiz
ermittelt wegen Verdachts auf Untreue, Betrug und Krida, Machold handelte (auf
Pump) mit wertvollen Geigen. Schaden aus der Insolvenz: rund 156 Mio. Euro.
Macholds Anwalt, Stephan Zinterhof, hat die Kooperation seines Mandanten (für
diesen gilt die Unschuldsvermutung) angekündigt; bisher hat er nichts zum
Verbleib der Instrumente gesagt.
Nichtsdestotrotz wurden bei einer Hausdurchsuchung der Geigenbau Machold GmbH
in Bremen rund 50 Instrumente sichergestellt. Ihren Wert wird nun, im Auftrag
von Macholds Wr. Neustädter Masseverwalter Jörg Beirer, Geigenbauer Jacob
Saunders prüfen. Er, in den 80ern selbst Mitarbeiter Macholds, reist dieser Tage
nach Deutschland.
Auch die Frage, wem die Geigen gehören (Machold selbst oder seinen
Gesellschaften) und wer sie daher verwerten kann, ist noch offen. Geigen, die in
Macholds persönlichem Eigentum stehen, wurden laut Masseverwalter Beirer "nicht
gefunden". Und, so sagte er den Gläubigern im September: "Der Masseverwalter
beabsichtigt, aktiv keine weiteren Schritte zur Untersuchung anzustellen, wem
welche Geigen gehören." Zudem habe Machold persönlich "keinen Handel mit Geigen
betrieben", so Beirer, sich auf einen Umkehrschluss von Macholds Steuerberater
berufend: "Dies hätte sonst in seinen Steuererklärungen einen Niederschlag
finden müssen."
Aus Unterlagen zu Macholds Privatgirokonto bei der Volksbank NÖ-Süd, die seit
Juli im Gerichtsakt liegen, könnte man anderes schließen. Da finden sich jede
Menge Geldflüsse für Instrumenten-Deals, allein die Verkäufe spielten von 2006
bis 2010 rund 5,1 Mio. Euro ein. Diese Dokumente kannte der Masseverwalter aber
nicht. Laut Protokoll der Gläubigerausschusssitzung von September ist er mit
seinem "Antrag auf Übersendung des Strafakts an das Landesgericht Wr. Neustadt"
abgeblitzt und wird erst "nach der Vernehmung" Macholds "in den Strafakt
Einsicht nehmen". Diese soll bald stattfinden. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2012)