Österreich

Europa stößt sich an Kreditschranke

Andreas Schnauder, András Szigetvari, 10. Jänner 2012, 23:08
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    foto: apa

    Notenbankchef Ewald Nowotny (re.) hat den Banken eingeschenkt und strenge Richtlinien fürs Ostgeschäft verordnet. Die Banken unter Spartenobmann Walter Rothensteiner sind wenig begeistert.

Brüssel steigt Wien wegen der harten Auflagen für die drei großen Banken auf die Zehen. Am Mittwoch findet ein Treffen statt, um die Wogen zu glätten

Wien - Der Plan der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und der Finanzmarktaufsicht (FMA), die Kreditvergabe heimischer Banken in Osteuropa künftig stärker zu bremsen, schlägt immer höhere Wellen. Bereits im November, nachdem OeNB und FMA die Maßnahmen angekündigt hatten, beschwerten sich Politiker und Zentralbanker in Osteuropa heftig darüber, dass die Aufseher in Wien ohne vorherige Absprache neue Regelungen bekannt geben. In Budapest wie Bukarest fürchten viele, dass die neuen Bestimmungen das Kreditwachstum und damit die Wirtschaft insgesamt bremsen könnten.

Wie der Standard erfuhr, haben die Einwände nun die EU-Kommission auf den Plan gerufen. Nachdem mehrere osteuropäische Finanzminister Protestschreiben an die EU-Kommission verfasst haben, prüft die Behörde nun die geplante Richtlinie. Anknüpfungspunkt sei eine mögliche Verletzung der Kapitalverkehrsfreiheit, eine der Grundsäulen des EU-Binnenmarktes, hieß es in eingeweihten Kreisen. Konkret geht es um ein Limit, das die Kreditvergabe in wichtigen Fremdmärkten auf 110 Prozent der Einlagen im jeweiligen Land beschränkt. In der österreichischen Notenbank und der FMA wollte sich offiziell niemand zu dem Fall äußern. Bestätigt wurde lediglich eine Anfrage der Kommission, in der diese Klarstellungen zur geplanten Richtlinie eingefordert habe, um sie besser einschätzen zu können.

FMA und OeNB hatten Ende November die Eckpunkte der neuen Richtlinie vorgestellt und angekündigt, die detaillierte Regelung im Dezember zu präsentieren. Wegen des Wirbels musste der Termin verschoben werden.

Aufsehertreffen in Wien

Heute, Mittwoch, findet zunächst ein hochkarätig besetztes Treffen in Wien statt, bei dem 17 Aufseher aus anderen Staaten anreisen, um sich von FMA und Notenbank über die neuen Regelungen informieren zu lassen. Die Zusammenkunft sei eine Folge der "beleidigten Reaktionen" der Osteuropäer, meinte ein Notenbanker zum Standard. Das Treffen findet auf Ebene der Hauptabteilungsleiter statt, war zu hören. Nach der Infoveranstaltung könnte auch die Richtlinie noch im Jänner veröffentlich werden.

Hintergrund der Aktion von OeNB und FMA ist es, Österreichs Triple-A-Rating zu sichern. Nicht zuletzt wegen der Kreditvergaben in Osteuropa ist das Risiko für Österreich größer als für vergleichbare Triple-A-Länder wie die Niederlande und Finnland, schreiben die Rater Fitch, Standard & Poor's und Moody's immer wieder. Die Ankündigung, mit der neuen Richtlinie die Kreditvergabe zu verlangsamen, wurde von den Ratern positiv aufgenommen. Moody's schrieb sogar explizit, dass dies ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Österreichs Bonität darstelle.

Anders haben den Fall aber nicht nur Regierungen in Bukarest und Budapest gesehen. Auch bei der Osteuropabank EBRD gab es Kritik am Alleingang Wiens. Interessant ist, wie dieser überhaupt zustande gekommen ist: Ursprünglich wollten OeNB und FMA nämlich eine freiwillige Selbstverpflichtung der drei Großbanken Raiffeisen, Bank Austria und Erste Group erreichen. Nach einer vorläufigen Einigung hätten die Bankchefs die Unterschrift unter das Abkommen aber verweigert, erzählen Aufseher. Eine Forderung sei gewesen, den Eigenkapitalpuffer von drei auf zwei Prozent abzusenken. Aus Zeitgründen sei der Deal dann geplatzt - FMA und Notenbank reagierten mit einer verbindlichen Richtlinie. (Andreas Schnauder, András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 73
1 2
chistyle .at
00
11.1.2012, 16:20

Wir brauchen für die Banken jedes Jahr höhere eigenkapitalanforderung, damit sie endlich gesundschrumpfen und wir sie im fall des fallesnauch pleite gehen lassen können.
Um eine Kreditklemme während des schrumpfens zu verhindern und somit die Wirtschaft zu Schädigen sollte einstweilen die EZB kreativ am kreditgeschäft mitwirken.
Die investmentfonds,Hedgefonds gehören sowieso verboten oder zumindest streng reguliert. Alle gesellschaftszerstörende Finanzprodukte ebenfalls verbieten.

oachkatzlschwoaf
00
15.1.2012, 16:53
Eigenkapitalquote

Sie sind ein wahrer Bankfachmann und Volkwirt! Lehmann hatte kurz vor der Pleite über 20 % Eigenkapital und konnte sich davon aus nichts kaufen. In Europa sind ca. 80 % der Betriebe bankenfinanziert (der Rest finanziert sich über den Kapitalmarkt). In den USA ist es genau umgekehrt. Die ganzen Regulierungen schaden dem Wirtschaftskreislauf enorm. Was nur äußerst vorsichtig angegangen wird, ist die Eindämmung der Speklulationen (v.a. Devisen- und Optionashandel).

Tintininafrica
00
11.1.2012, 15:01
Österreich

Sofort EU-Sanktionen her ! Hier wird gegen EU-Dogmen unverschämt verstossen !

her wig
01
11.1.2012, 14:04
Das ist doch ganz einfach!

Man spricht eine Nichtrettungsgarantie seitens des Staates Österreich gegenüber den Banken aus, und die Sache ist erledigt.

playdude
00
11.1.2012, 13:42
Dreistein
 
00
11.1.2012, 12:39
Schizophrenie

Wie schizophren die europäische Politik derzeit ist, zeigt sich an diesem schönen Beispiel. So als ob sich nicht augenscheinlich gezeigt hätte, dass sich die Banken bei ihren Kreditvergaben übernommen haben, wird nun dagegen protestiert, wenn hier eine Begrenzung nach oben eingeführt wird. Derzeit ist es ja so, dass Kreditinstitute Kredite vergeben dürfen mit Kapital, das sie selbst gar nicht haben. Eines der Grundübeln, wie es überhaupt zu dieser weltweiten Finanzkrise kommen konnte.

J R
00
11.1.2012, 14:37

logisch, denn wenns schiefgeht, darf eh wieder der österreichische Steuerzahler gradestehen, um die "systemrelevanten" Banken nicht baden gehen zu lassen. Diese korrupten EUrokraten gehören endlich mit nassen Fetzen aus dem Land gejagt.

Maria Bergen
10
11.1.2012, 12:28
Na Hallo!

Da agieren die Banken mal vernünftig und geben keine Kredite (wahrscheinlich sehen sie ein zu großes Risiko darin) und dann will die EU die Banken zwingen Kredite zu vergeben? Wo sind wir da? Da spricht man auf der einen Seite davon dass sich die Länder zu stark verschulden und verlangt nach einer Schuldenbremse, gleichzeitig soll man aber weiterhin Kredite vergeben??? Das passt doch hinten und vorne nicht mehr zusammen.

Maria Bergen
00
11.1.2012, 12:24
Na Hallo!

adaschauher
01
11.1.2012, 12:16
bedenklich wenn in dieser situation schönwetterpiloten wie nowotny am ruder sind.

der burli
00
11.1.2012, 11:39
na da bin ich gespannt, ob ein land wie Ö für seine banken solche regeln erlassen darf in der eu.

lucky676
00
11.1.2012, 10:22
BANKEN

man liest immer nur BANKEN BANKEN, es wäre doch auch mal hilfreich aufzulisten, von welchen BANKEN man ihr schreibt...
sind ja nicht alle im ausland tätig, oder

rompitasche
01
11.1.2012, 10:48
nicht matschkern,

letzten Absatz lesen!

GreenTwig
20
11.1.2012, 10:21
pro

Das ist tatsächlich eine nicht hinzunehmende protektionistische Intervention. Die Banken müssen selbst wissen, welches Risiko sie wo eingehen und das vor ihren Aktionären rechtfertigen. Allerdings soll man eine zu gierige Bank auch in Konkurs gehen lassen. Für die Spareinlagen gibt's eh die Einlagensicherung.

J R
00
11.1.2012, 14:40

eh klar, weil man ja die angeblich systemrelevanten Banken baden gehen lassen wird.

Dreistein
 
00
11.1.2012, 12:48

Sie meinen also, die Steuerzahler sollten im Fall des Falles den Schaden übernehmen? Oder wer zahlt Ihrer werten Meinung nach die Einlagensicherung? Meinen Sie etwa die Haftungsverbände der einzelnen Banken würden dazu ausreichen?

GreenTwig
00
11.1.2012, 14:37

Warum der Steuerzahler ?
Geht z.B. die Raiffeisen International pleite, weil sie zu viele uneinbringliche Kredite hat, trifft das zuerst die RI-Aktionäre, deren Eigenkapital unmittelbar haftet. Danach trifft's jene Kreditgeber, bei denen sich die RI refinanziert hat. Natürlich werden verwertbare Assets entgegengerechnet. Erst wenn ein solcher Kreditgeber, z.B. die Raiffeisengruppe in Österreich dadurch ebenfalls insolvent wird und Spareinlagen gefährtet sind, dann tritt die Einlagensicherung in kraft. Dann aber zahlt die Haftungsgemeinschaft bzw. in erster Linie deren Aktionäre. Erst ganz zum Schluss wäre eventuell der Staat an der Reihe.

Hirntot
06
11.1.2012, 10:29

Naja, die Einlagensicherung finanzieren wir aber selbst. Und eigentlich haben OeNB und FMA nicht so unrecht. Da wird im Zuge von Basel 3 eine Erhöhung der Eigenkapitalquote gefordert, was ich persönlich absolut richtig finde und entweder durch höhere Rücklagen (sehr unwahrscheinlich im Moment) oder verringerte Kreditvergabe erreicht werden kann und im selben Atemzug klagen die osteuropäischen Staaten, dass die Kreditvergabe reduziert wird. Also irgendwie beißt sich da die Katze in Schwanz.

GreenTwig
00
11.1.2012, 16:01
contra

Es ist ein Unterschied ob z.B. Raiffeisen International die Kreditvergabe einstellt, weil deren Eigenkapital zu gering ist oder aber weil die Notenbank & FMA Kapitalabflüsse durch künstliche installierte Schranken verhindert.
Protektionismus in einer Krise führt immer zu weiteren Wohlstandsverlusten und Krisen-Verschlimmerungen.
(Vgl. John Kenneth Galbraith: Der große Crash)

Hirntot
00
12.1.2012, 09:47

Ja und nein. Die Banken sind offenbar nicht in der Lage ihre Finanzen selbst zu regeln, wie die Vergangenheit beweist. Die Notwendigkeit eines Einschreitens von FMA und OeNB liegt in der Unfähigkeit der Banken begründet ihr Eigenkapital in Ordnung zu bringen. Solange das Risiko besteht, dass Banken insolvent gehen und vom Steuerzahler aufgefangen werden müssen ist jedes Mittel recht einen solchen Fall zu verhindern.

Das Kapital ist die wahre Macht
121
11.1.2012, 09:45
Die Ungarn sollen die österr. Bankenmafia ruhig fertig machen!

Am besten den österr. Bankenmafiosi eine Salami von vorne und gleichzeitig eine von hinten rein.......

Und dann fragen: Haben sie noch Lust auf weitere Geschäfte, Finanztransaktionen die keiner versteht - auch nicht die Anbieter, weitere Spekulationen usw.

Spekulieren wir doch mal wie viele Salamis da reinpassen! In den Allerwertesten vom Bankdirektor.

J R
01
11.1.2012, 14:42

ein Crash wird schlußendlich auch Sozialhilfeempfänger treffen. Sie sollten also vorsichtig sein mit dem was sie sich wünschen.

GurrTaube
17
11.1.2012, 08:56
Respekt unserer Nationalbank.

Dem Vernehmen nach haben Banken Kredite bis zum Vierfachen der ihnen tatsächlich zur Verfügung stehenden Einlagen vergeben. Frei sein kann Kapital aber doch nur dann, wenn es dieses wirklich und nicht nur virtuell gibt. Somit ist die Frage, welche Kapitalfreiheit verletzt sein soll, wenn man derartige Auswüchse einer Geldvergabepraxis, also die Verleihung von Geld, das man nicht hat, die nachweislich Volkswirtschaften schädigt, wenn man dieses - großteils nicht vorhandene - Geld wissentlich in nicht rückzahlungsfähige Länder pumpt in dem Wissen, dass die eigenen Steuerzahler für jeden Ausfall aufzukommen haben werden, in den Griff zu bekommen versucht. Respekt unserer Nationalbank.

Karl Krammer
01
11.1.2012, 11:34
die Kreditvergabekapazität einer Bank hat mit ihren Spareinlagen nichts zu tun

wenn die FMA wirklich die Kundeneinlagen zur Berechnung der Obergrenze für die Kreditvergabe angesetzt haben, dann hätten sie vom Bankgeschäft keine Ahnung. Ich nehme an, hier handelt sich um einen Übersetzungsfehler oder ähnliches. Die Kreditvergabe ist nur durch das Eigenkapital beschränkt. Spareinlagen kann man haben, braucht man aber nicht. Gering verzinste Kundeneinlagen sind nur im Idealfall billigere Liquidität als die am Geldmarkt oder über die Notenbank beschaffte, das ist alles.

Dreistein
 
11
11.1.2012, 13:06

Dei Kreditvergabekapazität sollte aber wieder im Zusammenhang mit den Spareinlagen stehen. Was meinen Sie, warum der Finanzsektor weltweit in Schieflage gekommen ist. Genau deshalb! Geld, welches die Finanzinstitute gar nicht haben, wurde als Kredit vergeben. Das kann nicht gut ausgehen. Was wollen Sie vom Geldmarkt. Funktioniert der vielleicht richtig? Vergessen Sie Ihr bitte Ihre neoliberale Wirtschaftsdenke - die funktioniert nicht mehr.

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