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Graz - Mit Fortdauer der Debatte entzündete sich eine bemerkenswerte neue Spielart eines Generationenkonfliktes. Die situierten Herren im Publikum des Seminarraums an der Grazer Universität meckerten lautstark, warum die "heutige Jugend", also genau jene, die da am Montagabend vorn auf dem Podium saß, nicht endlich auf die Straße gehe und lautstark protestiere. Wie damals in den 1968er-Jahren - als die Haare der Herren noch länger und die Bankkonten dürrer waren.
Anna-Christina Siegl - die junge Präsidentin der Initiativgruppe Alpbach Graz - platzte der Kragen: "Wie kommt eigentlich die heutige junge Generation dazu, sich dauernd sagen zu lassen: Tuts endlich was, machts was, wehrts euch. Wer hat denn die Probleme verursacht? Genau die, die uns auffordern zu protestieren. Die sollen uns lieber eine Hilfestellung geben." Gut, aber warum halte sich der Jugendprotest, gemessen an anderen europäischen Beispielen, wirklich merkbar zurück, fragte Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, die die Diskussion des Club Alpbach Steiermark und des Standard moderierte, nach. Mit ein Grund für den zurückhaltenden Protest sei wohl auch, suchte die Grünen-ÖH-Vorsitzende Janine Wulz nach einer Erklärung, dass der Leistungsdruck an den Universitäten wesentlich stärker geworden sei als in den Generationen zuvor. Wulz: "Es geht nur darum, dass die Universitäten Studierende so rasch als möglich ausspucken und reif für die Wirtschaft machen. Es gibt keine Zeit mehr, Fehler zu machen, zu probieren, Umwege zu gehen oder Neues zu denken. Es zählt nur noch die Leistung und die wirtschaftliche Verwertbarkeit." Trotz erhöhten Frustpotenzials der Jugend werde sich der Wunsch der älteren Herren im Publikum jedenfalls nicht so rasch erfüllen, ist auch Jugendkulturforscher Philipp Ikrath überzeugt. Es brodelt zwar in der Gesellschaft, noch stehe der Protestmodus der Jugend aber auf "Verweigerung". Es werde einen Auslöser brauchen, um den stillen Protest hörbar zu machen. Wulz ergänzte, es gebe durchaus Proteste gegen diese Entsolidarisierung - konkret hätten die "Uni-brennt"-Proteste durchaus gewirkt. Der Protest entlade sich momentan aber noch auf Facebook-Ebenen. Wulz: "Bis er auf die Straße kommt, wird es noch ein wenig dauern. Viele glauben, dass sie mit Facebook die Welt verändern können."
Harald Mahrer, junger Präsident der Julius-Raab-Stiftung, ist überzeugt: Es fehle auch noch die große Betroffenheit. Mahrer: "Ist die persönliche Betroffenheit, so wie in Spanien oder Griechenland, groß genug, um aus der Komfortzone zu kommen? Nein. Das ist 2012 noch nicht der Fall. Es geht uns noch immer gut." (Walter Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)
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Solange die Jungen jeweils die Meinung dieser Personen/Gruppen vertreten. Eine andere Meinung wird auch von den 68ern kaum geduldet.
Wogegen sollen die Jungen protestieren? Gegen DIE Politik, gegen einzelne Parteien, gegen ein System (welches?), gegen einzelne Maßnahmen und Missstände? Ich denke, dass viele Junge auch die Angst haben, zum falschen Zeitpunkt, zur falschen Person die falsche Meinung kund zu tun.
Diese Alten haben gut reden. Sie haben meist feste Jobs, ein gutes Gehalt, wissen um ihre baldige und unantastbare Pension ... wie sieht es da bei den Jungen aus?
Die 68er - mehrheitlich StudentInnen - wussten, dass sie mit ein paar Kursen an der Uni schon bessere Jobs bekommen. Heute ist das nicht mehr so!
manchmal hab ich den eindruck, daß es zur zeit sonst in ALLEN generationen brodelt - nur nicht bei den unter-20jährigen. hat die kapitalistische kopfwäsche da schon derart extrem gewirkt, daß kapitalismus in dieser generation bereits als unumstößliches naturgesetz verstanden wird?
in jeder hinsicht, wundert mich die verweigerungshaltung der jungen nicht. schlimmer noch ist die verweigerungshaltung der älteren generation, die nur noch an sich denkt und ebenso der politikerInnen, die das noch zugunsten ihrer klientel potentieren. der apfel fällt nicht weit vom stamm ...
Eine kleine Elite diskutiert in einem kleinen Rahmen über ihre Kollegen - nur die Masse der Jugendlichen ist halt nicht politisch engagiert.
Wer hat den in den 68 demonstriert in Europa nicht die Masse der Jugendlichen, sondern nur die Studenten. Ja was war 68 in Österreich los - einfach nichts, keine großen Proteste, keine großen Aufstände, es war eine zahmer Prostest in Österreich in den USA, Frankreich, Deutschland war deutlich mehr los...
Sorry, es demonstriert nur immer eine kleine Elite - erst wenn die Masse etwas gewinnen kann schließen sie sich ihnen an - kein Vorteil keine Unterstützung und so war es immer!
Als Begründung für die Inaktivität der Jungen werden immer die höheren Anforderungen angeführt.
Der Traunstein ist aber seit meiner Kindheit nicht höher geworden. Ich bin mit 8 mit dem Papa hinauf und war furchtbar Stolz drauf.
Meine Nichten und Neffen sind schon am Bründl am Hochlecken (nach ca. 15min) in den Sitzstreik getretten und haben ein furchtbares Theater gemacht.
Das sind einfach verhätschelte Wappler.
weißt, ich muß schmunzeln, wenn die altvordere generation über die jugend motzt und dabei geflissentlich übersieht, daß sie die jugend selbst geprägt und zu dem gemacht hat, was sie ist.
und was erwartest du? schau dir unser system an, und schau welche art von mensch es benötigt, dann weißt du warum wir die kinder so früh wie möglich aus der familie reissen, jahrelang mit frontalunterricht und auswendiglernen verblöden und brechen, ihnen dann eine ausbildung angedeihen lassen ohne bildung zu vermitteln, und sie schließlich als stupide konsumschafhamster in das system integrieren - wer sich dagegen nicht wehrt hat mmn. prinzipiell ein problem.
Insofern haben sie schon ein paar wichtige Lektionen gelernt:
1. Nicht einfach Verhaltensweisen der Großeltern/Eltern kopieren. Vorher selber denken.
2. Streiken (in diesem Fall ein Sitzstreik) ist ein gutes Mittel, um sich Gehör zu verschaffen.
Die haben damals nicht geschnallt, dass zum Beispiel Wehrdienstverweigerung eine Form von aktivem Protest ist. Insofern haben sich die Verhaltensmuster (die Alten schimpfen über die "Jugend von Heute") nicht geändert.
Ja, ein toller Protest ist das, wenn Österreich von der Roten Armee bedroht wird und die verzogenen, langhaarigen Studentenbubis sich weigern, ihre Freiheit zu verteidigen oder sogar irgendwelche dämlichen kommunistischen Sprüche nachplappern.
Die Uni-protestanten waren ja auch ganz stolz darauf, dass sie den ganzen Tag faul in irgendeinem hörsaal herumliegen. Die 1968 Linken sind nicht die Lösung, sondern das Problem.
Beispiele?
Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. (Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr.)
Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen. (Aristoteles, gr. Philosoph, 384-322 v. Chr.)
Die 68er Generation macht in dieser Tradition der Jugendbeschimpfung munter weiter, wo die Generationen vor ihr aufgehört haben.
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