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Wien - Der Nachweis antibiotikaresistenter Keime im Fleisch deutscher Hühner löst auch harte Debatten über die österreichische Tiermast aus. Vorbeugender Einsatz von Antibiotika ist verboten - ohne ihn sei Massentierhaltung jedoch nicht möglich, und das gelte auch für Österreich, sagt der Biochemiker Walter Welz. Wer viele Tiere auf kleinem Raum am Leben erhalten wolle, komme nicht daran vorbei. Die Betriebskontrollen seien teils angekündigt, aus Kostengründen gebe es zudem zu wenig.
Welz, der für die Industrie Futter- und Lebensmittel auf Hormone und Drogen analysiert, warnt seit Jahren vor dem unkontrollierten Antibiotikaeinsatz in österreichischen Schweine- und Hühnerställen, bei dem auch illegale Mittel angewendet würden. Dabei gehe es nicht um wenige schwarze Schafe. "Es ist Ausdruck des starken Preiskampfes in der Landwirtschaft." Wer behaupte, die Betriebe setzten Antibiotika nur gezielt bei schon ausgebrochenen Krankheiten ein, verschließe die Augen vor der Realität. Aber wo kein Kläger, da kein Richter, es gelte also weiter die Unschuldsvermutung.
Ein Landwirt erzählt von einem blühenden Schwarzmarkt an verbotenen Medikamenten. Flächendeckend werde Antibiotikum in der Mast nicht angewandt; zeichneten sich Probleme ab sehr wohl aber prophylaktisch. Bei manchen großen Ställen gehe es halt einfach nicht anders, ergänzt ein Tierarzt.
60 Tonnen davon verschreiben Ärzte jährlich 5,6 Millionen Großtieren, 60 Millionen Masthühnern und 5,7 Millionen Legehennen. Je häufiger Antibiotika bei Tier und Mensch eingesetzt würden, desto häufiger gebe es bakterielle Krankheitserreger, die gegen diese Substanz resistent sind - was eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstelle, lässt die Agentur für Ernährungssicherheit wissen. Grund zur Besorgnis gebe es aber in Österreich nach wie vor keinen.
Steigender Fleischkonsum
Die Österreicher essen jährlich pro Kopf 13,4 Kilo Hühnerfleisch, da günstig und fettarm, nimmt der Konsum zu. 72 Millionen Hendln von 470 Mastbetrieben werden im Jahr geschlachtet. Die Wertschöpfung liegt bei 153 Millionen Euro. Rund zehn Prozent der Masthühner und mehr als die Hälfte der Puten werden importiert. Deutsches Fleisch findet sich laut Landwirtschaftskammer fallweise in Handelsketten, überwiegend jedoch in Gastronomie und Großküchen.
Er halte die Rückschlüsse aus den deutschen Fleischproben, bei denen zehn von 20 belastet waren, für statistisch unzulässig, sagt Ulrich Herzog, Bereichsleiter im Gesundheitsministerium. Das Thema Antibiotika dürfe nicht kleingeredet werden, Österreich wende es aber sorgsam an und habe hier "hohes Problembewusstsein" . Das Risiko, sich an einer Hendlkeule zu infizieren, sei jedenfalls gering.
Stefan Weber, Chef der Vereinigung für Qualitätsgeflügel, weist Vorwürfe über zu wenig Kontrollen und vorbeugenden Antibiotikaeinsatz scharf zurück. "Das sind Vorurteile, Märchen." Österreichs Datenbanken, die die Produktion dokumentieren, seien einzigartig in der EU, tausende Proben würden gezogen. Abgesehen davon sei die Prophylaxe schlicht zu teuer.
Die Geflügelproduktion sei aufgrund hoher Stückzahlen sensibel. Österreich sei aber für Ausreißer weniger anfällig als Deutschland, sagt Adolf Marksteiner, Experte in der Landwirtschaftskammer. Produktionsstrukturen sind kleiner, Tierschutzgesetze strenger - preislich gelten heimische Hendln in Europa daher als nicht wettbewerbsfähig. Ihr Leben dauert fünf Wochen, drei mehr in Biohaltung. 30 Kilo kommen auf einen Quadratmeter Stall, 39 Kilo in Deutschland. Eine Herde besteht im Schnitt aus gut 30.000 Tieren. In Deutschland sind Mastbetriebe zumeist fünf- bis zehnmal größer. Der Bioanteil bei Hühnerfleisch liegt bei nur wenigen Prozent.
Der hohe Medikamenteneinsatz ist eine Folge der kurzen Mastzeit und extrem niedrigen Deckungsbeiträge, sagt Wolfgang Pirklhuber von den Grünen. "Angesichts der Dumpingpreise bei Hühnerfleisch kann sich kein Bauer den Ausfall einer Herde leisten."
Als einzige Fleischsorte gibt es für Hühner bislang kein Gütesiegel der Argarmarkt Austria. Heuer soll es kommen, wird versprochen - bisher gab es keine Einigung auf die Richtlinien. Viele Lebensmittelketten entsenden eigene Leute zur Kontrolle in die Ställe der Geflügelhalter. Die Branche sei nicht gerade einfach zu handhaben, ist aus dem Handel zu hören.
(Verena Kainrath, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)
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Gott sei Dank werden die Leute hellhörig, es ist schon richtig, wenn man einkauft und man soll statt zu den 5 Hühnerbrüstchen nur zu den 2 greifen, da bio, aber man sollte nur richtig überlegen, was mehr wert ist für die Gesundheit
Ist ja auch völlig richtig, dass Sie die Leute als Kunden aufbauen, die höhere Preise zahlen. Völlig in Ordnung.
Aber lassen wir doch jedem Kunden das Recht, das zu kaufen, was er haben will. Die Landwirtschaft produziert ohnehin nur das, was auch verkauft werden kann.
Damit habe ich bisher kein Problem. Der gesundheitliche Vorsprung durch den hohen Fleischkonsum ist mir das Risiko wert. Weil ich außerdem ohnehin davon überzeugt bin, dass unsere Lebensmittel so gut wie noch nie sind.
Bei Zuständen wie vor 50 Jahren, ohne Kühlschränke und bei schlechter Hygiene, da hätte ich viel mehr Bedenken.
Ich lege auf meine Gesundheit sehr großen Wert. Deshalb achte ich ziemlich gut auf meine Ernährung und führe fast täglich Aufzeichnungen über die Nährwerte.
Da brauche ich niemandem glauben, an meiner Leistungsfähigkeit bei der Arbeit und am Rad im Fitnesscenter merke ich sehr schnell, wenn ich etwas gegessen habe, was mir nicht taugt.
Eigentlich bin ich ein sehr kritischer Mensch.
Manchen gefällt halt nicht, dass ich bei allen Dingen nach Beweise suche und deshalb auf esoterischen oder religösen Schwachsinn nicht hereinfalle.
sie haben mich des öfteren aufgefordert, es anzuzeigen - aber sie wissen, dass man nie dagegen ankommt und jetzt sagen sie, sie hätten es auch gewußt, da kenn ich mich jetzt wirklich nicht aus
Hm, doch wenn beispielsweise eine Kuh erkrankt ist, dann wird ein Bauer wahrscheinlich den Besuch eines Tierarztes schon aus wirtschaftlichen Gründen für sinnvoll erachten.
Der Arzt wird dieses Tier eher als "Individuum" betrachten.
Wenn ein einzelnes Huhn erkrankt ist, dann wird es eher zu verschmerzen sein, wenn dieses stirbt (rein wirtschaftlich betrachtet).
Was Sie ansprechen, ist denke ich auch richtig. Die sehr hellen Hausschweine würden zum Beispiel einen Sonnenbrand bekommen wenn man sie im freien halten würde (meinten Sie das so in diese Richtung?).
Nicht nur Sonnenbrand. Die würden einen Herzinfarkt erleiden, wenn sie vor irgendwelchen Feinden fliehen müssten. Die modernen Schweine sind optimiert auf den Zuwachs von Fleisch, aber eben nicht zum Überleben in der Natur. Brauchen sie auch nicht.
mittels tierversuche sehr oft vom tier auf den menschen schließt, wäre dies ein interessanter ansatz:
http://www.hybridturkeys.com/en/Hybrid... 20GER.ashx
bezüglich nahrung, "haltung" und verhalten
Jegliche Art von Massentierhaltung und auch den Import derartig produzierten Fleisches verbieten, Punkt und aus.
Und wenn sich dann nicht jeder 3 Mal täglich Fleisch leisten kann - so what, in allen Bereichen des Lebens ist es ungerecht, dass manche sich viel von etwas leisten können, andere weniger.
Das Menschenrecht auf möglichst billiges Fleisch existiert nicht, vor allem wenn es auf Kosten der Zuchttiere und potentiell der Gesundheit geht.
Gesünder und nachhaltiger wäre es allemal sowieso.
Interessant ist ja, dass nicht einmal die DERZEITIGEN Gesetze eingehalten werden.
"Vorbeugender Einsatz von Antibiotika ist verboten."
Und trotzdem wird es gemacht.
Und: Es gibt auch niemanden, der sich darum kümmert. Ist es nicht Aufgabe des Staates zu schauen ob Gesetze auch eingehalten werden?
Im Artikel kommt die Zeile vor "wo kein Kläger, da kein Richter".
Und wenn ich an die "Fleisch bringts"-Werbung denke ... da will ich jedesmal in den Fernseher springen und den entsprechenden Marketing-Heini würgen wie ein Hendl...
Und das das ganze noch mit Steuergeldern finanziert wird ist wirklich der absolute Gipfel!
Mir ist's auch schon vergangen:
http://www.spiegel.de/spiegel/p... 62438.html
Ich kaufe ab Hof und kenne meine Fleischnahrung beinahe beim Namen.
Es ist schrecklich, dass Hungerlohnempfaenger so einen Frass kaufen müssen.
Jene, die das nicht müssten, aber gedankenlos tun, sollten einmal grübeln.
Stellen Sie sich die Umweltbelastung vor, wenn jeder Konsument ab Hof kaufen würde.
Genaugenommen sind Leute wie Sie die Umweltsünder. Wie weit fahren Sie denn zum Hof für den Einkauf? Wenn Sie nicht gerade in einem Bauerndorf wohnen, dürfte das ziemlich teuer und aufwändig sein.
Der Unterschied ist: Die Fleischproduzenten irgendwo fern der Großstadt fahren nicht alle einzeln in die Stadt. Sondern vom Schlachthof möglichst effizient in Größen, die einen möglichst billigen Transport gewährleisten.
Ich stelle mir gerade vor, jede Woche würden alle Bewohner Wiens 200 Kilometer ausschwärmen um Fleisch zu kaufen. Da würde häufig der Treibstoff mehr kosten, als der Einkauf.
Achso und Massentierhaltung ist super für die Umwelt, oder wie?
http://tinyurl.com/5r2hfsb
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