Der geplante Museumsrundgang um den Salzburger Dom stößt auf Widerstand - Studenten und Professoren wollen nicht ihre drei Hörsäle räumen
Salzburg - Mit dem Umbau des Wallistrakts soll der letzte Schritt hin zum Salzburger Museumsrundgang um den Dom vollzogen werden. Für Museumsreferent und Landeshauptmannstellvertreter Wilfried Haslauer (ÖVP) eine "Jahrhundertchance, die innere Einheit des Salzburger Dombezirks wiederherzustellen".
Widerstand kommt von betroffenen Studenten und Professoren der philosophischen Fakultät, die derzeit in den Räumlichkeiten des Querbogens über der Franziskanergasse untergebracht sind. Haslauer fahre mit dem Museumsprojekt über die Betroffenen drüber, kritisiert Stefan Klingersberger von der Studienvertretung der Philosophie. 100 Studenten und Professoren demonstrierten Ende Dezember gegen den Umbau.
Konkret befinden sich derzeit ein großer Hörsaal, zwei kleinere Seminarräume und ein Professorenzimmer im zweiten Obergeschoß des Wallistrakts. Als Ersatzlösung sollen der große Hörsaal und ein kleinerer Seminarraum einen Stock höher, in den bisherigen Dachboden, verlegt werden. Der zweite Seminarraum sowie das Professorenzimmer würden ersatzlos gestrichen werden.
"Bei der Planung der Ersatzräume sind wir überhaupt nicht eingebunden worden", kritisiert Klingersberger und befürchtet eine massive Verschlechterung. Im Dachboden sei die Decke sehr niedrig. Zudem gebe es keine Fenster. Deshalb rechnet der Studentenvertreter mit akustischen und raumklimatischen Problemen sowie einer schlechten Beleuchtung.
Haslauer betont hingegen, dass es zu baulichen Verbesserungen kommen werde. Mit einem Lift in das dritte Obergeschoß werde die Fakultät zudem barrierefrei. Insgesamt stößt der studentische Widerstand bei Haslauer auf Unverständnis: "Es kann nicht daran scheitern, dass man einen Stock höher geht." Der Bedarf an Seminarräumen könne auch mit organisatorischen Mitteln gedeckt werden, denn es seien genug Räumlichkeiten der Universität in der Altstadt vorhanden. "Man muss eben abwägen, was wichtiger ist: ein Hörsaal oder die Errichtung eines Museumsquartiers, das europaweit einzigartig ist", fasst Haslauer zusammen.
Eine Ansicht, die gerade bei den Studenten auf Abwehr stößt. Der Museumsrundgang sei "ein Prestigeprojekt, das pünktlich zu den Landtagswahlen fertig sein soll und Haslauer zum Landeshauptmann machen soll", wettert Stefan Klingersberger. Museumsreferent Haslauer verweist auf die kulturpolitische und touristische Bedeutung, die das Projekt für Salzburg habe.
Baubeginn 2013 fix
Das "Domquartier" soll den gesamten Domplatz umspannen. Die Prunkräume der Alten Residenz, die Residenzgalerie, der nördliche Dombogen sowie die beiden Domemporen, der Lange Gang vom Stift St. Peter und der Wallistrakt sollen durchgängig begehbar und als Museum geführt werden. 8,5 Millionen Euro kostet laut Haslauer das Museumsprojekt. 900.000 Euro steuert die Stadt Salzburg bei, 300.000 Euro der Altstadtverband und 620.000 Euro kommen vom Stift St. Peter.
Der Wallistrakt ist das letzte Nadelöhr, das dem Umbau fehlt. Spätestens 2013 sollen die Bauarbeiten beginnen, die Bauzeit ist aber stark eingeschränkt. Es muss einerseits in der vorlesungsfreien Zeit gebaut werden, um den Uni-Betrieb nicht zu stören. Andererseits kommen Bauarbeiten im Sommer wegen der Jedermann-Aufführungen der Festspiele am Domplatz auch nicht infrage. (Stefanie Ruep, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)