Salzburg

Studenten werden für Museum umquartiert

10. Jänner 2012, 17:31

Der geplante Museumsrundgang um den Salzburger Dom stößt auf Widerstand - Studenten und Professoren wollen nicht ihre drei Hörsäle räumen

Salzburg - Mit dem Umbau des Wallistrakts soll der letzte Schritt hin zum Salzburger Museumsrundgang um den Dom vollzogen werden. Für Museumsreferent und Landeshauptmannstellvertreter Wilfried Haslauer (ÖVP) eine "Jahrhundertchance, die innere Einheit des Salzburger Dombezirks wiederherzustellen".

Widerstand kommt von betroffenen Studenten und Professoren der philosophischen Fakultät, die derzeit in den Räumlichkeiten des Querbogens über der Franziskanergasse untergebracht sind. Haslauer fahre mit dem Museumsprojekt über die Betroffenen drüber, kritisiert Stefan Klingersberger von der Studienvertretung der Philosophie. 100 Studenten und Professoren demonstrierten Ende Dezember gegen den Umbau.

Konkret befinden sich derzeit ein großer Hörsaal, zwei kleinere Seminarräume und ein Professorenzimmer im zweiten Obergeschoß des Wallistrakts. Als Ersatzlösung sollen der große Hörsaal und ein kleinerer Seminarraum einen Stock höher, in den bisherigen Dachboden, verlegt werden. Der zweite Seminarraum sowie das Professorenzimmer würden ersatzlos gestrichen werden.

"Bei der Planung der Ersatzräume sind wir überhaupt nicht eingebunden worden", kritisiert Klingersberger und befürchtet eine massive Verschlechterung. Im Dachboden sei die Decke sehr niedrig. Zudem gebe es keine Fenster. Deshalb rechnet der Studentenvertreter mit akustischen und raumklimatischen Problemen sowie einer schlechten Beleuchtung.

Haslauer betont hingegen, dass es zu baulichen Verbesserungen kommen werde. Mit einem Lift in das dritte Obergeschoß werde die Fakultät zudem barrierefrei. Insgesamt stößt der studentische Widerstand bei Haslauer auf Unverständnis: "Es kann nicht daran scheitern, dass man einen Stock höher geht." Der Bedarf an Seminarräumen könne auch mit organisatorischen Mitteln gedeckt werden, denn es seien genug Räumlichkeiten der Universität in der Altstadt vorhanden. "Man muss eben abwägen, was wichtiger ist: ein Hörsaal oder die Errichtung eines Museumsquartiers, das europaweit einzigartig ist", fasst Haslauer zusammen.

Eine Ansicht, die gerade bei den Studenten auf Abwehr stößt. Der Museumsrundgang sei "ein Prestigeprojekt, das pünktlich zu den Landtagswahlen fertig sein soll und Haslauer zum Landeshauptmann machen soll", wettert Stefan Klingersberger. Museumsreferent Haslauer verweist auf die kulturpolitische und touristische Bedeutung, die das Projekt für Salzburg habe.

Baubeginn 2013 fix

Das "Domquartier" soll den gesamten Domplatz umspannen. Die Prunkräume der Alten Residenz, die Residenzgalerie, der nördliche Dombogen sowie die beiden Domemporen, der Lange Gang vom Stift St. Peter und der Wallistrakt sollen durchgängig begehbar und als Museum geführt werden. 8,5 Millionen Euro kostet laut Haslauer das Museumsprojekt. 900.000 Euro steuert die Stadt Salzburg bei, 300.000 Euro der Altstadtverband und 620.000 Euro kommen vom Stift St. Peter.

Der Wallistrakt ist das letzte Nadelöhr, das dem Umbau fehlt. Spätestens 2013 sollen die Bauarbeiten beginnen, die Bauzeit ist aber stark eingeschränkt. Es muss einerseits in der vorlesungsfreien Zeit gebaut werden, um den Uni-Betrieb nicht zu stören. Andererseits kommen Bauarbeiten im Sommer wegen der Jedermann-Aufführungen der Festspiele am Domplatz auch nicht infrage. (Stefanie Ruep, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
smea_gol
00
16.1.2012, 11:14

unabhängig von der baulichen materie.
aber das ist wiedermal ein exempel dafür, dass der ÖVP irgendwelche mit windeln versehene kuttenbr**zer und halbtote pensionistentouris wichtiger als die eigenen jungen leut sind.

eins von 50000000 beispielen dafür.

kakaniengeist
00
14.1.2012, 21:07
die völkl-vorlesung im wallistrakt in alter geschichte, legendär!

wer steno konnte, war im vorteil, bei seinen prüfungen, denn die, die die ersten termine wahrnehmen konnten, hatten eine *gemähte wiese*.

im übrigen war salzburg zu meiner zeit, anfang der 80er jahre, erstens nicht teuer und zweitens *leiwoand*.

der ksv auf der germanistik hat schon immer wieder für *stimmung* gesorgt.

Die Wilde 13
00
15.1.2012, 20:35

Vielleicht versteht ichs durch die vielen (unnötigen) Beistriche falsch, aber konnte man sich mit Steno Kenntnissen früher zu Terminen eintragen?

kakaniengeist
00
23.1.2012, 22:00
wer steno konnte, hatte die komplette vorlesung schon intus, am ende der jeweiligen vorlesung!

die anderen mussten sich das im regelfall erst einmal *zusammenpuzzlen*.

oder auf das skriptum der öh warten.

und in zeiten der mechanischen schreibmaschine hat das *gedauert*.

und der völkl als tiroler sparte sich natürlich seine reisekosten und hatte seine *leichten* prüfungen gleich einen tag nach seiner letzten vorlesung im semester.

Nevim
00
13.1.2012, 22:54

Meine Erinnerung an den Wallistrakt ist etwas diffus, aber ich verstehe nicht, warum man nicht einfach den Museumsrundgang durch den dritten Stock führen kann. Dann bliebe der Unibetrieb unbehelligt. Zudem wäre der Rundgang aufgrund des vorhandenen Lifts barrierefrei, und "es kann nicht daran scheitern, dass man einen Stock höher geht".

Aufklärung!
02
11.1.2012, 13:57
ad "Baubeginn 2013 fix "

So fix, wie es hier dargestellt wird, ist dieses Projekt in Wirklichkeit noch nicht.
Weder liegen die nötigen Bewilligungen vor, noch sind die Pläne bei den Behörden eingereicht. Ausgeschrieben ist es noch lange nicht.

Simba
00
11.1.2012, 12:46
so weit ich mich

erinnern kann, ist der Wallistrakt sowiso schiach, dunkel und unter aller Sau. Zum Lernen völlig ungeeignet (wurscht ob am Dachboden oder einen Stock tiefer).

Entfesselter Prometheus
02
11.1.2012, 09:36
"Domquartier"

Wie lächerlich. Salzburg sollte nach Jahrzehnten endlich seine Plätze pflastern und somit vom absurd hässlichen Ostblockcharme-Asphalt befreien. Am besten gleich am Domplatz angefangen.

Aber halt! Dazu fehlt doch das Geld...

LightCurves
00
19.1.2012, 20:19

asphalt am dom-& und kapitelplatz und schotter am residenzplatz sind weltkulturerbe, da darf ma nix anderes machen ;( auch dürfen die fiakerpferde nicht mit puuh-bags belastet werden, wo kämen wir denn da hin! schlimm genug, dass nur noch 2.000 leute mit dem auto in die fuzo rein dürfen....

Midway
17
11.1.2012, 08:54
es ist einfach nur traurig!

nachdem ichs schon 4 jahre in graz genossen habe zu studieren hab ich hier in sch...burg weitergemacht. leidergottes aber auch nur weil mir die geswi bessere bedingungen bietet als etwa wien, bzw graz diese richtung gar nicht anbietet!

aber studentenfreundlich ist diese stadt keineswegs!hab nur so mit den ohren geschlackert als ich das erste mal unterwegs war. keine studentenkneipen, die preise sind astronomisch sowohl fürs wohnen wie auch lebensmittel. einfach nur irre! die touristen bestimmen hier alles, sehr traurig!

Die Wilde 13
00
15.1.2012, 20:38

Lebensmittel? Worin unterscheiden sich denn die Preise bei Spar, Hofer und Billa?

baasztian
 
03
11.1.2012, 11:31
naja ...

dass das studentenleben nicht vergleichbar ist mit graz ist klar. dass die preise sehr hoch sind auch (allerdings noch niedriger als in IBK wenn man studien glauben schenken darf). wie lange bist du denn schon dort? ich habe meine gesamte studienzeit immer gute kneipen gefunden (studentenmittwoch ist auch ne ganz lässige sache) und man kann sichs als student schon sehr gut einrichten in sbg. und die studienbedingungen sind tatsächlich im vergleich nicht schlecht. (vor allem wenn ich an meine beiden semester in wien zurückdenke)

Tübingus
01
11.1.2012, 11:41

Ich habe in meiner Studentenzeit in Salzburg nicht eine coole Studentenkneipe entdeckt. Oder willst du die Irish Pubs am Rudolfskai, die von Touristen überlaufen sind, als Studentenkneipen bezeichnen? Die Gebäude der Fakultäten sind zwar sehr schön: Aber eine Studentenamtosphäre in der Stadt ist einfach NICHT vorhanden. Es fehlt ein Campus, geschweige denn eine große Mensa. Die Mensen in Salzburg sind überhaupt das Fürchterlichste.

Simba
01
11.1.2012, 12:41
schau auf

die andere Seite der Altstadt. Dort sind die Lokale 1000mal besser und gemütlicher.
Natürlich sinds nicht so viele wie in Wien, aber Sbg. is ja auch kleiner. Dafür kannst du mit den Profs ohne große Voranmeldung oder Termine quatschen, die Hörsäle sind nicht überfüllt die Studierenden helfen sich idR untereinander (zumindest noch vor 10 Jahren)... aber gut, wenn ich mir die Kritikpunkte so anschau (man kann nicht gut saufen und fressen... ) - dann sind die von mir aufgezählten Dinge wohl unwichtig geworden ( oder heute nicht mehr existent).

Die Wilde 13
00
15.1.2012, 20:47

Gibts das Schnaitl nicht mehr? Irgendwie das einzige halbwegs alternative Lokal in dieser Stadt ohne Phantasiepreise.

Tübingus
02
11.1.2012, 14:26

Beim Studentenleben geht es auch um das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das alles gibt es nicht in Salzburg. Es geht nicht um saufen und fressen, sondern um eine nette und sympathische studentische Atmosphäre. In Salzburg gibt es keinen Campus, in Salzburg gibts keine richtigen Mensen, in Salzburg gibt es kleine Clubhäuser für Studenten etc.

Nevim
01
13.1.2012, 22:51

Ich habe das schön gefunden, dass es keinen Campus gibt. Von der Nawi in die Altstadt spazieren, um sich dort eine Vorlesung anzuhören, das war eigentlich immer sehr nett.

Man fühlt sich der Uni vielleicht nicht so zugehörig wie an amerikanischen Campus-Unis, wo alle im Uni-T-Shirt herumlaufen, aber innerhalb meines (zugegebenermaßen sehr kleinen) Studiengangs gab es durchaus eine sehr nette Atmosphäre, Hilfsbereitschaft und Freundschaften, die auch jetzt (ca. zehn Jahre später) noch anhalten.

Simba
00
11.1.2012, 14:40
stimmt vollkommen

hab ich persönlich aber auch nicht gebraucht. Es gibt nämlich die Salzach, die diversen Lungerpläzte und die Festln. Man kanns sich schon ganz nett machen in Sbg. Und erhrlich Campusuni hat mir perönlich nie getaugt (hatte ich ca. ein Jahr im Ausland --wobeis da zumindest hilfreich war, zwecks Kontakten). Aber Menschen sind verschieden und es gibt ja für jeden das passende.

labyrinth
03
11.1.2012, 08:29
Wallistrakt

Dort haben viele, viele Vorlesungen stattgefunden, die legendär waren, weil interessante Personen und weil dort im Wallistrakt eine wunderbare Atmosphäre herrscht(e).

Danach abends mit dem Radl durch die Innenstadt in die Pauls-Stubn :-)

ichbinsofrei.net
12
10.1.2012, 23:06
Im Dachboden sei die Decke sehr niedrig. Zudem gebe es keine Fenster.

Krass. Aber Hauptsache Tourismus. Diese Stadt hat mehr als 2 Mio Nächtigungen / Jahr. Aber kein Problem: Wenn man die restlichen Einheimischen auch noch in dunkle Dachböden und muffige Keller steckt, kommt man 2015 locker auf 3 Mio Nächtigungen.

Blattschnitt
13
10.1.2012, 22:56

Es gibt in der Salzburger Altstadt noch Gebäude, die weder privatisiert, noch musealisiert worden sind, sondern noch öffentlich genutzt werden?

Sofort musealisieren! Das muss der Bevölkerung trotz allgemeinem Sparmantra schon die 8 Mio. Euro wert sein! Danke, ÖVP.

La Réunion
11
10.1.2012, 19:56
völliger Humbug

dieser Rundgang

aber Salzburg ist eben Salzburg ...

herr inspekta
11
10.1.2012, 22:14

ja, die salzburger sudern, jammern und sind grundsätzlich gegen jede veränderung.

die bisherigen poster sind der beste beweis für meine erfahrungen

La Réunion
10
11.1.2012, 08:58
bin aber

kein Salzburger!

neue untermauerte These?

herr inspekta
00

hat nix mit philosophie zu tun, hausverstand reicht

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.